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Neue Geschäftsmodelle im Agribusiness

Die Geschäftsmodelle rund um das Smart Farming versprechen Chancen für Start-ups und neue Player. (Foto: sodawhiskey/stock.adobe.com)

Gibt es Geschäftsmodelle im Agribusiness, die sich verändern werden? Wie können Unternehmen aus dem vor- und nachgelagerten Bereich von Start-ups profitieren? Und verschlafen Agrarhochschulen neue Trends? Darüber sprach f3 mit Prof. Dr. Stefanie Bröring von der Universität Bonn.

f3 - farm.food.future: Frau Prof. Bröring, Sie sagen der Agrar- und Ernährungssektor wandelt sich derzeit stark. Wie das Endergebnis dieses Wandels aussehen wird, dazu gäbe es viele Szenarien. Wie können sich etablierte Unternehmen in so ungefestigten Zeiten darauf einstellen?

Prof. Dr. Stefanie Bröring: Der Wandel bestätigt sich etwa beim Smart Farming oder den alternativen Proteinquellen. Er wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Dies sind unter anderem sich verändernde Ernährungsangewohnheiten, neue politische Rahmenbedingungen und neue Technologien, die die fortschreitende Digitalisierung ermöglichen. Es führt zu neuen Playern auf dem Markt, wie etwa „Bosch“, die nun in Smart Farming eingestiegen sind. Es gibt also viele Chancen für den Unternehmer. Die Frage ist nur: Wer erkennt die Trends frühzeitig und hat das Know How ein Geschäft in neuen Bereichen aufzubauen?

Prof. Dr. Stefanie Bröring ist Professorin für Technologie- und Innovationsmanagement
im Agribusiness an der Universität Bonn

Beim Entwickeln neuer Geschäftsmodelle haben Start-ups mit ihrer Innovationskraft und frischen Ideen gegenüber den Etablierten einen Vorteil. Sie kommen irgendwann jedoch zu dem Punkt, an dem Wachstumsprobleme auftreten. Dann ergeben sich Chancen für alteingesessene Unternehmen, die mit einem guten Netzwerk sowie Kapital punkten können. Sie haben hier die Chance strategisch in aufstrebende technologie-basierte Start-ups zu investieren, um neue Geschäftsmodelle aufzubauen. So hat etwa Bosch den Eintritt in das neue Feld Smart Farming mittels strategischer Investitionen in das Start-up „The Yield“ vollzogen.

Eine andere Möglichkeit aus dem eigenen Unternehmen heraus Innovationen zu entwickeln, sind hauseigene Acceleratoren-Progamme, wie die „Schmiede One“ der Grimme Gruppe. Auch sogenannte Multicorporate-Acceleratoren, an dem mehrere Unternehmen beteiligt sind, wie das „Seedhouse“ in Osnabrück können nützlich sein. Beim Seedhouse stellen Unternehmen „Seedmoney“ für interessante Start-ups im Agribusiness bereit.

Nutzen für Unternehmen

f3: Was haben die Unternehmen für einen konkreten Nutzen von solchen Acceleratoren-Programmen oder der direkten Beteiligung an Start-ups?

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Gibt es Geschäftsmodelle im Agribusiness, die sich verändern werden? Wie können Unternehmen aus dem vor- und nachgelagerten Bereich von Start-ups profitieren? Und verschlafen Agrarhochschulen neue Trends? Darüber sprach f3 mit Prof. Dr. Stefanie Bröring von der Universität Bonn.

f3 – farm.food.future: Frau Prof. Bröring, Sie sagen der Agrar- und Ernährungssektor wandelt sich derzeit stark. Wie das Endergebnis dieses Wandels aussehen wird, dazu gäbe es viele Szenarien. Wie können sich etablierte Unternehmen in so ungefestigten Zeiten darauf einstellen?

Prof. Dr. Stefanie Bröring: Der Wandel bestätigt sich etwa beim Smart Farming oder den alternativen Proteinquellen. Er wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Dies sind unter anderem sich verändernde Ernährungsangewohnheiten, neue politische Rahmenbedingungen und neue Technologien, die die fortschreitende Digitalisierung ermöglichen. Es führt zu neuen Playern auf dem Markt, wie etwa „Bosch“, die nun in Smart Farming eingestiegen sind. Es gibt also viele Chancen für den Unternehmer. Die Frage ist nur: Wer erkennt die Trends frühzeitig und hat das Know How ein Geschäft in neuen Bereichen aufzubauen?

Prof. Dr. Stefanie Bröring (Foto: Bröring)

Beim Entwickeln neuer Geschäftsmodelle haben Start-ups mit ihrer Innovationskraft und frischen Ideen gegenüber den Etablierten einen Vorteil. Sie kommen irgendwann jedoch zu dem Punkt, an dem Wachstumsprobleme auftreten. Dann ergeben sich Chancen für alteingesessene Unternehmen, die mit einem guten Netzwerk sowie Kapital punkten können. Sie haben hier die Chance strategisch in aufstrebende technologie-basierte Start-ups zu investieren, um neue Geschäftsmodelle aufzubauen. So hat etwa Bosch den Eintritt in das neue Feld Smart Farming mittels strategischer Investitionen in das Start-up „The Yield“ vollzogen.

Eine andere Möglichkeit aus dem eigenen Unternehmen heraus Innovationen zu entwickeln, sind hauseigene Acceleratoren-Progamme, wie die „Schmiede One“ der Grimme Gruppe. Auch sogenannte Multicorporate-Acceleratoren, an dem mehrere Unternehmen beteiligt sind, wie das „Seedhouse“ in Osnabrück können nützlich sein. Beim Seedhouse stellen Unternehmen „Seedmoney“ für interessante Start-ups im Agribusiness bereit.

Nutzen für Unternehmen

f3: Was haben die Unternehmen für einen konkreten Nutzen von solchen Acceleratoren-Programmen oder der direkten Beteiligung an Start-ups?

Prof. Dr. Stefanie Bröring: Wenn wir bei der Schmiede One bleiben, die dezentral vom eigentlichen Unternehmen in Düsseldorf angesiedelt ist, konnten bereits einige Ideen in den Konzern einfließen, wie beispielsweise ein Gebrauchtmaschinenportal. Einzelne Start-ups in der Schmiede One entwickeln Robotic-Anwendungen, die künftig einen Nutzen für Grimme haben könnten.

So gab es früher den War for Talents. Jedoch sollte heutzutage der War for Start-ups mindestens einen genauso hohen Stellenwert haben.

Prof. Dr. Stefanie Bröring

Ähnlich sieht es aus, wenn Unternehmen sich in Start-ups einkaufen oder diese übernehmen. Neue Impulse helfen ihnen, sich zu entwickeln und sind von enormer Wichtigkeit. So gab es früher den „War for Talents“. Jedoch sollte heutzutage der „War for Start-ups“ für den Unternehmer mindestens einen genauso hohen Stellenwert haben.

Synergien können aber auch zwischen zwei etablierten Unternehmen entstehen. Interessant wird es, wenn zwei Player aufeinander treffen, die aus ganz unterschiedlichen Branchen kommen. Dies zeigt sich etwa bei der Zusammenarbeit von Bayer und Bosch um effizientere Spritztechnik mithilfe von Sensoren zu entwickeln. Bei so etwas profitieren beide Seiten stark von dem Know-how des Anderen.

Einblicke in die Räumlichkeiten der Schmiede One in Düsseldorf. Wenig erinnert hier an die Grimme Gruppe aus Damme. (Foto: Schmiede One)

f3: Es klingt so, als wäre die Integration von Start-ups in Unternehmen ein totaler Selbstläufer?

Prof. Dr. Stefanie Bröring: Die Unternehmenskultur in einem Start-up ist eine ganz andere als die in einem großen Betrieb. Bei Ersteren haben wir alle vielleicht ein bisschen überzogen die agile Kicker-Kultur vor Augen. Es ist aber schon so, dass jemand, der in einem kleinen, jungen Unternehmen arbeitet, kürzere Entscheidungswege und flachere Hierarchien gewohnt ist. Dies dann gekonnt in ein komplexes System basierend auf Konzernrichtlinien zu integrieren, ist schon eine Aufgabe für sich und scheitert häufig. Daher würde ich es nicht als einen Selbstläufer bezeichnen.

Die Unternehmenskultur in einem Start-up ist eine ganz andere als die in einem großen Betrieb.

Prof. Dr. Stefanie Bröring

Unternehmen sind eher beraten, Start-ups dezentral zu führen und sich dadurch die nötige Agilität beizubehalten. Festgefahrene Strukturen und die tägliche Routine machen es nicht leicht, neue Ideen umzusetzen. Hier sieht man aber auch in den großen Corporates einen Wandel, was sich insbesondere in der Produktenwicklung basierend auf agilen Methoden wie DesignThinking positiv niederschlägt.

Veränderungen im Agribusiness

f3: Treten wir noch einmal einen Schritt zurück. In welchen Bereichen müssen sich Unternehmen des Agribusiness überhaupt auf Veränderungen einstellen?

Prof. Dr. Stefanie Bröring: Der ganze Nachhaltigkeitstrend ist ein großes Ding und stößt Veränderungen an. Wenn sich beispielsweise im Bereich Pflanzenproduktion bestimmte politische Einflüsse durchsetzen und chemische Pflanzenschutzmittel nach und nach verboten werden, dann wird sich die gesamte Branche anpassen müssen. Der alternative Pflanzenschutz wird wichtiger werden und den chemischen Produktbereich sukzessiv verdrängen.

In der Tierproduktion entwickeln sich neue alternative Segmente wie Fleischalternativen auf Pflanzen- und Insektenbasis sowie das In-vitro-Fleisch. Dies ist vorwiegend in eher urban geprägten Gegenden zu beobachten. Ich glaube aber nicht, dass die klassische Fleischproduktion verschwinden wird. Wir können an dieser Stelle eher von einer Evolution als einer Disruption ausgehen.

f3: Sie sprachen das Thema In-vitro-Fleisch an. Die Fleischproduktion ist ein landwirtschaftliches Kerngeschäft. Den neuen Markt erschließen derzeit aber andere. Wie wird sich das entwickeln?

Prof. Dr. Stefanie Bröring: Aktuell tummeln sich vor allem Start-ups wie „Aleph Farms“ aus Israel in der In-vitro-Fleisch-Szene herum. Es wird aber nicht ohne die heutige Fleischbranche gehen. Denn die Markennamen sind ein großer Vorteil der Akteure, die länger am Markt sind. Diese kaufen sich gezielt in neue Märkte, wie dem In-vitro-Fleisch, ein. Es wird eher eine Diversifikation des Portfolios der Etablierten in der Fleischindustrie geben. Sie werden dann einfach den Teil Alternative Meat ergänzen.

Lehre und Forschung

f3: Eine Frage zum Schluss: Wie sollte sich die Lehre und Forschung an deutschen Universitäten aufstellen, um die kommende Generation auf das veränderte AgriFood-System bestmöglich vorzubereiten?

Prof. Dr. Stefanie Bröring: Universitäten sind ähnlich wie Firmen in Silos strukturiert. So gibt es in Bonn die Landwirtschaftliche Fakultät, die Mathematisch – Naturwissenschaftliche Fakultät mit dem Institut für Informatik usw. Auch wenn diese in der Lehre unabhängig voneinander agieren, so gibt es doch in der Forschung viele immer wichtiger werdende Verknüpfungen. So bietet das neue Excellenz-Cluster „Phenorob“, eine riesen Chance für die Entwicklung neuer Smart Farming Systeme durch die Integration von Wissen aus unterschiedlichen Fakultäten in Bereichen wie Robotics, Phenotyping und Pflanzenproduktion. Ein anderes Beispiel ist das neue „Digital Science Center“ (DiCe) der Uni Bonn, was das Thema Digitalisierung Fakultätsübergreifend vorantreiben soll. Für Querschnittskompetenzen wie das Themenfeld Data Science, also wo es um das Sammeln und Auswerten von großen Datenmengen geht, ist das sehr wichtig.

Eine Lösung sind hier gemeinsame Berufungen von Agrar- und IT – Fakultäten oder aber Juniorprofessuren.

Prof. Dr. Stefanie Bröring

Jedoch ist es sicherlich schwierig, die passenden Leute für eine Agrar-Professur in den Bereichen Künstliche Intelligenz oder Big Data zu finden. Eine Lösung sind hier gemeinsame Berufungen von Agrar- und IT – Fakultäten oder aber Juniorprofessuren, die junge Leute gezielt für diese Schnittstellenprofessuren qualifiziert.


Prof. Dr. Stefanie Bröring

Prof. Dr. Stefanie Bröring ist Professorin für Technologie- und Innovationsmanagement im Agribusiness an der Universität Bonn.