Forst Story

O Biotannenbaum

Bislang machen Biobäume einen Marktanteil von knapp 0,5% aus. Aber die Nachfrage steigt. Ein Produzent aus dem Sauerland macht schon mit. (Foto: Schlotmann)

Gut zwei Drittel der Weihnachtsbäume für den heimischen Markt stammen aus dem Sauerland – auch die von Gregor Kaiser. Aber anders als die meisten seiner Berufskollegen setzt der Anbauer auf Biobäume.

Den vollständigen Artikel lest ihr im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben.

Das Sauerland ist ein Kern­gebiet der Weihnachtsbaumproduktion. Dr. Gregor Kaiser, Waldbauer aus dem Kreis Olpe, ist einer der etwa 600 Anbauer der Region. Allerdings hebt sich der 44-Jährige aus der Menge ab: Er produziert Bioweihnachtsbäume und verzichtet auf Mineraldünger sowie Herbizide und chemische Pestizide. Stattdessen setzt er auf Haarmehlpellets und Schafe. Den Bäumen ist das kaum anzusehen, den Kulturen dafür schon.

Haarmehlpellets aus Schweineborsten

Die Anforderungen an den Biobaum sind hoch und schließen den Einsatz von synthetischen Düngern und Pflanzenschutzmitteln komplett aus. Nicht unproblematisch, denn für die sattgrüne Farbe der Nordmanntannen sind regelmäßige Stickstoffgaben nötig. Kaiser ermittelt regelmäßig den Nährstoffbedarf der Böden seiner ­ Kulturen. Während sich für die Startdüngung vor der Pflanzung organische Dünger wie Gülle, Festmist oder Kompost noch eignen, fallen diese für die Nährstoffgabe in den stehenden Beständen aus – die Ausbringung ist zu kompliziert, ohne die Bäume zu schädigen oder zu verschmutzen.

Dr. Gregor Kaiser bewirtschaftet insgesamt 7,5 ha Christbaumkulturen. (Foto: Schlotmann)

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Gut zwei Drittel der Weihnachtsbäume für den heimischen Markt stammen aus dem Sauerland – auch die von Gregor Kaiser. Aber anders als die meisten seiner Berufskollegen setzt der Anbauer auf Biobäume.

Den vollständigen Artikel lest ihr im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben.

Das Sauerland ist ein Kern­gebiet der Weihnachtsbaumproduktion. Dr. Gregor Kaiser, Waldbauer aus dem Kreis Olpe, ist einer der etwa 600 Anbauer der Region. Allerdings hebt sich der 44-Jährige aus der Menge ab: Er produziert Bioweihnachtsbäume und verzichtet auf Mineraldünger sowie Herbizide und chemische Pestizide. Stattdessen setzt er auf Haarmehlpellets und Schafe. Den Bäumen ist das kaum anzusehen, den Kulturen dafür schon.

Haarmehlpellets aus Schweineborsten

Dr. Gregor Kaiser bewirtschaftet insgesamt 7,5 ha Christbaumkulturen. (Foto: Schlotmann)

Die Anforderungen an den Biobaum sind hoch und schließen den Einsatz von synthetischen Düngern und Pflanzenschutzmitteln komplett aus. Nicht unproblematisch, denn für die sattgrüne Farbe der Nordmanntannen sind regelmäßige Stickstoffgaben nötig. Kaiser ermittelt regelmäßig den Nährstoffbedarf der Böden seiner ­ Kulturen. Während sich für die Startdüngung vor der Pflanzung organische Dünger wie Gülle, Festmist oder Kompost noch eignen, fallen diese für die Nährstoffgabe in den stehenden Beständen aus – die Ausbringung ist zu kompliziert, ohne die Bäume zu schädigen oder zu verschmutzen.

Dennoch liefern Schweine die Lösung des Düngeproblems: Kaiser nutzt Haarmehlpellets. Sie werden aus den Borsten von Mastschweinen gewonnen und haben einen Stickstoffgehalt von 14 %. Daneben setzt er nach Bedarf noch Gesteinsmehle, Kalke und natürliche Spurenelementdünger ein. Aufgrund der Hanglage und fehlender Großtechnik bedeutet „düngen“ für Kaiser Handarbeit. Der Weihnachtsbaumanbauer bringt sämtliche Nährstoffe mit einer Säwanne aus.

Schafe statt Herbizide

Die Biotannen wachsen ein Jahr länger als die aus konventioneller Produktion. (Foto: Schlotmann)

Ein Problem aller Weihnachtsbaumerzeuger ist der Begleitwuchs. Zur Regulierung der Gräser, Farne und anderer krautiger Pflanzen mulchen die meisten ­Betriebe ihre Flächen regelmäßig. Weil eine geeignete Raupe mit Anbaumulcher für den kleinen Betrieb zu teuer ist, nutzt Kaiser ­neben dem Freischneider seine 16 Shropshire-Schafe. Sie fressen den Begleitwuchs zuverlässig ab. Aufgrund der vergleichsweise kleinen Flächeneinheiten muss Kaiser seine Schafe regelmäßig umtreiben. Hinzu kommen die Hufpflege, die Fellschur und die Bergung des Winterfutters. Nicht zuletzt muss der Waldbauer seine Herde nach dem Lammen oder dem Zukauf neuer Schafe streng kontrollieren. Einige Schafe neigen zum Verbiss der Weihnachtsbäume. „Sie sind ein Fall für den Metzger“, sagt Kaiser.

Nicht immer sind die Bäume im unteren Bereich bis in die Mitte benadelt, eine Folge des Begleitwuchses.

Gregor Kaiser

Trotz der Schafe muss der Weihnachtsbaumerzeuger die Flächen zusätzlich mähen – bis zu dreimal jährlich. „Das ist der massivste Unterschied im Bioanbau“, urteilt der 44-Jährige.

Bäume müssen ein Jahr länger wachsen

Die spezielle Düngung und Pflege machen sich bemerkbar: Tendenziell sind die Biobäume nicht so kräftig grün wie die aus dem Nichtbio­anbau. Verglichen mit dem konventionellen Anbau dauert die Produktionszeit in der Regel ein Jahr länger, weil Kaiser die Weihnachtsbäume wegen des Begleitwuchses bei der Ernte bis zu 20 cm über dem Boden abschneiden muss. „Nicht immer sind die Bäume im unteren Bereich bis in die Mitte benadelt, eine Folge des Begleitwuchses“, beschreibt er.

Allerdings schützt der Bodenbewuchs an den mitunter steilen Hängen auch vor Bodenerosion. Zudem bieten die Pflanzen Insekten und Bodenlebewesen einen Lebensraum. „Die Biodiversität ist im Vergleich zu früher deutlich gewachsen“, ist sich Kaiser sicher.

Biobäume noch Nische

Als Direktvermarkter mit einem Ab-Hof-Verkauf und einem Verkaufsstand in Bonn hat sich der Waldbauer mit dem Nischenprodukt „Biobaum“ erfolgreich am Markt positioniert. Im Schnitt kostet ein ökologisch erzeugter Weihnachtsbaum 3 bis 5 €/m mehr als eine konventionell produzierte Nordmanntanne.

Bislang machen Biobäume einen Marktanteil von knapp 0,5 % aus.

Auszug

Bislang machen Biobäume einen Marktanteil von knapp 0,5% aus. Aber die Nachfrage steigt. „Der Kunde unterstützt den nachhaltigen und ökologischen Anbau“, meint Kaiser. Seiner Aussage nach steigen zunehmend Familienbetriebe auf den biologischen Anbau um. Der Weihnachtsbaumproduzent ist sich sicher: „Für große Haupterwerbsbetriebe ist der Bioanbau eine ­Option, wenn die ökonomischen hinter den ökologischen Interessen stehen.“