digital future Gründerwerkstatt

Panels, Pitches und Party

Zum neunten Mal versammelten sich Start-ups und Größen der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft auf dem innovate! Kongress in Osnabrück. (Foto: Simone Reukauf)

Mit einem umfangreichen Programm ist am vergangenen Mittwoch Abend und Donnerstag der innovate! Kongress in Osnabrück vorbeigegangen. Über 1.000 Besucher tauschten sich mit und über die Agri- und Food-Szene aus.

Das Programmheftchen umfasste 16 Seiten. Auf dem Weg zwischen vier Bühnen und mehreren Barcamps sowie einer Start-up-Galerie sah man immer wieder Besucher, die mithilfe des Lageplans auf den nächsten Vortrag zusteuerten. Kurz gesagt: Es gab viel Input auf dem neunten innovate! Kongress in Osnabrück, auf dem sich insgesamt über 1.000 Gründerteams, Studierende, Unternehmer, Vertreter aus Forschung & Lehre sowie Interessierte austauschten und netzwerkten. Auch drei Start-up-Awards wurden nach einem Live-Pitch auf der Bühne vergeben. Hier durfte das Publikum entscheiden. Danach wurde ausgelassen gefeiert.

Podiumsdiskussionen, Vorträge und Barcamps

Nach der Begrüßung folgte die erste von vielen Keynotes und Vorträgen. Den Anfang machte Gründer Finn Age Hänsel, der über sein Cannabis-Start-up "Sanity Group" referierte und in dem Bereich durchaus Chancen für Landwirte sieht, neue, innovative Produkte zu entwickeln.

Gründer Finn Hänsel gab auf der Bühne Einblicke in sein Start-up und zeigte Chancen für Landwirte auf. (Foto: Simone Reukauf)

In der folgenden Podiumsdiskussion, moderiert von Pielers-Gründerin Dr. Julia Köhn, ging es darum, wie innovativ - oder gar disruptiv - deutsche Start-ups im AgriFood-Bereich sind. Das Podium war vielseitig besetzt: So repräsentierte Christoph Grimme von Grimme Landmaschinen die Landtechnikbranche. Auch Eva Piepenbrock von f3, Prof. Dr. Karin Schnitker von der Hochschule Osnabrück und Niels Dietzsch von Fraunhofer Venture diskutierten mit. Es wurde klar, dass die deutsche Agrar-Start-up-Szene nicht nur in Berlin aktiv ist, sondern durch viele Gründer mit landwirtschaftlichem Hintergrund auch im ländlichen Raum viel bewegt.

Revolutionäre, disruptive Geschäftsmodelle kommen eher von außen.

Prof. Dr. Karin Schnitker

Karin Schnitker wies allerdings darauf hin, dass Deutschland im Ranking hinter Ländern wie den USA, Israel und den Niederlanden zurückfällt. Sie sagte: „Bestehende Prozesse besser machen, also sogenannte inkrementelle Innovationen, die beherrschen wir gut in Deutschland. Revolutionäre, disruptive Geschäftsmodelle kommen aber eher von außen.“ Das Podium war sich einig, dass das Start-up-Ökosystem in Deutschland mehr Finanzkraft, vor allem in Form von Risikokapital, mehr interdisziplinären Austausch und mehr Offenheit von allen Akteuren braucht.


Michael Horsch: Neue Denkwelten Landwirtschaft

Jetzt f3 Mitglied werden und direkt weiterlesen

Als f3-Mitglied erhälst du täglich Meldungen, Beiträge und Reportagen zu Innovationen und Start-ups aus den "grünen" Bereichen und wirst Teil des neuen Gründer-Netzwerks.

mehr Informationen bekommst du hier

Mit einem umfangreichen Programm ist am vergangenen Mittwoch Abend und Donnerstag der innovate! Kongress in Osnabrück vorbeigegangen. Über 1.000 Besucher tauschten sich mit und über die Agri- und Food-Szene aus.

Das Programmheftchen umfasste 16 Seiten. Auf dem Weg zwischen vier Bühnen und mehreren Barcamps sowie einer Start-up-Galerie sah man immer wieder Besucher, die mithilfe des Lageplans auf den nächsten Vortrag zusteuerten. Kurz gesagt: Es gab viel Input auf dem neunten innovate! Kongress in Osnabrück, auf dem sich insgesamt über 1.000 Gründerteams, Studierende, Unternehmer, Vertreter aus Forschung & Lehre sowie Interessierte austauschten und netzwerkten. Auch drei Start-up-Awards wurden nach einem Live-Pitch auf der Bühne vergeben. Hier durfte das Publikum entscheiden. Danach wurde ausgelassen gefeiert.

Podiumsdiskussionen, Vorträge und Barcamps

Nach der Begrüßung folgte die erste von vielen Keynotes und Vorträgen. Den Anfang machte Gründer Finn Age Hänsel, der über sein Cannabis-Start-up „Sanity Group“ referierte und in dem Bereich durchaus Chancen für Landwirte sieht, neue, innovative Produkte zu entwickeln.

Gründer Finn Hänsel gab auf der Bühne Einblicke in sein Start-up und zeigte Chancen für Landwirte auf. (Foto: Simone Reukauf)

In der folgenden Podiumsdiskussion, moderiert von Pielers-Gründerin Dr. Julia Köhn, ging es darum, wie innovativ – oder gar disruptiv – deutsche Start-ups im AgriFood-Bereich sind. Das Podium war vielseitig besetzt: So repräsentierte Christoph Grimme von Grimme Landmaschinen die Landtechnikbranche. Auch Eva Piepenbrock von f3, Prof. Dr. Karin Schnitker von der Hochschule Osnabrück und Niels Dietzsch von Fraunhofer Venture diskutierten mit. Es wurde klar, dass die deutsche Agrar-Start-up-Szene nicht nur in Berlin aktiv ist, sondern durch viele Gründer mit landwirtschaftlichem Hintergrund auch im ländlichen Raum viel bewegt.

Revolutionäre, disruptive Geschäftsmodelle kommen eher von außen.

Prof. Dr. Karin Schnitker

Karin Schnitker wies allerdings darauf hin, dass Deutschland im Ranking hinter Ländern wie den USA, Israel und den Niederlanden zurückfällt. Sie sagte: „Bestehende Prozesse besser machen, also sogenannte inkrementelle Innovationen, die beherrschen wir gut in Deutschland. Revolutionäre, disruptive Geschäftsmodelle kommen aber eher von außen.“ Das Podium war sich einig, dass das Start-up-Ökosystem in Deutschland mehr Finanzkraft, vor allem in Form von Risikokapital, mehr interdisziplinären Austausch und mehr Offenheit von allen Akteuren braucht.


Michael Horsch: Neue Denkwelten Landwirtschaft

Ein weiteres Highlight auf der innovate war der Vortrag vom Geschäftsführer der Horsch Maschinen GmbH, Michael Horsch. Er legte seine zukunftsgerichteten Gedanken zu verschiedenen Themen dar – und lies dabei keine Denkverbote zu.

Keine Denkverbote für Zukunftsszenarien: Michael Horsch präsentierte seine Ideen. (Foto: Simone Reukauf)

Ernährung / Plant Based Food:

Michael Horsch spielte gedanklich durch, was mit heutigen, etablierten Unternehmen der Land- und Ernährungswirtschaft geschieht, wenn sich der Trend Fleischverzicht durchsetzt. Und danach sehe es derzeit aus. „Selbst die Discounter sind an dem Thema dran“, konstatierte Horsch. In dem Fall gehe also die Fläche der Kulturen zurück, die für Tierfutter angebaut werden müssten. Und auf diesen freigewordenen Hektar würden dann voraussichtlich Kulturen anbaut, die direkt verzehrt werden könnten. Nach vorne denkende Landtechnikunternehmen müssten sich also schon jetzt auf einen Strategiewechsel einstellen und Technik herstellen, die auf diese neuen Kulturen eingerichtet sind.

Die Landwirtschaft hat jetzt die einmalige Chance mit der Gesellschaft gemeinsam etwas zu erreichen.

Michael Horsch

CO2 / Carbonisierung:

„Die Landwirtschaft hat jetzt die einmalige Chance mit der Gesellschaft gemeinsam etwas zu erreichen.“ Das sagte Michael Horsch und meinte damit die Möglichkeit, die CO2-Speicherung im Ackerboden als neuen Wirtschaftszweig aufzubauen. Das würde dem Klimawandel viel effektiver entgegenwirken als jede Dieseleinsparung, die derzeit diskutiert werde. Und Landwirte könnten signifikant höheres Einkommen generieren. Im Raum standen rund 500 € pro ha. Natürlich habe Humusaufbau im Boden auch Konsequenzen für den Ackerbau. „Kein tiefes Grubbern, nicht pflügen, Fruchtfolge überdenken, die Wichtigkeit von Zwischenfrüchten und Gründüngung sehen“, um nur einige Beispiele wiederzugeben.

EM (Effektive Mikroorganismen):

„Ich habe es lange für Spinnerei und Esoterik gehalten“, beschrieb Michael Horsch seine eigene Wahrnehmung zum Themenfeld EM (Effektive Mikroorganismen). „Aber wenn da nur halbwegs was dran ist, dann revolutioniert sich da was.“ Die Rede ist von Mikroorganismen, die auch auf großen Betrieben z.B. in Brasilien eingesetzt werden, um Fungizide und Pestizide auf Dauer komplett zu ersetzen.


Start-up-Pitch

Per Smartphone-Live-Abstimmung wählten die Zuschauer das aus ihrer Sicht beste Produkt. (Foto: Simone Reukauf)

Nach der Vorabend-Veranstaltung am vergangenen Mittwoch, auf der ein Kuratorium die jeweils zwei besten Start-ups aus den Kategorien „Agri“, „Food“ und „Digitales“ im Osnabrücker Seedhouse ausgewählt hatte, ging es für die Sieger-Start-ups auch am Donnerstag nochmal zum Pitch auf die Bühne.

Den von f3 gesponserten German Food Start-up Award gewann das Start-up „Zveetz“, das sich dem Kampf gegen Zucker verschrieben hat. Gründer Christian Krause stellt Süßigkeiten und Desserts ohne Zucker her, die aus natürlichen Rohstoffen hergestellt und vegan sind. Christian setzte sich gegen „Wisefood“ durch, das Strohhalme aus Apfeltrester entwickelt hat.

Auch im landwirtschaftlichen Bereich war der von der Landwirtschaftlichen Rentenbank gesponserte German Agri Start-up Award hart umkämpft. Viktor Große Macke von „farmerscent“ setzte sich im Pitch gegen Robin Mink und Alexander Linn von „SAM“ durch. Viktor arbeitet an einem System zur Vernebelung von Mikroorganismen und Lavendel-Ölen. Die Mikroorganismen sollen auf natürliche Weise sogar resistente Keime im Stall „auffressen“. Die ätherischen Öle sollen den Stress von Schweinen reduzieren und damit Schwanzbeißen vorbeugen.