farm food Story

Ein Hof mit Eisdiele

Anke Knuf führt einen konventionellen Milchviehbetrieb. Ihr Ansatz zu mehr Wertschöpfung: Eis von den eigenen Kühen (Foto: Dicks)

An heißen Tagen kommen für eine Portion „GrenzLandeis“ viele Radfahrer aus den Niederlanden auf den Betrieb von Anke Knuf. Sie finden Erdbeer- oder Stracciatella-Eis, stoßen aber auch auf Becher mit exotischen Sorten wie Pistazie oder Mango. Der Betrieb der Junglandwirtin liegt im nordrhein-westfälischen Bocholt - direkt an der niederländischen Grenze. „So ist auch der Name GrenzLandeis entstanden“, schildert die Gründerin.

Wir hätten uns nochmal verdoppeln können.

Anke Knuf

Anke Knuf führt einen konventionellen Milchviehbetrieb mit 330 Kühen und 180 ha Futterbau. Seit 2015 stellt sie unter der Marke „GrenzLandeis“ eigenes Eis her und vermarktet es ab Hof. „Wir hätten uns nochmal verdoppeln können. Ich wollte aber lieber etwas mit mehr Wertschöpfung schaffen“, erzählt die Betriebsleiterin. „Hinzukommt: Ich hatte immer schon Schulklassen bei mir im Kuhstall. Nur leider konnte ich den Kindern nie etwas von meiner Milch zum Probieren geben.“ Im westfälischen Wochenblatt entdeckte sie dann einen Beitrag über die Eisherstellung eines Landwirts. Anke erinnert sich: „Das war der Startschuss.“

Neuland betreten

Bis die Landwirtin das erste Eis verkaufen konnte, war es ein langer Weg. Sie suchte den Kontakt zu Branchenkennern und machte sich über die Eisproduktion schlau. Eine landwirtschaftliche Beraterin riet ihr gar von dem ganzen Konzept ab. Sie kalkulierte mit einer deutlich geringeren Produktionsmenge, als Anke tatsächlich verkaufen konnte. „Das konnte mich nicht abhalten. Schließlich bin ich auf einen Großhändler für Eisbedarf gestoßen. Er stellt die gesamte Technik bereit und gab mir Eisrezepturen“, sagt die 35-jährige Anke. „Von den damaligen Rezepturen ist nicht mehr viel übrig geblieben. Ich wollte meine eigene Note setzen.“

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Landwirtin Anke Knuf stellt Eis aus der Milch der eigenen Kühe her. Sie nahm 100.000 € in die Hand und gründete die Marke „GrenzLandeis“. Ihr Ziel: ein höherer Gewinn aus Teilen der Milch und Öffentlichkeitsarbeit.

An heißen Tagen kommen für eine Portion „GrenzLandeis“ viele Radfahrer aus den Niederlanden auf den Betrieb von Anke Knuf. Sie finden Erdbeer- oder Stracciatella-Eis, stoßen aber auch auf Becher mit exotischen Sorten wie Pistazie oder Mango. Der Betrieb der Junglandwirtin liegt im nordrhein-westfälischen Bocholt – direkt an der niederländischen Grenze. „So ist auch der Name GrenzLandeis entstanden“, schildert die Gründerin.

Wir hätten uns nochmal verdoppeln können.

Anke Knuf

Anke Knuf führt einen konventionellen Milchviehbetrieb mit 330 Kühen und 180 ha Futterbau. Seit 2015 stellt sie unter der Marke „GrenzLandeis“ eigenes Eis her und vermarktet es ab Hof. „Wir hätten uns nochmal verdoppeln können. Ich wollte aber lieber etwas mit mehr Wertschöpfung schaffen“, erzählt die Betriebsleiterin. „Hinzukommt: Ich hatte immer schon Schulklassen bei mir im Kuhstall. Nur leider konnte ich den Kindern nie etwas von meiner Milch zum Probieren geben.“ Im westfälischen Wochenblatt entdeckte sie dann einen Beitrag über die Eisherstellung eines Landwirts. Anke erinnert sich: „Das war der Startschuss.“

Neuland betreten

Bis die Landwirtin das erste Eis verkaufen konnte, war es ein langer Weg. Sie suchte den Kontakt zu Branchenkennern und machte sich über die Eisproduktion schlau. Eine landwirtschaftliche Beraterin riet ihr gar von dem ganzen Konzept ab. Sie kalkulierte mit einer deutlich geringeren Produktionsmenge, als Anke tatsächlich verkaufen konnte. „Das konnte mich nicht abhalten. Schließlich bin ich auf einen Großhändler für Eisbedarf gestoßen. Er stellt die gesamte Technik bereit und gab mir Eisrezepturen“, sagt die 35-jährige Anke. „Von den damaligen Rezepturen ist nicht mehr viel übrig geblieben. Ich wollte meine eigene Note setzen.“

Herstellung von Milcheis im kleinen Stil

Milcheis
Die Abfüllung des Eises erfolgt per Hand. (Foto: GrenzLandeis)

20 Eissorten hat Anke über die fünf Jahre entwickelt. Sorten wie Spekulatius bietet die staatlich geprüfte Agrarbetriebswirtin nur in den Wintermonaten an. Für die Verarbeitung hat sie zwei Teilzeit-Mitarbeiterinnen eingestellt. In einem abgetrennten Raum pasteurisieren sie als erstes die Rohmilch. Im Anschluss stellen sie den sogenannten Eismix her. „Der ist für alle Sorten gleich“, sagt Anke.

Mithilfe einer Abfüllmaschine können die Mitarbeiterinnen am Folgetag rund 1000 Becher Eis á 100 ml produzieren. Das sind 100 l Eis. Neben dem Eismix gelangen je nach Sorte Bananen, Zitronen oder Haselnüsse in die Mischung. „Der Großteil der Sorten hat einen Milchanteil von über 70 %. Daher kann ich sie als Milcheis bezeichnen“, sagt Anke.

Selbstbedienungs-Eisdiele

Milcheis
Anke kann auch zwei Sorten miteinander vermischen. (Foto: GrenzLandeis)

Den 100 ml-Becher verkauft Anke für 1,30 €. Für einen Liter Milcheis braucht sie ungefähr 7oo ml Rohmilch. Zum Vergleich: Bei der Lieferung zu ihrer Molkerei Arla erhält sie aktuell rund 33 ct/ kg Milch. Die Kunden können das Eis in der am Betrieb angegliederten Selbstbedienungs-Eisdiele von 7 bis 21 Uhr beziehen. „Die meisten Einheiten verkaufe ich von März bis September. Über 50.000 Becher waren es 2019“, verrät sie. „Stracciatella und Schokolinse sind die Dauerbrenner. Banane und Pistazie laufen nicht so gut.“ Damit Anke dem Ansturm im Sommer gerecht wird, produziert sie bereits im Winter und Frühjahr vor. Das Eis ist drei Monate lang haltbar.

Stracciatella und Schokolinse sind die Dauerbrenner.

Anke Knuf

Der Bezahlvorgang bei GrenzLandeis beruht auf Vertrauen. In ihrem Verkaufsraum stehen eine Kasse und ein Teller mit Wechselgeld. Anke sagt dazu: „Leider funktioniert das nicht bei allen Kunden. Daher kommt zum Sommer ein Automat für den Eisverkauf bei mir auf den Hof.“

Milcheis
Der Bezahlprozess beruht noch auf Vertrauen. Mit einem Automaten für das Eis soll sich das ändern. (Foto: Dicks)

Anke kann das Eis nicht an Wiederverkäufer abgeben. Sie bräuchte eine EU-Zulassung dafür. „Anfangs hat mich das geärgert. Doch eigentlich finde ich es gut, dass mein Hof das Alleinstellungsmerkmal GrenzLandeis hat und nicht andere Personen aus der Region mein Milcheis verkaufen“, sagt sie und behält somit die gesamte Verkaufsmarge für sich. Außerdem müsste sie zuerst in weitere Produktionskapazitäten investieren.

Das Risiko hat sich ausgezahlt

Anke setzt beim Marketing auf Weiterempfehlungen. Außerdem betreut sie aktiv den Facebook-Kanal GrenzLandeis mit über 3000 „Gefällt mir“ Angaben. „Durch Facebook kommen die Leute. Nach einem erfolgreichen Post kann ich mehr Eis verkaufen“, sagt sie. Zusätzlich profitiert Anke beim Verkauf davon, dass es in ihrer Ortschaft Barlo mit über 2000 Einwohnern keine andere Eisdiele gibt.

„Viele meiner Gäste sind Stammkunden. Die Rentabilität von GrenzLandeis war in zwei Jahren sogar höher als die der reinen Milchproduktion,“ sagt Anke. Und das obwohl sie nur 0,3% ihrer Milch, also knapp 7000 l, als Eis oder Milch direkt vermarktet. Eine höhere Wertschöpfung und eine eigene Marke scheinen sich auszuzahlen. „Die Investition aus Eigenmitteln von 100.000 € für die Technik und den Verkaufsraum haben sich gelohnt“, sagt Anke. „Ein positiver Nebeneffekt ist, wie ich durch das Eis einer Vielzahl von Bürgern Einsichten in meine Tierhaltung gewähren kann.“