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Online-Testmarkt: Neues kontaktlos probieren

Neue Produkte auswählen, liefern lassen und testen: "Utry.me" ist ein digitaler Test-Markt. (Foto: Utry.me)

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Über die Plattform „Utry.me“ können Markenhersteller und Handelsunternehmen ihre neuen Produkte testen lassen – kontaktlos und coronakonform. Das Geschäft des Start-ups boomt.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Lebensmittel Praxis (2020/13).

Als „digitales Haßloch“ beschreibt André Moll gerne sein 2018 gegründetes Start-up „Utry.me“. Dabei bezieht er sich auf eine Gemeinde in Rheinland-Pfalz, in der Hersteller mit der Gesellschaft für Konsumforschung neue Produkte testen, bevor sie bundesweit in die Supermärkte kommen. Das Online-Pendant ist nach Angaben seines Gründers und CEOs der weltweit erste Probiermarkt ohne Preise und wird vor allem seit der Corona-Pandemie von Verbrauchern und Markenartikelindustrie dynamisch genutzt.

Mit unserem Modell gibt es für den Hersteller keine ‚Streuverluste‘, die Produkte erreichen Kunden, die diese auch testen wollen.

André Moll

Das Motto des jungen Münchner Unternehmens: „Pull statt Push, Community statt Abo“. Das bedeutet: Anstatt der bisherigen Konzepte, die im Abo „Überraschungspakete“ anbieten (Push), ordern die Nutzer von Utry.me Markenprodukte, die sie auch tatsächlich interessieren. „Mit unserem Modell gibt es für den Hersteller keine ‚Streuverluste‘, die Produkte erreichen Kunden, die diese auch testen wollen“, erklärt Moll.

Boom durch Corona

Im Angebot: Lebensmittel, Getränke, Kosmetika, Nahrungsergänzungsmittel. Für eine Service- und Liefergebühr von 24,90 € können User ein Paket mit einem deutlich höheren Warenwert zusammenstellen, die Produkte in Ruhe testen und ihre gefragte Meinung dazu kundtun. „Der Preis ist später zweitrangig, wenn das Produkt überzeugt“, erklärt Moll, warum der Preis unsichtbar bleibt. Im Bestellprozess sind die UVPs hinterlegt, so dass der maximale Paketwert stets vergleichbar ist.

André Moll gründete sein Start-up 2018. (Foto: Utry.me)

Gestartet vor zwei Jahren, hat der Online-Shop in den Pandemie-Monaten einen wahren Boom erfahren. Ein Wachstum von mehr als 100 % verzeichnet Utry.me im Vergleich zum Jahresanfang, die Anzahl der registrierten Nutzer wuchs von 13.000 im Januar auf mehr als 30.000 Ende Juli. Die Zahl der Hersteller, die ihre Neuheiten auf der Plattform zum Testen anbieten, erhöhte sich von 150 auf mehr als 200. Nicht nur die Markenartikelindustrie, auch Edeka und die Drogeriemarktkette dm testen bereits Produkte ihrer Eigenmarken über Utry.me.

Mit Social Marketing zu mehr Aufmerksamkeit

Die Gründe für den Erfolg? Das Start-up schließt aktuell Bedarfslücken. Der Testshop bietet Verbrauchern Inspiration und Abwechslung, sowie Herstellern und Händlern die Möglichkeit, weggebrochene Marketing- und Marktforschungstools zum Teil zu ersetzen. „Die Krise macht es neuen Lebensmitteln und Genussprodukten extrem schwer, ihren Weg in die Märkte zu finden. Messen als wichtige Impulsgeber sind abgesagt, Promotions in den Supermärkten fallen weg, um den direkten sozialen Kontakt zu vermeiden“, erklärt Moll. Auch hatten deutlich mehr potenzielle User Zeit, sich in Ruhe im Internet zu tummeln und nach Neuigkeiten Ausschau zu halten.

Die Krise macht es neuen Lebensmitteln und Genussprodukten extrem schwer, ihren Weg in die Märkte zu finden.

André Moll

Um das Momentum zu nutzen, organisiert Moll mit seinem Team seit April regelmäßig eine Social-Media-Variante des guten alten Teleshoppings. Zusammen mit Herstellern und genussbegeisterten Influencern stellt er neue Produkte in Instagram-Liveshows vor. Die präsentierten Produkte gehen zeitgleich auf Utry.me online und können testweise nach Hause bestellt werden, je einmal pro Haushalt. Zwischen 5.000 und 10.000 Instagram-User schalten im Schnitt ein. Seit Juli läuft auch ein TV-Spot mit mehr als 30 Millionen Brutto-Rezipienten. Damit will das Start-up seinen Bekanntheitsgrad national steigern.

Nicht nur für Markenhersteller interessant

Für die teilnehmenden Hersteller bietet Utry.me verschiedene Marktforschungsmöglichkeiten an. Durch eine mehrstufige Abfrage können neben künftiger Kaufabsicht und Preisakzeptanz zu einem Produkt auch Zielgruppen und Trends analysiert werden, beispielsweise heruntergebrochen auf eine bestimmte Warengruppe oder Region.

Auch die Optimierung der Produkte soll durch die Befragungen der User vorangetrieben werden. Die Fragebögen werden digital verschickt und haben eine Rücklaufquote von bis zu 25 %. „Der direkte Erwerb gekoppelt mit quantitativer- und qualitativer Verbraucherforschung hat uns von der Methode überzeugt“, heißt es aus dem Hause Verpoorten.