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Nach VC-Aufstockung: Welche Agrar-Start-ups sucht Evonik? free

"Animal Nutrition" steht bei der VC-Einheit von Evonik oben auf der Liste der interessanten Themen. Auch ergänzende Geschäftsmodelle sind gesucht. (Foto: Quinckhardt)

Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, legt die Investmenttochter des Essener Chemiekonzerns Evonik einen zweiten Fonds für Wagniskapital auf. f3 hat nachgefragt, was für Start-ups die Investoren im Bereich Agrar nun konkret suchen.

Mit einer Einlage von 150 Mio. € wird das Gesamtvolumen des neuen Venture Capital Fonds von Evonik Industries auf 250 Mio. € mehr als verdoppelt. Das verlautete der Essener Spezialchemiekonzern in der vergangenen Woche. Mit seiner nun gestärkten Venture-Capital-Einheit will sich das Unternehmen den Zugang zu zukunftsweisenden Technologien und innovativen Geschäftsmodellen sichern – eben auch in der Agrarwirtschaft.

Gesucht: Start-ups im Bereich „Animal Nutrition“

Dr. Mark Redshaw, (Foto: Markus Schmidt)

„Evonik ist an Start-ups im Agrar-Bereich interessiert, die unser bestehendes Geschäft gut ergänzen und zukunftsweisende Technologien oder innovative Geschäftsmodelle besitzen“, sagt Dr. Mark Redshaw, Investment Manager bei Evonik Venture Capital auf Nachfrage von f3. Redshaw begleitet den Agrar-Bereich der VC-Einheit. Den Bereich Animal Nutrition hat der Konzern als Trend ausgemacht, der dabei von besonderem Interesse ist. So sei das Unternehmen bereits einer der weltweit führenden Anbieter von Aminosäuren und deren Derivate für fortschrittliche Tierernährung. Das Produktportfolio soll – ggf. mithilfe von Start-ups – konsequent in Richtung nachhaltige und gesunde Tierernährung weiterentwickelt werden.

Evonik sucht Start-ups, …

  • die aus dem „Innovationswachstumsfeld Sustainable Nutrition“ stammen,
  • die neue Produkte und Lösungen für eine effiziente, gesunde und nachhaltige Tierernährung erarbeiten,
  • deren Produkte und Lösungen die Anforderungen einer wachsenden Weltbevölkerung an qualitativ hochwertiges Fleisch und Meeresfrüchte erfüllen,
  • deren Augenmerk auf Themen wie „Precision Livestock Farming“ (zu dt. „Präzisionstierhaltung) liegen,
  • deren Produkte und Lösungen die Effizienz und Nachhaltigkeit in der Produktion von Fleisch steigern.

Bis zu 15 Mio. € Finanzierung möglich

Evonik Venture Capital versteht sich als aktiver Investor mit strategischen Zielen und als Partner für marktorientierte und innovative Unternehmen mit neuen Technologien und hohem Wachstumspotenzial. Ein Start-up, das an einer Evonik-Beteiligung interessiert ist, muss neben einer nachhaltigen Wachstumsstrategie über das technologische Know-how, ein hochmotiviertes und fokussiertes Management, eine abgesicherte IP-Position und ein klares Alleinstellungsmerkmal verfügen, so eine Unternehmenssprecherin auf Nachfrage von f3. „Die Investitionsreichweite erstreckt sich von der Frühphase bis zur Wachstumsphase sowie Anschlussfinanzierungen mit einem Gesamtvolumen von bis zu 15 Mio. € pro Portfoliounternehmen.“

Wo Evonik bereits investiert

Seit 2012 ist der Konzern als Wagniskapital-Geber auch über den Agrarsektor hinaus 25 Beteiligungen eingegangen. Unter anderem investierte er in das niederländische Start-up „In Ovo„, das eine Technologie zur Geschlechtsbestimmung im Ei entwickelt hat (f3 berichtete). Diese Investition stärke die Position von Evonik als Partner der Wahl in der Landwirtschaft, so die Pressesprecherin. Damit könne der Konzern „eine ethisch unbedenkliche Lebensmittelproduktion unterstützen“. Außerdem sei In Ovo ein gutes Beispiel für Investitionen in ergänzende Technologien und Geschäftsmodelle, die das Unternehmen im  Wachstumskern ‚Animal Nutrition‘ stärken.

Evonik investiert auch in die Digitalisierung der Nutztierhaltung. (Foto: Wobser)

Digitalisierung in Hühnerställen

Auch „Optifarm“ aus Großbritannien agiert in der Nutztierhaltung. Das Start-up treibt die Digitalisierung in Hühnerställen voran. Die Automatisierung durch den Einsatz bildgebender Verfahren und Sensoren zur Überprüfung von zum Beispiel Wasser, Futter und Temperatur ermöglicht eine Überwachung aus der Ferne. So können Probleme schnell entdeckt und behoben werden. 

Ein weiteres Beispiel, wie Evonik die beschriebenen Trends bedient, ist „Veramaris“ – ein Joint Venture von Evonik und DSM. Durch einen speziellen Herstellungsprozess können Omega-3-Fettsäuren für die Lachszucht ohne Fischöl aus gefangenem Wildfisch, sondern aus natürlichen Meeresalgen, hergestellt werden. Das sei ein Beitrag gegen die Überfischung der Weltmeere.

Geschlechtsbestimmung im Ei: Evonik investiert in Start-up free

Futterzusatz aus Algen

„Algal Scientific Corporation“ aus den USA vermarktet ein Polysaccharid, das nach Angaben des Unternehmens die Immunabwehr stärken soll. Das Unternehmen  befindet sich ebenfalls im Evonik-Portfolio. Der aus Algen hergestellte Stoff wird als Zusatz zum Tierfutter, als Nahrungsergänzungsmittel sowie in pharmazeutischen Formulierungen verwendet. β-Glucan ist für die Ernährung von Schweinen, Hühnern und Wiederkäuern ebenso geeignet wie für Aquakulturen. Die Anwendung in verschiedenen Tierfutter-Applikationen macht das Produkt für Evonik besonders interessant.

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