farm food Story

Lu- lu- lu-, Lu-lu-Lupine!

Landwirtin Linda Kelly aus Baden-Württemberg stellt Kaffee aus Bio-Lupinen her. Das Standbein wird langsam lukrativ. (Foto: Kelly)

Mit selbst geröstetem Kaffee fing alles an. Heute produziert Landwirtin Linda Kelly Mehl, Flocken, Gekochtes und mehr aus Lupinen. Sie baut die als heimisches Superfood besungene Hülsenfrucht schon seit 2013 an. Und trifft mit der Eiweißbombe gerade jetzt einen Nerv.

„Am freien Markt ist die Süßlupine eigentlich nicht wirtschaftlich“, sagt Landwirtin Linda Kelly aus Herdwangen in Baden-Württemberg. Und doch produziert und vertreibt die 36-Jährige erfolgreich Lupinen-Kaffee, Lupinen-Mehl, gekochte Lupinen, Lupinen-Linsen, -Samen und -Aufstriche. Das alles selbstgemacht und in Bioqualität. Ein ganz schön breites Sortiment für eine so kleine Produktnische.

6 von insgesamt 300 Hektar

Linda Kelly (2.v.l.) baut Bio-Lupinen an und verarbeitet sie zu zahlreichen Produkten. Die eiweißreiche Pflanze liegt im Trend. (Foto: Jaisfeld)

„Ohne den landwirtschaftlichen Betrieb im Rücken, hätte ich mir nicht so viel ermöglichen können“, ist sich die gelernte Industriekauffrau und Landwirtin bewusst. Sie bewirtschaftet gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Eltern rund 170 ha Ackerbau und 120 ha Grünland nach Bioland-Richtlinien. Im Jahr 2014 übertrugen ihre Eltern ihr 60 ha Grünland, um einen eigenen Betrieb aufzubauen. Den Bärenanteil setzt die Direktvermarkterin seitdem mit dem Verkauf von Bioland-Heu um.

Aber die Süßlupinen-Direktvermarktung etabliert sich immer mehr als zweites Standbein. Dieses hat sie bewusst nach und nach aufgebaut, statt alles auf eine Karte zu setzen. Aus 3 ha Anbaufläche wurden 4, jetzt sind es 6 ha. Heute, nach fünf Jahren Aufbau, wird das Lupinen-Standbein langsam rentabel. Verzeichnete Linda Kelly im ersten Jahr 2014/15 noch einen Umsatz von 3.400 €, hat er sich im Jahr 2017/18 auf rund 26.000 € nahezu verachtfacht.

Erstes Produkt: Kaffee

Reinigen, trocknen, reinigen, rösten - so entsteht der Lupinenkaffee. (Fotos: Jaisfeld)

Angebaut wird die blaue Süßlupine. Sie reift früher ab als andere Sorten und ist weniger anfällig für Anthraknose, ein Pilz der Lupinen gern befällt. Je nach Witterung erntet Linda Kelly 1 bis 2 t pro ha. Nach der Ernte werden die Lupinen mithilfe einer Saatgutreinigungsmaschine von Beikräutern gereinigt und in einem Containertrockner getrocknet. Dann werden sie nochmals gereinigt. Zur Herstellung des ersten Lupinenproduktes, einem entkoffeinierten Bio-Kaffee, werden die Samen in einem umgebauten Industrieofen geröstet und in einer Industriemühle gemahlen. Abgefüllt in einer 500-g-Packung kostet der Bio-Kaffee 8,49 €. Zum Vergleich: Ein Pfund handelsüblicher Kaffee kostet rund 5 €.

Die gesamte Verarbeitung findet auf dem Hof statt. Daran hat Lindas Ehemann Michael großen Anteil. Von der Trocknungsanlage über die Schalentrennmaschine bis zur Mühlmaschine hat der Maschinenbau-Ingenieur alles selbst auf- oder umgebaut. Nur so ist die Produktion nach Angaben der Betriebsleiterin überhaupt zu stemmen. Neumaschinen hätten das Investitionsbudget weit überschritten. „Wir haben schon rund 40.000 € investiert. Die Eigenleistung lässt sich gar nicht messen“, sagt Linda Kelly.

Mit Kaffee fing es an. Heute umfasst das Lupinen-Sortiment auch Flocken, Gekochtes und mehr. (Foto: Jaisfeld)

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Mit selbst geröstetem Kaffee fing alles an. Heute produziert Landwirtin Linda Kelly Mehl, Flocken, Gekochtes und mehr aus Lupinen. Sie baut die als heimisches Superfood besungene Hülsenfrucht schon seit 2013 an. Und trifft mit der Eiweißbombe gerade jetzt einen Nerv.

„Am freien Markt ist die Süßlupine eigentlich nicht wirtschaftlich“, sagt Landwirtin Linda Kelly aus Herdwangen in Baden-Württemberg. Und doch produziert und vertreibt die 36-Jährige erfolgreich Lupinen-Kaffee, Lupinen-Mehl, gekochte Lupinen, Lupinen-Linsen, -Samen und -Aufstriche. Das alles selbstgemacht und in Bioqualität. Ein ganz schön breites Sortiment für eine so kleine Produktnische.

6 von insgesamt 300 Hektar

Linda Kelly (2.v.l.) baut Bio-Lupinen an und verarbeitet sie zu zahlreichen Produkten. Die eiweißreiche Pflanze liegt im Trend. (Foto: Jaisfeld)

„Ohne den landwirtschaftlichen Betrieb im Rücken, hätte ich mir nicht so viel ermöglichen können“, ist sich die gelernte Industriekauffrau und Landwirtin bewusst. Sie bewirtschaftet gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Eltern rund 170 ha Ackerbau und 120 ha Grünland nach Bioland-Richtlinien. Im Jahr 2014 übertrugen ihre Eltern ihr 60 ha Grünland, um einen eigenen Betrieb aufzubauen. Den Bärenanteil setzt die Direktvermarkterin seitdem mit dem Verkauf von Bioland-Heu um.

Aber die Süßlupinen-Direktvermarktung etabliert sich immer mehr als zweites Standbein. Dieses hat sie bewusst nach und nach aufgebaut, statt alles auf eine Karte zu setzen. Aus 3 ha Anbaufläche wurden 4, jetzt sind es 6 ha. Heute, nach fünf Jahren Aufbau, wird das Lupinen-Standbein langsam rentabel. Verzeichnete Linda Kelly im ersten Jahr 2014/15 noch einen Umsatz von 3.400 €, hat er sich im Jahr 2017/18 auf rund 26.000 € nahezu verachtfacht.

Erstes Produkt: Kaffee

Reinigen, trocknen, reinigen, rösten – so entsteht der Lupinenkaffee. (Fotos: Jaisfeld)

Angebaut wird die blaue Süßlupine. Sie reift früher ab als andere Sorten und ist weniger anfällig für Anthraknose, ein Pilz der Lupinen gern befällt. Je nach Witterung erntet Linda Kelly 1 bis 2 t pro ha. Nach der Ernte werden die Lupinen mithilfe einer Saatgutreinigungsmaschine von Beikräutern gereinigt und in einem Containertrockner getrocknet. Dann werden sie nochmals gereinigt. Zur Herstellung des ersten Lupinenproduktes, einem entkoffeinierten Bio-Kaffee, werden die Samen in einem umgebauten Industrieofen geröstet und in einer Industriemühle gemahlen. Abgefüllt in einer 500-g-Packung kostet der Bio-Kaffee 8,49 €. Zum Vergleich: Ein Pfund handelsüblicher Kaffee kostet rund 5 €.

Die gesamte Verarbeitung findet auf dem Hof statt. Daran hat Lindas Ehemann Michael großen Anteil. Von der Trocknungsanlage über die Schalentrennmaschine bis zur Mühlmaschine hat der Maschinenbau-Ingenieur alles selbst auf- oder umgebaut. Nur so ist die Produktion nach Angaben der Betriebsleiterin überhaupt zu stemmen. Neumaschinen hätten das Investitionsbudget weit überschritten. „Wir haben schon rund 40.000 € investiert. Die Eigenleistung lässt sich gar nicht messen“, sagt Linda Kelly.

Mit Kaffee fing es an. Heute umfasst das Lupinen-Sortiment auch Flocken, Gekochtes und mehr. (Foto: Jaisfeld)

So fing alles an

Dass auf dem Hof überhaupt Lupinen angebaut werden, verdankt die Bio-Bäuerin ihrem Vater. Er baute 2013 nach dem Auswintern von 0,3 ha Winterweizen zum ersten Mal die Sommerung Süßlupine an. „Wir sind da ziemlich blauäugig reingegangen und wussten nur wenig darüber“, so die Landwirtin. Der Biobetrieb musste einen Leguminosen-Anteil von 20 % in der Fruchtfolge nachweisen. Und die Lupine dient als Gründüngung und verbessert die Bodenstruktur.

Wenn einer von 0 auf 100 ein Geschäft mit Lupinen aufbauen will, dann kostet der Lernprozess lange sehr viel Zeit und Geld.

Linda Kelly

Als die 300  kg Samen dann einmal geerntet waren, wollte die Familie sie auch verwerten. „Wir haben uns gefragt, was wir mit den Lupinen tun können“, erinnert sich Linda Kelly. Eine Google-Recherche später lagen die Samen kurzerhand in der Pfanne zum Rösten und landeten danach zum Mahlen im Thermomix. Die Kaffeemarke „Lupinello“ war geboren und schaffte es nach zahlreichen Teströstungen und Verkostungen und dank des beherzten Engagements der Erfinderin tatsächlich schon nach der zweiten Ernte 2014 in die Regale von regionalen Bio-, Edeka- und Rewemärkten. Klinkenputzen und der Fokus auf ein regionales Bioprodukt aus heimischen Anbau überzeugten die Einzelhändler.

Vertriebswege: LEH, Cafés und Online

„Weitere Vertriebszweige sind Wochenmärkte, Szenecafés in Berlin und mein Online-Shop“, berichtet Linda Kelly, die neben der Herstellung sowohl die Webseite als auch Werbematerialen und die Pflege der sozialen Medien selbst übernimmt. 2018 wurde sie dafür vom Deutschen Landfrauenverband mit dem Titel „Unternehmerin des Jahres“ ausgezeichnet.

In der Tat hat Linda Kelly einen Trend erkannt und ihn konsequent bedient. Denn mit ihrem hohen Eiweißgehalt eignet sich die Lupine als alternative Proteinquelle. Und damit als potenzieller Fleischersatz. Vor allem bei Vegetariern und Veganern, aber auch bei Sportlern oder Menschen, die sich „low-carb“ ernähren möchten, stehen pflanzliche Proteinalternativen wie diese derzeit hoch im Kurs.

Dennoch bremst Linda Kelly andere Landwirte, jetzt unüberlegt auf den Trend aufzuspringen. „Wenn einer von 0 auf 100 ein Geschäft mit Lupinen aufbauen will, dann kostet der Lernprozess lange sehr viel Zeit und Geld. Das hat bei uns nur geklappt, weil wir alles selbst machen konnten.“ Sie selbst hat indes schon die nächste Produktidee entwickelt, mit der weiteres Wachstum möglich werden soll: Kosmetik auf Basis von Lupinen. So oder so ist sich Linda Kelly sicher. „Die Zeit der Süßlupine kommt jetzt erst.“