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Online-Handel von Lebensmitteln läuft nicht free

Nur wer es als Start-up mit seinem Produkt in die Regale des Lebensmitteleleinzelhandels schafft, kann sich dauerhaft am Markt etablieren. Denn nur wenige Menschen kaufen ihre Lebensmittel online ein. Foto: pexels.com

Wer ein Food-Start-up gründet, setzt meist im zweiten Schritt einen Web-Shop auf, um sein Produkt zu vertreiben. Doch der Online-Handel mit Lebensmitteln stößt bisher auf keine große Nachfrage. Das deutsche Marktforschungsunternehmen GfK hat untersucht, woran das liegen könnte.

Während in anderen Einzelhandelssparten der E-Commerce-Anteil immer weiter wächst, nutzen bisher erst wenige Einkäufer die Möglichkeit, ihre Lebensmittel über Internetshops zu beziehen. Und das, obwohl Artikel des täglichen Bedarfs immer häufiger online eingekauft werden. Die GfK sieht die Antwort nun in einem Paradox: Die Verbraucher mit der höchsten E-Commerce-Affinität wohnen in Städten. Vielmehr in Innenstadt-nahen Wohnvierteln. Von dort aus sind es häufig nur wenige Gehminuten bis zum nächsten Supermarkt. Für diese Stadtbewohner ist der Online-Einkauf von Lebensmitteln also tatsächlich aufwändiger, als der schnelle Einkauf direkt um die Ecke.

Der Online-Handel mit Essen und Getränken wäre vor allem in ländlichen Gebieten sinnvoll.

GfK-Studie
Gute Zeiten zum Gründen free

Während also die E-Commerce-Kernzielgruppe nicht auf die Online-Bestellung anspringt, sei die Anlieferung in Gegenden mit großen Entfernungen zum nächsten Supermarkt wiederum häufig nicht lohnenswert. Das Online-Angebot hätte zwar in Regionen mit geringer Händlerdichter hohes Potenzial, ist für die Anbieter aufgrund von hohen Lieferkosten jedoch zu teuer. Ein weiterer Faktor: In ländlichen Regionen ist die Bevölkerung überdurchschnittlich alt – also laut GfK weniger internetaffin und damit nicht erreichbar für den Online-Handel.


Was sagt der Lebensmitteleinzelhandel zum Online-Vertrieb?

Wir haben Fabio Ziemßen, „Director Food Innovation“ der Metro AG für die Bereiche EFood, FoodTech und AgTech gefragt, ob der Online-Shop eine gute Variante ist, um ein neues Produkt am Markt zu etablieren?

Fabio Ziemßen

Fabio Ziemßen: Die meisten Start-ups setzen als Erstes auf einen Webshop, um ihr Produkt zu vermarkten. Im Netz können sie eine bunte Markenwelt kreieren, Bauernhofbilder zeigen und müssen keinen gesteigerten Wert auf die optische Gestaltung der Verpackung legen – aber wenn das Produkt dann ins Regal kommt und die Marke unbekannt ist, geht der Kunde daran vorbei.

f3.de: Ist es Start-ups einfacher, ihre Produkte regional zu vermarkten, anstatt den steinigen Weg über den Einzelhandel zu gehen?

Fabio Ziemßen: Besonders zu Anfang ist es wichtig, so viele Vertriebsmöglichkeiten wie möglich auszuprobieren. Der Gründer muss he­rausfinden, welche Zielgruppe die relevanteste für sein Produkt ist und wie er diese erreichen kann. Dabei muss keinesfalls der LEH das Nonplusultra sein. Wenn es sich um ein Produkt mit einer besonderen Geschichte handelt, ist eine Selektion auf Regionalität denkbar. Ein anderer Weg sind Wochen- oder Food-Märkte. Dort gibt es direkt und gratis Kunden-Feedback. Wer auf eine schnelle und hohe Reichweite für sein Produkt setzt, ist aber im LEH richtig angesiedelt.

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