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Mitarbeiter selten an Start-ups beteiligt free

Junge Unternehmen wollen Mitarbeiter durch Beteiligungen langfristig binden und zusätzlich motivieren. Es gibt aber auch Gründe die dagegen sprechen. (Foto: stock.adobe/ Yakobchuk Olena)

Nur in jedem vierten Start-up halten Mitarbeiter Anteile am Unternehmen. Dies geht aus einer Umfrage im Auftrag des Bitkom hervor. Der Digitalverband versucht, Ursachen zu finden.

Für viele klingt das wie ein Traum: Früh nach der Gründung zu einem Start-up zu stoßen und am Unternehmen beteiligt werden, das natürlich nach wenigen Jahren hoch bewertet ist und damit die Anteilseigner zu reichen Leuten macht. Zumindest der erste Teil ist in rund jedem vierten deutschen Start-up (27 %) Realität, weil dort Mitarbeiter außerhalb des Gründungsteams über Anteile verfügen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 300 Start-ups.

Die Mitarbeiterbeteiligung kann gerade bei schnell wachsenden Unternehmen eine attraktive Alternative für alle sein.

Jenny Boldt, Leiterin Start-ups Bitkom

In rund jedem zweiten Start-up (46 %) halten nur die Gründer Anteile. Mit 27 % wollten zudem sehr viele Befragte keine Angaben zu dem Thema machen. Werden Anteile an Mitarbeiter abgegeben, so werden in den allermeisten Fällen (72 %) nur ein bis maximal vier Mitarbeiter beteiligt. In 22 % der Start-ups, die ihre Mitarbeiter beteiligen, haben 5 bis 19 Mitarbeiter Anteile, bei 6 % sind es sogar mehr als 20 Mitarbeiter. „Start-ups konkurrieren mit mittelständischen oder weltweit operierenden Unternehmen um begehrte Fachkräfte – können in der Regel aber nicht dieselben finanziellen Mittel aufbringen, wenn es um attraktive Vergütungspakete geht“, sagt Jenny Boldt, Leiterin Start-ups Bitkom. „Die Mitarbeiterbeteiligung kann gerade bei schnell wachsenden Unternehmen eine attraktive Alternative für alle sein.“

Gründe für eine Mitarbeiterbeteiligung

Start-ups, die ihre Mitarbeiter beteiligen, nennen dafür vor allem folgende Gründe:

  • Langfristige Mitarbeiterbindung (80 %)
  • Zusätzliche Motivation der Mitarbeiter, den Erfolg des Start-ups voranzutreiben (79 %)
  • Moralische Pflicht, die Mitarbeiter am Erfolg zu beteiligen (47 %)
  • Rekrutieren von Personal, dessen Gehaltsvorstellungen man auf klassischem Weg nicht erfüllen könnte (46 %)
  • Personalkosten niedrig zu halten (34 %)

Gründe dagegen

Die Start-ups, die auf eine Mitarbeiterbeteiligung verzichten, nennen dafür sehr unterschiedliche Gründe:

  • Mitarbeiter bevorzugen klassische Gehaltszahlungen (24 %)
  • Bürokratischer Aufwand zu hoch (17 %)
  • Mit dem Thema noch nicht beschäftigt (17 %)
  • Rechtliche Lage ist zu kompliziert (15 %)
  • Gründer wollen eigene Anteile nicht verwässern (15 %)
  • Mitarbeiterbeteiligungsmodelle in Deutschland sind steuerlich unattraktiv (12 %)
  • Entscheidungsprozesse verlangsamen sich (4 %)

„Im internationalen Vergleich sind in Deutschland Mitarbeiterbeteiligungen zu unattraktiv – das reicht vom bürokratischen Aufwand bis hin zu sehr geringen steuerlichen Freibeträgen“, so Boldt. „Hier müssen wir rasch nachsteuern, wenn wir im Wettbewerb um die klügsten Köpfe von Künstlicher Intelligenz bis Blockchain nicht abgehängt werden wollen.“

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