digital future News

Moderne Landwirtschaft? Mehr Funk- als Schlaglöcher

Drohnen kartieren den Acker - noch ist das Zukunftsmusik. Denn vielerorts fehlt es schlichtweg an einer guten Internetverbindung. Foto: AdobeStock.com/Cla78

Selbstfahrende Maschinen, Drohnen und 3D-Drucker zur Lebensmittelproduktion – so war die Veranstaltung Agrifood 4.0 an der Universität Vechta angekündigt. Schnell wurde am Montag dieser Woche jedoch klar, dass die Zukunft der Agrarbranche noch nicht so weit ist. Schon die Grundlage, schnelles Internet, steht in Deutschland längst nicht flächendeckend zur Verfügung.

An Erfolgsbeispielen mangelte es zwar nicht auf der eintägigen, hochkarätig besetzten Veranstaltung - Aber allein die Zusammensetzung des Publikums machte deutlich, wer sich bisher mit dem Thema „Digitalisierung in der Landwirtschaft“ beschäftigt. Lediglich eine Handvoll Landwirte war unter den rund 120 Gästen zu finden und damit der Einladung der Transformationswissenschaft agrar Niedersachsen, der Landesinitiative Ernährungswirtschaft – NieKE, des Landkreises Vechta, der Wachstumsregion Hansalinie und des Deutschen Instituts für Lebensmitteltechnik nach Vechta gefolgt.

Jetzt f3 Mitglied werden und direkt weiterlesen

Als f3-Mitglied erhälst du täglich Meldungen, Beiträge und Reportagen zu Innovationen und Start-ups aus den "grünen" Bereichen und wirst Teil des neuen Gründer-Netzwerks.

mehr Informationen bekommst du hier

Selbstfahrende Maschinen, Drohnen und 3D-Drucker zur Lebensmittelproduktion – so war die Veranstaltung Agrifood 4.0 an der Universität Vechta angekündigt. Schnell wurde am Montag dieser Woche jedoch klar, dass die Zukunft der Agrarbranche noch nicht so weit ist. Schon die Grundlage, schnelles Internet, steht in Deutschland längst nicht flächendeckend zur Verfügung.

An Erfolgsbeispielen mangelte es zwar nicht auf der eintägigen, hochkarätig besetzten Veranstaltung – Aber allein die Zusammensetzung des Publikums machte deutlich, wer sich bisher mit dem Thema „Digitalisierung in der Landwirtschaft“ beschäftigt. Lediglich eine Handvoll Landwirte war unter den rund 120 Gästen zu finden und damit der Einladung der Transformationswissenschaft agrar Niedersachsen, der Landesinitiative Ernährungswirtschaft – NieKE, des Landkreises Vechta, der Wachstumsregion Hansalinie und des Deutschen Instituts für Lebensmitteltechnik nach Vechta gefolgt.

In einem Punkt waren sich alle Redner einig: Die Agrar- und Lebensmittelbranche wird sich durch digitale Lösungen wie Pflanzensensoren, Apps oder Betriebssoftware zeitnah stark verändern. Doch dass es vor der eigenen Haustür mehr „Funk- als Schlaglöcher“ gibt, stellte die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast gleich zu Beginn der Veranstaltung klar. Obwohl Landwirte im Vergleich zu Beteiligten anderer Branchen ein hohes Interesse an Zukunftstechnologien haben, seien die Chancen der Digitalisierung für sie als Hauptakteure noch nicht greifbar, erklärte die Ministerin. Gerade in ihrem Bundesland boome zwar die Ernährungswirtschaft und digitale Lösungen könnten zu mehr Akzeptanz in der Gesellschaft führen, nannte die Ministerin einen weiteren Aspekt der Digitalisierung. Dass die Landwirte bei diesem Prozess mitgenommen werden müssen, machte auch Prof. Arno Ruckelshausen von der Hochschule Osnabrück deutlich.

Anonyme Produktion ist nicht mehr gefragt

„Technologie schafft Vertrauen“, so der Professor. In seinem Beitrag zu den Zukunftstechnologien ging es vor allem um die Transparenz der Lieferkette. Eine Technologie, der großes Potential auch in der Agrar- und Ernährungswirtschaft nachgesagt wird, ist die Blockchain-Technologie. Sie beruht auf einer Datenbanktechnologie mit dezentral gespeicherten Daten. In der Lebensmittelproduktion führe sie dazu, dass jedes Produkt mit einem Datensatz versehen werde, der vom Landwirt bis zum Verbraucher alles Einzelheiten restlos aufschlüsselt und mit dem Produkt unwiderruflich verbindet.

Die Informationen entlang der Lebensmittelkette werden von Schnittstelle zu Schnittstelle weitergegeben. Diese Transparenz schafft Vertrauen bei den Konsumenten.

Prof. Arno Ruckelshausen, Hochschule Osnabrück
Künstliche Intelligenz wächst free

Ebenso verbinden diese Technologien der Zukunft Ökologie und Technologie: „Beides passt perfekt zusammen“, erklärte Prof. Ruckelshausen. Denn wenn Roboter mechanisch Unkraut vernichten, käme diese Entwicklung bei den Konsumenten als eine positive Entwicklung des Pflanzenbaus an.

Der Druck der Konsumenten auf die landwirtschaftliche Produktion stand im Mittelpunkt des Vortrags von Prof. Nick Lin-Hi. Der Professor für Wirtschaft und Ethik an der Universität Vechta gab zwar zu, dass derzeit der Nachhaltigkeitsaspekt bei den Konsumenten ihre Kaufentscheidung nur marginal bis gar nicht beeinflusse. Der Einsatz von datengestützten Technologien könne dies jedoch ändern, so der Branchenkenner.

Die Digitalisierung bereitet den Weg vom Lebensmittel hin zum individuellen veredelten Produkt, von Ernährung zum Lebensgefühl.

Prof. Dr. Susanne Boll-Westermann
Professorin für Medieninformatik und Multimedia-Systeme an der Uni Oldenburg

Wer die Augen vor neuen und intelligenten Prozessen in der Land- und Ernährungswirtschaft verschließt, wird am Markt zukünftig nicht bestehen können. Aber die Landwirte müssen genauso wie die Verbraucher mit den Möglichkeiten und den Schwierigkeiten dieser neuen, digitalen Technologien mitgenommen werden – so der Haupttenor der Veranstaltung.