digital Fördertöpfe

Landwirtschaftliche Datenplattform vom Staat?

Den Tierbestand und die Futtermenge über eine digitale Software steuern? Nur mit der richtigen Schnittstelle. Das BMEL hat nun eine Machbarkeitsstudie zu staatlichen Datenplattformen für die Landwirtschaft in Auftrag gegeben. (Illustration: Christina Helmer)

Wie kann eine staatliche Datenplattform die Landwirtschaft unterstützen? Das soll nun das Fraunhofer-Institut im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums herausfinden. Ergebnisse sollen im Herbst 2020 vorliegen. f3 hat Einschätzungen dazu eingeholt.

Wie müsste eine staatliche Datenplattform für die Landwirtschaft aufgebaut sein? Welche Daten braucht der Landwirt? Und welche digitalen und technischen Standards sowie Datenschutzmaßnahmen müsste eine Plattform erfüllen? Fragen wie diese soll nun eine Machbarkeitsstudie in Erfahrungen bringen, die das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) kürzlich vergeben hat. Betraut wurde damit das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering in Kaiserslautern.

Die Kosten der Studie in Höhe von 400.000 € trägt das BMEL. Die Ergebnisse will das Institut im Herbst 2020 präsentieren.

Schnittstellen zu Behörden?

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministerium soll die Studie folgende Fragen beantworteen:

  • Wie muss eine digitale Datenplattform des Staates sinnvoll aufgebaut werden, um die Landwirte bestmöglich zu unterstützen?
  • Welche relevanten Daten können dem Landwirt von staatlicher Seite kostenfrei und in einer praxisgerechten (maschinenlesbaren) Form zur Verfügung gestellt werden?
  • Welches Potential bietet die Offenlegung von Schnittstellen beispielsweise zu digitalen Antragssystemen der Länder?
  • Wie müssen digitale Daten für die Landwirtschaft aussehen, damit diese einfach für unterschiedliche Anforderungen nutzbar sind (Standards für Datenformate bzw. offene Schnittstellen)?
  • Welche Maßnahmen hinsichtlich Datenschutz müssen bei staatlichen Plattformen gewährleistet werden? Wer schützt die Unabhängigkeit der Landwirte gegenüber den Dienstleistungsanbietern oder Landtechnikanbietern?

Reaktionen und Einschätzungen

f3 hat zur Vergabe der Machbarkeitsstudie die AgTech-Gruppe des Bundesverbandes Deutsche Startups e.V., den Digitalverband Bitkom sowie die DKE-Data GmbH & Co. KG, einen Zusammenschluss aus elf Landtechnikherstellern, um eine Stellungnahme gebeten.

Start-ups als Treiber der Digitalisierung mit einbeziehen

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Wie kann eine staatliche Datenplattform die Landwirtschaft unterstützen? Das soll nun das Fraunhofer-Institut im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums herausfinden. Ergebnisse sollen im Herbst 2020 vorliegen. f3 hat Einschätzungen dazu eingeholt.

Wie müsste eine staatliche Datenplattform für die Landwirtschaft aufgebaut sein? Welche Daten braucht der Landwirt? Und welche digitalen und technischen Standards sowie Datenschutzmaßnahmen müsste eine Plattform erfüllen? Fragen wie diese soll nun eine Machbarkeitsstudie in Erfahrungen bringen, die das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) kürzlich vergeben hat. Betraut wurde damit das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering in Kaiserslautern.

Die Kosten der Studie in Höhe von 400.000 € trägt das BMEL. Die Ergebnisse will das Institut im Herbst 2020 präsentieren.

Schnittstellen zu Behörden?

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministerium soll die Studie folgende Fragen beantworteen:

  • Wie muss eine digitale Datenplattform des Staates sinnvoll aufgebaut werden, um die Landwirte bestmöglich zu unterstützen?
  • Welche relevanten Daten können dem Landwirt von staatlicher Seite kostenfrei und in einer praxisgerechten (maschinenlesbaren) Form zur Verfügung gestellt werden?
  • Welches Potential bietet die Offenlegung von Schnittstellen beispielsweise zu digitalen Antragssystemen der Länder?
  • Wie müssen digitale Daten für die Landwirtschaft aussehen, damit diese einfach für unterschiedliche Anforderungen nutzbar sind (Standards für Datenformate bzw. offene Schnittstellen)?
  • Welche Maßnahmen hinsichtlich Datenschutz müssen bei staatlichen Plattformen gewährleistet werden? Wer schützt die Unabhängigkeit der Landwirte gegenüber den Dienstleistungsanbietern oder Landtechnikanbietern?

Reaktionen und Einschätzungen

f3 hat zur Vergabe der Machbarkeitsstudie die AgTech-Gruppe des Bundesverbandes Deutsche Startups e.V., den Digitalverband Bitkom sowie die DKE-Data GmbH & Co. KG, einen Zusammenschluss aus elf Landtechnikherstellern, um eine Stellungnahme gebeten.

Start-ups als Treiber der Digitalisierung mit einbeziehen

So zeigte sich der Bundesverband Deutsche Startups e.V. enttäuscht darüber, nicht miteinbezogen worden zu sein. Die AgTech-Start-ups im Verband arbeiteten „ja bereits an digitalen Lösungen und Datenplattformen arbeiten, die mitunter schon im Markt etabliert“ seien. Im Statement heißt es: „Es ist wirklich bedauerlich, dass einerseits die Digitalisierung der Landwirtschaft ausgerufen wird, Start-ups als Treiber ebendieser dann aber erst einmal außen vor gelassen werden. Dabei sind wir es, die nicht nur den Status Quo bestens beurteilen können, sondern in unserem täglichen Tun Zukunftsmodelle in den Markt hinein entwickeln.“

Auch bestehende Plattformen fördern

Der Bitkom lobte die Durchführung der Studie, weil diese „zentrale Fragestellungen zur Machbarkeit klären“ könne. Deutsche Unternehmen seien zwar führend in der Entwicklung technologischer Anwendungen in der Landwirtschaft. „Aber“, so heißt es in der Stellungnahme, „mangelnde Vernetzung und Verfügbarkeit öffentlicher Daten erschweren eine bessere Nutzbarkeit dieser Anwendungen für Landwirtinnen und Landwirte.“ Der Digitalverband hofft, „dass auch bestehende Plattformen durch besseren Zugang zu Schnittstellen und die Bereitstellung öffentlicher Daten gefördert werden“.

Vertrauen der Landwirte gewinnen

Eine bereits bestehende Datenaustauschplattform ist der „agrirouter“. Sie wurde auf Initiative von elf Landtechnikherstellern gegründet. Stellvertretend für die verantwortliche DKE-Data GmbH & Co. KG in Osnabrück äußerte sich Dr. Johannes Sonnen. Er hält es für sinnvoll, dass sich die Machbarkeitsstudie zuerst einmal neutral an das durchaus heikle Datenthema annähert und denkt schon an die Umsetzbarkeit. Er sagt: „Erst mit einer Anforderungsliste kann hinterher jemand gefunden werden, der das ganze inklusive Ausbaustufen auch programmieren kann.“

So wie wir die Steuererklärung heute über Elster machen, müsste das auch für die cross compliance möglich sein.

Dr. Johannes Sonnen

Für die Praxis der landwirtschaftlichen Betriebe mache es aber „absolut Sinn, ihnen die verschiedenen Daten von öffentlicher Hand gesammelt zugänglich zu machen“. Dies umfasse etwa Daten des Bundessortenamts, Bodenkarten oder auch Daten zu Wasserschutzauflagen. Wichtig sei nur, so Sonnen, als Staat langsam das Vertrauen der Landwirte zu gewinnen. „Eine solche Plattform dürfte im ersten Schritt nur in eine Richtung gehen, also von den Behörden zum Landwirt“, so Sonnen. „Später könnten dann auch cross compliance Meldungen möglich sein.“ Dazu müssten sich aber erst alle Bundesländer auf ein Antragsformat einigen. „So wie wir die Steuererklärung heute über Elster machen, müsste das auch für die cross compliance möglich sein.“