digital farm Forst

Nichts, außer Bäume und LTE

Um seinen persönlichen „Alptraum“ zu verwirklichen, zog Gerrit Balind von der Berliner Großstadt in eine Almhütte. Foto: Balindt

Wo lässt sich Forst-Software besser entwickeln, als im Wald? Diese Frage stellte sich auch Programmierer Gerrit Balindt. Er fand die Antwort auf einer abgeschiedenen österreichischen Almhütte: Dort stellte der Forstwissenschaftler fest, dass IT und Forstwirtschaft keine einsame Verbindung ist.

Wer sich einen typischen Softwareentwickler vorstellt, hat wohl meistens einen Programmierer - einen Nerds - vor Augen: einsam hinter einem PC, in einem dunklen Raum, umgeben von unverständlichen Zahlen-Buchstabenkombinationen. Doch dieses Klischee trifft nicht immer zu. Gerrit Balind ist Programmierer und scheint auf den ersten Blick die Abgeschiedenheit zu suchen. Doch dem ist nicht so.

Der Softwareentwickler und Forstwissenschaftler liebt nicht nur das Tageslicht, sondern besonders den Wald und die Gesellschaft. All das fand der 38-Jährige in einem kleinen österreichischen Dorf. Um seinen persönlichen „Alptraum“ zu verwirklichen, zog er von der Berliner Großstadt auf eine Almhütte. Denn alles, was er zum Arbeiten braucht, ist schnelles Internet. Im Söltal lebt und arbeitet Gerrit nun seit rund einem Jahr in seinem eigens gegründeten Ein-Mann-Unternehmen „Grünecho“ und entwickelt ausschließlich für die Forstwirtschaft.

Einfachheit wird bei Gerrit groß geschrieben. Foto: Balindt

EIN KLEINES DORF IST BESSER ALS EINE GROßE STADT

Nachdem er bereits einige Jahre als Entwickler in der deutschen Hauptstadt tätig war, rückten seine ländlichen Wurzeln wieder in den Vordergrund. „Mein Vater und Großvater haben beide berufliche Verbindungen zur Holzwirtschaft gehabt. Ich denke, das ist irgendwann einfach durchgekommen“, so Gerrit über seine Kindheit in der bayerischen Heimat.

Ich kannte keinen Nachbarn. Hier kenne ich das ganze Dorf.

Gerrit Balindt

Mit einem Bachelor der Forstwirtschaft und anschließendem Master in internationalem Forstmanagement an verschiedenen europäischen Universitäten, legte er die Richtung seines beruflichen Lebens fest. In der Großstadt kam er nie richtig an: „In Berlin war einfach nur Stadt um mich herum“, erinnert er sich. „Ich kannte keinen Nachbarn. Hier kenne ich das ganze Dorf“, beschreibt er den Unterschied der beiden Lebensweisen.

Wer hier arbeitet, hat vor allem Ruhe. Foto: Balindt

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Wo lässt sich Forst-Software besser entwickeln, als im Wald? Diese Frage stellte sich auch Programmierer Gerrit Balindt. Er fand die Antwort auf einer abgeschiedenen österreichischen Almhütte: Dort stellte der Forstwissenschaftler fest, dass IT und Forstwirtschaft keine einsame Verbindung ist.

Wer sich einen typischen Softwareentwickler vorstellt, hat wohl meistens einen Programmierer – einen Nerds – vor Augen: einsam hinter einem PC, in einem dunklen Raum, umgeben von unverständlichen Zahlen-Buchstabenkombinationen. Doch dieses Klischee trifft nicht immer zu. Gerrit Balind ist Programmierer und scheint auf den ersten Blick die Abgeschiedenheit zu suchen. Doch dem ist nicht so.

Der Softwareentwickler und Forstwissenschaftler liebt nicht nur das Tageslicht, sondern besonders den Wald und die Gesellschaft. All das fand der 38-Jährige in einem kleinen österreichischen Dorf. Um seinen persönlichen „Alptraum“ zu verwirklichen, zog er von der Berliner Großstadt auf eine Almhütte. Denn alles, was er zum Arbeiten braucht, ist schnelles Internet. Im Söltal lebt und arbeitet Gerrit nun seit rund einem Jahr in seinem eigens gegründeten Ein-Mann-Unternehmen „Grünecho“ und entwickelt ausschließlich Software für die Forstwirtschaft.

Einfachheit wird bei Gerrit groß geschrieben. Foto: Balindt

EIN KLEINES DORF IST BESSER ALS EINE GROßE STADT

Nachdem er bereits einige Jahre als Entwickler in der deutschen Hauptstadt tätig war, rückten seine ländlichen Wurzeln wieder in den Vordergrund. „Mein Vater und Großvater haben beide berufliche Verbindungen zur Holzwirtschaft gehabt. Ich denke, das ist irgendwann einfach durchgekommen“, so Gerrit über seine Kindheit in der bayerischen Heimat.

Ich kannte keinen Nachbarn. Hier kenne ich das ganze Dorf.

Gerrit Balindt

Mit einem Bachelor der Forstwirtschaft und anschließendem Master in internationalem Forstmanagement an verschiedenen europäischen Universitäten, legte er die Richtung seines beruflichen Lebens fest. In der Großstadt kam er nie richtig an: „In Berlin war einfach nur Stadt um mich herum“, erinnert er sich. „Ich kannte keinen Nachbarn. Hier kenne ich das ganze Dorf“, beschreibt er den Unterschied der beiden Lebensweisen.

Wer hier arbeitet, hat vor allem Ruhe. Foto: Balindt

EINE HERZENSANGELEGENHEIT

Heute kann der Programmierer schon von seinen Einnahmen leben – jedoch bescheiden: „Ich könnte als IT-ler mehr Geld verdienen, wenn ich außerhalb der Forstbranche Aufträge annehmen würde. Die Arbeit mit Kollegen aus der Forst- und Holzbranche ist mir aber eine Herzensangelegenheit“, erzählt Gerrit. „Die Anfragen von Agenturen aus anderen Bereichen, lehne ich ab.“ Dabei geht es ihm zum einen darum, einen Namen in der Branche zu erlangen und zum anderen um Nachhaltigkeit: „Das gute Gewissen und der Spaß sind mein Ansporn.“

Das gute Gewissen und der Spaß sind mein Ansporn.

Gerrit Balindt

FALLKERB UND BRUCHLEISTE

Seine Ausbildung und Erfahrung als Software-Entwickler sowie die Expertise aus der Forstwirtschaft, haben ihm zuletzt eine Zusammenarbeit mit der Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) eingebracht. Die Berufsgenossenschaft kam auf Gerrit zu, um ein eine, in der Forstbranche verbreitete Handlungshilfe zur Stockbeurteilung, zu digitalisieren. Unter dem Namen „Stockfibel to go“ soll Nutzern per App die Stockbeurteilung eines gefällten Baumes erleichtert werden.

Sie sollen also, nachdem ein Baum gefällt wurde, anhand des verbliebenen Wurzelstockes abgelesen können, ob der Motorsägenführer richtig und sicher gearbeitet hat. Um diese App zu programmieren, waren nicht nur IT-Kenntnisse, sondern auch Praxiswissen aus der Forstwirtschaft gefragt. Beides brachte Gerrit mit.

KEINE WERBUNG IN EIGENER SACHE NOTWENDIG

In seinem Arbeitsbereich gibt es nur wenig Konkurrenz. Gerrit setzt daher vorwiegend auf Empfehlungen durch Bekannte und Kunden. „Ich habe das Glück, dass meine Kunden meine Arbeit zu schätzen wissen, für Folgeprojekte anfragen und mich weiterempfehlen.“

Dass ich noch Bäume fälle und an der Säge stehe, ist keine ökonomische Entscheidung.

Gerrit Balindt

Der Bezug zur Praxis ist dem Forstwissenschaftler besonders wichtig. „Ich möchte den Wald nicht nur vom Schreibtisch aus kennen“, erzählt Gerrit. Mehrmals im Monat arbeitet er in einem Forstbetrieb. „Dass ich Bäume fälle und an der Säge stehe, ist keine ökonomische Entscheidung, es ist eine Investition in Praxiserfahrung“, erzählt er.

GÄSTE SIND WILLKOMMEN

Auch für Gesellschaft ist gesorgt: „Das Leben hier ist in vielerlei Hinsicht reduziert auf das Wesentliche. Was dabei an Inspiration und Querdenken fehlt, kommt mit den Besuchern.“ Daher hält er immer zwei Gästezimmer frei. „So sind regelmäßig Gäste – auch aus anderen Branchen – zu Gast, die mit ihren Händen etwas erschaffen und ohne Ablenkung kreativ werden wollen.“