food Interview Story

Mit Knödel gegen Foodwaste

Die Gründer von Knödelkult
Die Gründer von Knödelkult, Matthias, Felix und Janine, hatten erst einmal nichts mit der Lebensmittelbranche zu tun. (Foto: Knödelkult)

f3: Ihr rettet das Brot also, bevor es in die Tonne wandert. Woher bekommt ihr das Brot?

Matthias Helmke: Das gerettete Brot kaufen wir bei unseren Partnerbäckereien zu einem für beide Parteien fairen Preis ein.

F3: Wer steckt hinter Knödelkult? Wer hat das Start-up gegründet?

Matthias Helmke: Wir sind Felix (35, Architekt), Janine (33, Juristin) und ich, Matze (29, Ingenieur).

Das Produkt ist skalierbar, nachhaltig und hatte schon ab der ersten Stunde seine eigene Persönlichkeit. Außerdem trifft es voll den Nerv der Zeit.

Matthias Helmke, Gründer von Knödelkult

F3: Keiner von euch kommt aus der Lebensmittelbranche. Wann und wie seid ihr darauf gekommen, Knödel zu verkaufen?

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Das Start-up Knödelkult aus Konstanz stellt Knödel aus gerettetem Brot her und kocht sie in Gläser ein. Das war nicht so einfach, wie die Gründer zunächst dachten. Wir sprachen mit Matthias Helmke über sein Unternehmen.

f3 – farm. food. future: Der Name eures Start-ups verrät es bereits: Bei euch geht es um Knödel. Wer seid ihr und was ist das Besondere an Knödelkult?

Matthias Helmke: Wir, das sind Felix (35, Architekt), Janine (33, Juristin) und ich, Matze (29, Ingenieur). Unsere Knödel stellen wir aus „geretteten“ Broten her, also Brot, das sonst in die Tonne wandern würde. Die Knödel werden eingekocht und sind lange haltbar. Das Brot kaufen wir bei Partnerbäckereien zu einem für beide Parteien fairen Preis ein.

Das Produkt ist skalierbar, nachhaltig und hatte schon ab der ersten Stunde seine eigene Persönlichkeit. Außerdem trifft es den Nerv der Zeit.

Matthias Helmke, Gründer von Knödelkult

f3: Keiner von euch kommt aus der Lebensmittelbranche. Wann und wie seid ihr darauf gekommen, Knödel zu verkaufen?

Matthias Helmke: Die Idee für Knödelkult ist im April 2016 entstanden. Damals haben wir uns in der Innovationswerkstatt in Konstanz kennengelernt. Ich war noch Maschinenbauer und die zwei anderen hatten auch ihre eigenen Projekte. Gegründet haben wir unsere Firma im Januar 2017 als Nebenprojekt. Die Produktidee hat uns allen von Anfang an gefallen. Das Produkt ist skalierbar, nachhaltig und hatte schon ab der ersten Stunde seine eigene Persönlichkeit. Außerdem trifft es den Nerv der Zeit. Dass es sich um ein Lebensmittel handelt, war zunächst nebensächlich. Zugegebenermaßen war das etwas naiv, aber vollkommen richtig so. So muss man keine langen Kreativworkshops abhalten, um „out of the box“ zu denken.

f3: Das heißt, dass ihr heute zu dritt in Vollzeit Knödelkult vorantreibt? Wer hat welche Aufgaben?

Matthias Helmke: Seit letzten April haben wir noch Steffi in Vollzeit mit an Bord. Janine übernimmt das Marketing, Felix die Finanzen und ich die Entwicklung. Es gibt immer noch viele Aufgabenbereiche, die wir uns teilen wie Vertrieb, Logistik oder Kundenbetreuung.

Knödel im Glas hat zuvor noch niemand gemacht. Erst recht nicht aus Restbrot.

Matthias Helmke, Gründer von Knödelkult

f3: Was waren besondere Schwierigkeiten bei der Gründung?

Matthias Helmke: Die richtige Produktion zu finden. Knödel im Glas hat zuvor noch niemand gemacht, erst recht nicht aus Restbrot. Anders als bei einer Limo oder Ähnlichem gibt es hierfür keine standardisierten Prozesse, geschweige denn Abfüllanlagen.

f3: Wie habt ihr euer Problem letztendlich gelöst?

Matthias Helmke: Wir haben halb Deutschland abgegrast, viel telefoniert und sind viel herum gefahren, um zu schauen, was es schon gibt. Immer sind wir auf freundliche und hilfsbereite Menschen gestoßen, die uns Stück für Stück weitergebracht haben. Bei einem Autoklaven kann man die Parameter Temperatur, Zeit und Druck einstellen. Damit haben wir viel herumgetüffelt und jeden Parameter analysiert bis wir auf die Lösung gestoßen sind. Das hat viel Geduld erfordert.

f3: Wie finanziert ihr euch?

Matthias Helmke: Für die ersten Monate hat uns das Geld aus der Startnext-Kampagne und etwas Eigenkapital gereicht. Dann haben wir einen Kredit aufgenommen und seit letztem Jahr haben wir Investoren an Bord. Durch das Kapital und das Netzwerk haben wir einen wunderbaren Nährboden um zu wachsen.

Knödelkult gewinnt Preise für ihre Produktidee
Gegen Lebensmittelverschwendung: Das Knödelkult-Team gewann in den vergangenen Jahren mehrere Preise für ihre Produktidee. (Foto: Knödelkult)

f3: Wohin wollt ihr dauerhaft wachsen? Was ist euer Ziel?

Matthias Helmke: Wir wollen vor allem weitere Produkte aus Restbrot machen. Da haben wir schon einige Prototypen gebastelt und die ersten Tests gefahren. 2019 wird aber das Jahr in dem wir uns voll und ganz auf Knödel fokussieren und noch mindestens zwei neue Sorten entwickeln.

Außerdem wollen wir dieses Jahr umziehen. Wir platzen aus allen Nähten. Darüber hinaus bereiten wir alles für die Skalierung vor. Die Produktion muss geschmeidiger funktionieren und andere Prozesse wie Beschaffung und Versand haben noch zu hohe Reibungsverluste. Außerdem sind wir immer auf der Suche nach Partnerbäckereien.

f3: Ihr habt im vergangenen Jahr den Reduce-Foodwaste Award gewonnen. Was muss in euren Augen noch verstärkter im Bereich Foodwaste getan werden?

Zweite Chance für Lebensmittel free

Matthias Helmke: Ich würde ich mir von staatlicher Seite ein härteres Durchgreifen wünschen. So ist es in Frankreich zum Beispiel für Supermärkte ab einer gewissen Größe schlichtweg verboten Lebensmittel wegzuwerfen. Sie sind also gezwungen mit Hilfsorganisationen wie der Tafel zusammen zu arbeiten und effizienter einzukaufen. Das kann aber nur eine Teillösung sein. Denn wir als Verbraucher sind es, die am liebsten dort einkaufen, wo das Angebot am größten ist. Wir wollen schlichtweg zu viel. Wir sind zu satt. Ich denke, wenn wir Lebensmitteln mit mehr Wertschätzung gegenübertreten, dann werfen wir auch weniger weg.