farm future Perspektivwechsel

Nachhaltigkeit: wie eine Molkerei „verrückte“ Ideen pusht

Wenn die Agenturvertreterin einen Landwirt trifft: Wie Hochland versucht, seine Prozesse von der Basis aufwärts nachhaltiger zu gestalten. (Foto: Anton Oliar)

Bei der Entwicklung einer neuen Marke das „Nachhaltigste, was geht“ herausholen und die gewonnenen Erkenntnisse im Hochland-Konzern umsetzen. So lässt sich die Aufgabe von „Liebkost“ beschreiben.

Ende des vergangenen Jahres gründete der Molkereikonzern und Käsehersteller Hochland die Marke Liebkost, hinter der ein zehnköpfiges Team steht. Die Gruppe in Berlin setzt sich zusammen aus einem Fachmann für Kreislaufwirtschaft, einer Expertin für Nachhaltigkeitskommunikation, aus Vertrieblern, Social-Media-Vertretern und einer Produktentwicklerin von Hochland. „Wir sind quasi die Ideenschmiede, in der auch mal verrückte Ideen eingeworfen werden können“, sagt Nora Wienholt, bei Liebkost für die Kommunikation zuständig.

Wir wollen ganzheitlich denken, Materialkreisläufe schließen und von Distribution über Verpackung und Zutaten bis zum Management nachhaltig arbeiten.

Nora Wienholt

Seit Mai 2019 stehen zwei Käsesorten von Liebkost im Lebensmitteleinzelhandel. Allerdings nur in Berlin. „Wir wollen schauen, wie die Produkte ankommen, was wir noch besser machen können“, erklärt Nora. Im Zuge der Käseentwicklung musste sich das Team zunächst darauf einigen, wie es Nachhaltigkeit versteht. „Wir wollen ganzheitlich denken, Materialkreisläufe schließen und auf allen Ebenen – von Distribution, Verpackung, den Zutaten bis zum Management – nachhaltig arbeiten“, erzählt Nora.

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Der Hochland-Konzern beschäftigt ein eigenes Kreativteam names „Liebkost“, um die eigenen Strukturen zu hinterfragen. Das Ziel: nachhaltigere Prozesse etablieren. Dabei treffen fixe Start-up-Ideen auf jahrelang eingespielte Praxis.

Bei der Entwicklung einer neuen Marke das „Nachhaltigste, was geht“ herausholen und die gewonnenen Erkenntnisse im Hochland-Konzern umsetzen. So lässt sich die Aufgabe von „Liebkost“ beschreiben. Ende des vergangenen Jahres gründete der Molkereikonzern und Käsehersteller Hochland die Marke Liebkost, hinter der ein zehnköpfiges Team steht. Die Gruppe in Berlin setzt sich zusammen aus einem Fachmann für Kreislaufwirtschaft, einer Expertin für Nachhaltigkeitskommunikation, aus Vertrieblern, Social-Media-Vertretern und einer Produktentwicklerin von Hochland. „Wir sind quasi die Ideenschmiede, in der auch mal verrückte Ideen eingeworfen werden können“, sagt Nora Wienholt, bei Liebkost für die Kommunikation zuständig.

Wir wollen ganzheitlich denken, Materialkreisläufe schließen und von Distribution über Verpackung und Zutaten bis zum Management nachhaltig arbeiten.

Nora Wienholt

Seit Mai 2019 stehen zwei Käsesorten von Liebkost im Lebensmitteleinzelhandel. Allerdings nur in Berlin. „Wir wollen schauen, wie die Produkte ankommen, was wir noch besser machen können“, erklärt Nora. Im Zuge der Käseentwicklung musste sich das Team zunächst darauf einigen, wie es Nachhaltigkeit versteht. „Wir wollen ganzheitlich denken, Materialkreisläufe schließen und auf allen Ebenen – von Distribution, Verpackung, den Zutaten bis zum Management – nachhaltig arbeiten“, erzählt Nora.

Um alle Prozesse nachhaltiger zu gestalten, braucht es Zeit. Lange Lieferverträge oder einfach die Realität kommen Veränderungen manchmal dazwischen. (Skizze: Liebkost)

Reduzierte Zutaten und weniger Abschnitte

Für die beiden Käsesorten wurden die Zutaten auf das Mindeste reduziert, keine Zusatzstoffe oder Lab verwendet. Die Form der Käse ist nicht immer einheitlich und auf die Verpackung zugeschnitten. So sollen weniger Abschnitte anfallen. Die Pappe für die Verpackung besteht aus 100 % Altpapier und die Milch bezieht Liebkost von neun Bio-Landwirten aus dem Schwarzwald. „Zwei der Landwirte haben wir kürzlich besucht. Uns ist es wichtig, dass wir eine konkrete Vorstellung von deren Wünschen und Sorgen bekommen“, beschreibt Nora. Denn faire Bedingungen für die Lieferanten gehören für die „Liebkoster“ ebenso zu einer nachhaltigen Strategie wie Transparenz.

Fixe Start-up-Ideen müssen sich anpassen

Dazu gehört auch zu kommunizieren, an welchen Stellen es noch Entwicklungsbedarf gibt, so Nora: „Aktuell beziehen wir die Zitronen für eine Käsesorte aus Italien. Das ist nicht regional. Der Käse ist auch noch in Plastik eingeschweißt.“ Die Idee des Start-ups, mal eben auf andere, nachhaltigere Lieferanten für bestimmte Zutaten zu wechseln, ist aus dem einfachen Grund nicht möglich, dass Lieferverträge meist schon Jahre im Voraus geschlossen werden. Da müssen sich dann auch die fixen Ideen des Start-ups den Marktstrukturen anpassen.

Ein Smoothie aus Molke?

Aktuell überlegt das Team, wie es Übrig-Gebliebenes nutzen kann. „Bei der Milchherstellung bleibt sehr viel Molke übrig, mit der nichts passiert. Vielleicht lässt sich daraus ein Smoothie herstellen“, so Nora. An Ideen und Ansatzpunkten mangelt es jedenfalls nicht.