future Perspektivwechsel

Nachhaltigkeit: Das Gleiche in Grün?

Im Interview erläutert Yvonne Zwick ihre Einschätzungen zu der Thematik Nachhaltigkeit. Sie geht auch auf Investments in nachhaltige Start-ups ein. (Foto: stock.adobe/ Alona Dudaieva)

Nachhaltigkeit bezieht sich nicht nur auf ökologische Systeme. Yvonne Zwick vom Deutschen Nachhaltigkeitskodex ordnet den Begriff ein und erklärt, wie Nachhaltigkeit gemessen werden kann.

f3 – farm.food.future: Was ist Nachhaltigkeit?

Yvonne Zwick: Am weitesten verbreitet ist das Modell, das Nachhaltigkeit mit den drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales beschreibt. Diese drei Dimensionen greifen ineinander. Sie stehen manchmal in Konflikt zueinander. Sie können sich aber auch befruchten. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung definiert Nachhaltigkeit so, dass unsere Art zu leben und zu wirtschaften weltweit übertragbar sein muss. Die planetaren Grenzen müssen geachtet werden. Der gesellschaftliche Zusammenhalt muss gesichert werden. Es soll eine wirtschaftliche Grundlage und Entwicklung für alle ermöglicht werden – hier und weltweit.

Yvonne Zwick

f3 – farm.food.future: Gehen wir mal weg vom Abstrakten und hin zu einer konkreten Deklarierung von Produkten. Sind pflanzliche Fleischersatzprodukte nachhaltig?

Yvonne Zwick: Sie sind zunächst einmal nachhaltiger als Fleischprodukte, weil sie einen geringeren ökologischen Fußabdruck haben. Ob pflanzliche Ersatzprodukte an sich nachhaltig sind, kommt auf die Inhaltsstoffe und deren Herkunft an. Sobald Zutaten wie Soja importiert werden müssen, verschlechtert sich die Öko- und Sozialbilanz eines Produktes. Bei Lebensmitteln gilt: Je kürzer die Zutatenliste und Transportwege, desto besser ist meistens auch der ökologische Fußabdruck. Attribute wie bio, regional und saisonal beschreiben Nachhaltigkeit in Bezug auf Lebensmittel schon sehr gut. Es sollte aber auch immer ein Blick auf das herstellende Unternehmen geworfen werden.

Attribute wie bio, regional und saisonal beschreiben Nachhaltigkeit in Bezug auf Lebensmittel schon sehr gut.

Yvonne Zwick

f3 – farm.food.future: Was bedeutet nachhaltig wirtschaften? Bezieht sich das auch auf Investitionen in nachhaltige Start-ups?

Yvonne Zwick: Das ist schwierig zu beurteilen. Man sollte bei Investment-Strategien schauen, inwiefern diese auch auf das eigene Unternehmen abfärben. Wenn es sich lediglich um Projekte handelt, die das Unternehmen unterstützt, um sich grün oder blau zu waschen, und das Kerngeschäft das gleiche bleibt, dann ist das nicht besonders glaubwürdig.

f3 – farm.food.future: Was gehört zu einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie?

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Nachhaltigkeit bezieht sich nicht nur auf ökologische Systeme. Yvonne Zwick vom Deutschen Nachhaltigkeitskodex ordnet den Begriff ein und erklärt, wie Nachhaltigkeit gemessen werden kann.

f3 – farm.food.future: Was ist Nachhaltigkeit?

Yvonne Zwick: Am weitesten verbreitet ist das Modell, das Nachhaltigkeit mit den drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales beschreibt. Diese drei Dimensionen greifen ineinander. Sie stehen manchmal in Konflikt zueinander. Sie können sich aber auch befruchten. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung definiert Nachhaltigkeit so, dass unsere Art zu leben und zu wirtschaften weltweit übertragbar sein muss. Die planetaren Grenzen müssen geachtet werden. Der gesellschaftliche Zusammenhalt muss gesichert werden. Es soll eine wirtschaftliche Grundlage und Entwicklung für alle ermöglicht werden – hier und weltweit.

Yvonne Zwick

f3 – farm.food.future: Gehen wir mal weg vom Abstrakten und hin zu einer konkreten Deklarierung von Produkten. Sind pflanzliche Fleischersatzprodukte nachhaltig?

Yvonne Zwick: Sie sind zunächst einmal nachhaltiger als Fleischprodukte, weil sie einen geringeren ökologischen Fußabdruck haben. Ob pflanzliche Ersatzprodukte an sich nachhaltig sind, kommt auf die Inhaltsstoffe und deren Herkunft an. Sobald Zutaten wie Soja importiert werden müssen, verschlechtert sich die Öko- und Sozialbilanz eines Produktes. Bei Lebensmitteln gilt: Je kürzer die Zutatenliste und Transportwege, desto besser ist meistens auch der ökologische Fußabdruck. Attribute wie bio, regional und saisonal beschreiben Nachhaltigkeit in Bezug auf Lebensmittel schon sehr gut. Es sollte aber auch immer ein Blick auf das herstellende Unternehmen geworfen werden.

Attribute wie bio, regional und saisonal beschreiben Nachhaltigkeit in Bezug auf Lebensmittel schon sehr gut.

Yvonne Zwick

Nur Greenwashing?

f3 – farm.food.future: Was bedeutet nachhaltig wirtschaften? Bezieht sich das auch auf Investitionen in nachhaltige Start-ups?

Yvonne Zwick: Das ist schwierig zu beurteilen. Man sollte bei Investment-Strategien schauen, inwiefern diese auch auf das eigene Unternehmen abfärben. Wenn es sich lediglich um Projekte handelt, die das Unternehmen unterstützt, um sich grün oder blau zu waschen, und das Kerngeschäft das gleiche bleibt, dann ist das nicht besonders glaubwürdig.

f3 – farm.food.future: Was gehört zu einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie?

Yvonne Zwick: Dazu gehört, ein Konzept mit Bezug auf das Kerngeschäft eines Unternehmens zu erstellen und Nachhaltigkeitsziele und Maßnahmen festzulegen, wie man diese Ziele erreichen möchte. Wichtig ist, sowohl das Management als auch die Belegschaft eines Unternehmens einzubeziehen. Auch Kunden und andere Stakeholder können Hinweis- und Ideengeber sein.

Wichtig ist, sowohl das Management als auch die Belegschaft eines Unternehmens einzubeziehen.

Yvonne Zwick

Wie misst man Nachhaltigkeit?

f3 – farm.food.future: Wie kann man Nachhaltigkeit außer am ökologischen Fußabdruck messen? Welche Indikatoren gibt es?

Yvonne Zwick: Wir haben mit dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex eine Reihe von Indikatoren aufgestellt, nach denen Unternehmen berichten. Indikatoren sind beispielsweise der Anteil der Lieferanten und Partner in der Wertschöpfungskette, die ein Nachhaltigkeitsscreening durchlaufen. Oder ob es Anreiz- und Vergütungsziele im Unternehmen gibt, die belohnen, wenn Nachhaltigkeitsziele erreicht werden. Ein anderer Indikator ist zum Beispiel der Investitionsanteil des Unternehmens in Forschung und Entwicklung.

f3 – farm.food.future: Was können Unternehmen machen, um nachhaltiger zu werden?

Yvonne Zwick: Wir hören immer wieder, dass gerade im Mittelstand und bei großen Unternehmen die Mitarbeiter dafür sorgen, dass die Produkte besser werden. Oder, dass Innovationen auf den Markt kommen und Dinge erfunden werden, die Ressourcen schonen und damit dem Unternehmen Geld sparen. All diese „Leistungen“ könnten Unternehmer vergüten und sagen: Wer uns bis zum Jahr 2025 hilft, unsere Emissionen um einen Prozentsatz x zu senken, der bekommt auch etwas dafür. Das fördert Motivation und Innovationen im Unternehmen.


Zur Interviewpartnerin: Yvonne Zwick

Yvonne Zwick ist stellvertretende Generalsekretärin des Rates für Nachhaltige Entwicklung und Büroleiterin beim Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK). Der DNK unterstützt den Aufbau einer Nachhaltigkeitsstrategie und bietet einen Einstieg für Unternehmen in die Nachhaltigkeitsberichterstattung.