farm Gründerwerkstatt Story

Neun Betriebe, eine Box

Die junge Gründerin Annika Ahlers (25) startet seit April 2019 mit ihrem Start-up Bauernbox voll durch. Sie möchte es dadurch Münsteranern möglichst einfach machen, Produkte von Landwirten aus der Region zu erwerben. (Foto: Dicks)

Box auf: Honig, Eier und Spare Ribs rein - mit der Bauernbox bündelt Annika Ahlers Produkte von Landwirten aus dem Umland und bringt sie direkt nach Münster: Ein unkonventionelles Konzept mit Ausbaupotential.

Es braucht nur wenige Klicks, schon wandern frischer Spargel oder Käse in den Warenkorb von „Anni´s Bauernbox“. Unter „bauernbox.com“ können Münsteraner Lebensmittel verschiedener Landwirte aus dem Umland bestellen. Der Kunde kann einzelne Produkte auswählen, aber auch Themenboxen, etwa zur Grillsaison. Annika besorgt die Produkte von den Höfen und stellt die individuellen Boxen zusammen. Münsteraner können die Pakete an zwei Verteilstellen abholen oder bekommen die Boxen mithilfe des Fahrradkuriers „Leezen Heroes“ in die eigene Wohnung geliefert.

Bei beiden Bestellmöglichkeiten gibt es keine Abo-Variante. Die gelernte Landwirtin Annika möchte alles möglichst einfach halten: „Da ich mich als meine Zielgruppe sehe, kenne ich mich. Ich war mal Dauerkunde bei 'Hello Fresh' und häufig habe ich die Boxen einfach nur vergessen.“

Wenn meine Kunden wissen möchten, wie das Schweinefleisch produziert wird, dann müssen die Landwirte diese Fragen auch beantworten.

Annika Ahlers

Über Bauern bündeln

Anders als Hello Fresh punktet die Bauernbox mit ihrer Regionalität. Höchstens 30 km dürfen die Höfe von Münster entfernt liegen, hat Annika sich eine Grenze gesetzt. Einer der bislang neun teilnehmenden Landwirte ist Christoph Vienenkötter. Sein Hof liegt in Münsters Vorort Everswinkel. Der Junglandwirt hält 8.000 Hühner in einem neugebauten Freilaufstall und beliefert Annika mit frischen Eiern. Die weiteren acht Betriebe bilden von einer Hofkäserei bis zum Imker eine breite Produktpalette ab. Alle neun Betriebe wirtschaften nach konventionellen Standards.

Um die Betriebsstrukturen kennenzulernen und um sicher zu gehen, dass die Betriebe zur Bauernbox passen, arbeitete Annika drei Tage auf den Höfen mit. Die junge Gründerin mutet den Betriebsleitern einiges zu: „Wenn meine Kunden wissen möchten, wie das Schweinefleisch produziert wird, dann müssen die Landwirte diese Fragen auch beantworten.“

Annika beschriftet Karten für jeden ihrer Kunden individuell als Dankeschön. Sie will sich dadurch vom Markt absetzen. (Foto: Dicks)

Auf Provision

Annika ist aktuell halbtags beim Maschinenring im westfälischen Warendorf angestellt. Den Arbeitsaufwand für die Bauernbox schätzt sie auf mindestens 20 Stunden pro Woche - ganz schön stressig, wie sie selbst schildert: „Ich habe so viele Projekte, die ich verwirklichen möchte, aber manchmal fehlt mir einfach die Zeit.“ Dennoch verzichtet sie aktuell auf Fremdarbeitskräfte, vor allem aus Kostengründen.

Das nötige Geld soll wie folgt in die Kasse kommen: Eier, Wurst und Co. kauft Annika nicht von den Landwirten, sondern gibt die Produkte lediglich weiter. Die Gründerin erhält dafür einen prozentualen Anteil vom Verkaufspreis. „Ursprünglich wollte ich eine Provision von 15 % kalkulieren. Ich habe mich dann aber je nach Lebensmittel für einen individuellen Wert entschieden. Da beispielsweise bei Eiern 15 % viel zu wenig sind“, merkt sie an.

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Box auf: Honig, Eier und Spare Ribs rein – mit der Bauernbox bündelt Annika Ahlers Produkte von Landwirten aus dem Umland und bringt sie direkt nach Münster: Ein unkonventionelles Konzept mit Ausbaupotential.

Es braucht nur wenige Klicks, schon wandern frischer Spargel oder Käse in den Warenkorb von „Anni´s Bauernbox“. Unter „bauernbox.com“ können Münsteraner Lebensmittel verschiedener Landwirte aus dem Umland bestellen. Der Kunde kann einzelne Produkte auswählen, aber auch Themenboxen, etwa zur Grillsaison. Annika besorgt die Produkte von den Höfen und stellt die individuellen Boxen zusammen. Münsteraner können die Pakete an zwei Verteilstellen abholen oder bekommen die Boxen mithilfe des Fahrradkuriers „Leezen Heroes“ in die eigene Wohnung geliefert.

Bei beiden Bestellmöglichkeiten gibt es keine Abo-Variante. Die gelernte Landwirtin Annika möchte alles möglichst einfach halten: „Da ich mich als meine Zielgruppe sehe, kenne ich mich. Ich war mal Dauerkunde bei ‚Hello Fresh‘ und häufig habe ich die Boxen einfach nur vergessen.“

Wenn meine Kunden wissen möchten, wie das Schweinefleisch produziert wird, dann müssen die Landwirte diese Fragen auch beantworten.

Annika Ahlers

Über Bauern bündeln

Anders als Hello Fresh punktet die Bauernbox mit ihrer Regionalität. Höchstens 30 km dürfen die Höfe von Münster entfernt liegen, hat Annika sich eine Grenze gesetzt. Einer der bislang neun teilnehmenden Landwirte ist Christoph Vienenkötter. Sein Hof liegt in Münsters Vorort Everswinkel. Der Junglandwirt hält 8.000 Hühner in einem neugebauten Freilaufstall und beliefert Annika mit frischen Eiern. Die weiteren acht Betriebe bilden von einer Hofkäserei bis zum Imker eine breite Produktpalette ab. Alle neun Betriebe wirtschaften nach konventionellen Standards.

Um die Betriebsstrukturen kennenzulernen und um sicher zu gehen, dass die Betriebe zur Bauernbox passen, arbeitete Annika drei Tage auf den Höfen mit. Die junge Gründerin mutet den Betriebsleitern einiges zu: „Wenn meine Kunden wissen möchten, wie das Schweinefleisch produziert wird, dann müssen die Landwirte diese Fragen auch beantworten.“

Annika beschriftet Karten für jeden ihrer Kunden individuell als Dankeschön. Sie will sich dadurch vom Markt absetzen. (Foto: Dicks)

Auf Provision

Annika ist aktuell halbtags beim Maschinenring im westfälischen Warendorf angestellt. Den Arbeitsaufwand für die Bauernbox schätzt sie auf mindestens 20 Stunden pro Woche – ganz schön stressig, wie sie selbst schildert: „Ich habe so viele Projekte, die ich verwirklichen möchte, aber manchmal fehlt mir einfach die Zeit.“ Dennoch verzichtet sie aktuell auf Fremdarbeitskräfte, vor allem aus Kostengründen.

Das nötige Geld soll wie folgt in die Kasse kommen: Eier, Wurst und Co. kauft Annika nicht von den Landwirten, sondern gibt die Produkte lediglich weiter. Die Gründerin erhält dafür einen prozentualen Anteil vom Verkaufspreis. „Ursprünglich wollte ich eine Provision von 15 % kalkulieren. Ich habe mich dann aber je nach Lebensmittel für einen individuellen Wert entschieden. Da beispielsweise bei Eiern 15 % viel zu wenig sind“, merkt sie an.

Ich habe so viele Projekte, die ich verwirklichen möchte, aber manchmal fehlt mir einfach die Zeit.

Annika Ahlers

Ob die Bauernbox funktioniert – das steht noch aus. Sie muss sich durchaus gegen Konkurrenten mit ähnlichen Konzepten behaupten. So gibt es bereits Bio Grüne Kisten und einen Wochenmarkt in Münster. Außerdem stehen die Marktschwärmer Münster im Aufbau, die europaweit in verschiedenen Großstädten nahezu das gleiche Konzept wie Annika fahren. „Anfangs wollte ich mit den Marktschwärmern kooperieren. Durch sie ist auch der Kontakt zu den Verteilstellen im Unverpacktladen ‚Einzelhandel zum Wohlfühlen‘ entstanden“, sagt die junge Gründerin. Und weiter: „Aktuell stehe ich wieder im Gespräch mit den Marktschwärmern, bezüglich einer Kooperation.“

Einblicke in den Einzelhandel zum Wohlfühlen, an dem Annika ihre Verteilstelle aufgebaut hat. (Fotos: Dicks)

Das Marketing

Um die Marke Anni´s Bauernbox in Münster gegenüber den Mitbewerbern zu stärken, muss das Marketing stimmen. Dies erledigt Annika aktuell nahezu komplett aus eigener Hand. Einzig bei der Website und dem Design des Logos arbeitet sie mit der Marketingagentur „Stadtrandbengel“ aus Münster zusammen. Sie setzt vor allem auf Mund-zu-Mund-Marketing, nutzt soziale Medien und verteilt Flyer. „Ich merke, dass ich das definitiv steigern muss“, betont sie. In der Zukunft möchte sie vermehrt mit Foodbloggern kooperieren, die sie bereits durch ihr ehrenamtliches Engagement beim „Erklärbauern“ kennt – einem Agrarblog für Verbraucher.

Investition – mehr als gedacht

Neben Kommunikations- ist auch Improvisationstalent gefordert. Anfangs ein bisschen blauäugig, plante Annika nur eine geringe Investitionssumme ein. Dies stellte sich jedoch als ein Trugschluss heraus: „Letztlich ist es doch ein kleiner fünfstelliger Betrag geworden“, erläutert sie. „Die Website und das Verpackungsmaterial waren teurer als gedacht.“ Und das Ganze, obwohl Annika viel selbst erledigt und auf Bestehendes setzt. So nutzt sie etwa als Lager für die Produkte ihre eigene Garage. Sie konnte die Investitionen aber komplett durch Eigenkapital decken. Auf die Idee, auf Fördertöpfe zurückzugreifen, kam sie erst im Laufe der Zeit. Aktuell ist sie im Gespräch mit dem Start-up Center in Münster und hat ein NRW-Gründerstipendium sowie einen Gründerkredit beantragt: „Davon soll in Zukunft das Geld für Investitionen kommen“, macht sie klar.

Letztlich ist es doch ein kleiner fünfstelliger Betrag geworden.

Annika Ahlers

Investitionen, wie die Website inkl. Online-Shop und die Boxen für das Ausliefern mit dem Fahrrad müssen erst einmal wieder eingenommen werden. Hinzukommt: Es stehen recht hohe laufende Kosten für das junge Start-up an. Das sind die Miete für die Verteilstellen, insgesamt 400 € und diverse Marketingmaßnahmen. Demgegenüber stehen 15 Kunden pro Woche, die Annika im Eröffnungsmonat April verzeichnen konnte. „Davon kann ich meine Kosten nicht decken. Da muss noch einiges kommen.“ Offen bleibt, ob sie die nötigen Kunden hinzugewinnen kann und die Bestehenden nicht wieder abspringen, insbesondere da sie sich gegen ein Abo-Verfahren wehrt und die Konkurrenz in Münster dem nötigen Durchstarten Probleme bereiten könnte.

Es fehlt: Gemüse

Es gibt noch weitere Baustellen bei der Bauernbox. Denn das Einzugsgebiet ist keine Hochburg des Gemüseanbaus: „Viele meiner Kunden fragen gezielt nach Gemüse. Aber das ist nicht so einfach, wenn man nur 30 km um Münster guckt.“ Aus der Not heraus hat Annika angefangen, Gemüse in ihrem eigenen Garten anzubauen. „Das reicht aber höchstens für zehn Haushalte und kann nicht die Antwort auf das Problem sein“, stellt sie fest.

Zukunftsmusik

Annika’s Motivation für die Bauernbox zeigt sich in der Vielzahl ihrer Ideen. Diese sind auch nötig, denn die Bauernbox muss wachsen. So plant sie die Website weiter auszubauen: Einen Imagefilme von jedem Bauern und ein Rezepteblog in Zusammenarbeit mit den Landfrauen versucht sie aktuell zu realisieren. Hinzu kommen spezielle Boxen extra für Unternehmen. Im Sommer sollen dann verschiedene Events stattfinden, wie etwa Radtouren auf die Bauernbox-Betriebe oder eine Frühstücksreihe. Annika unterstreicht: „Die Aktionen sind nötig, um langfristig Kunden binden zu können.“

Denn über eines ist sich Annika im Klaren: Die Bauernbox steht noch am Anfang und der Lebensmittelhandel ist von niedrigen Margen geprägt. Damit es die Bauernbox auch in ein paar Jahren noch gibt, muss die Zahl der Kunden in den kommenden Monaten vor allem eines tun: wachsen.