Energie farm News

Photovoltaikanlage schützt vor Sonne free

Unter dem Dach der Agrophotovoltaikanlage lassen sich Gemüsearten anbauen, die sonnenempfindlich sind.

Energie zum Kühlen und Verpacken von Brokkoli, Schutz für sonnenempfindliche Kräuter und Strom für sieben Familien – das liefern drei neue Agrophotovoltaik-Anlagen in Chile. Die Anlagen verbinden Solarstrom- und landwirtschaftliche Produktion auf derselben Fläche. 

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) und die  Innovationsgruppe APV-RESOLA haben bereits an einer 194 kWp großen Forschungsanlage am Bodensee nachgewiesen, dass Agrophotovoltaik (APV) die Landnutzungseffizienz um 60% steigern kann.

Im nächsten Schritt geht es darum, die APV-Systemtechnik in Entwicklungs- und Schwellenländern zu etablieren, wo sie ihre Stärken aufgrund der höheren Solareinstrahlung noch besser ausspielen kann

Stephan Schindele, Projektleiter APV am Fraunhofer ISE

Sonnenschutz unter dem PV-Dach

Doppelt ernten: Oben Strom, unten Gemüse free

In einem APV-Pilotprojekt in Kooperation mit Fraunhofer Chile wurden drei APV-Anlagen mit einer Leistung von je 13 Kilowatt in den Gemeinden El Monte, Curacaví und Lampa getestet. In dem Projekt wird untersucht, welche Kulturpflanzen von einer weniger starken Sonneneinstrahlung profitieren.

Die landwirtschaftlichen Betriebe wiesen dabei sehr unterschiedliche Profile auf: Im ersten Fall kam die APV-Anlage in einem landwirtschaftlichen Betrieb zum Einsatz, der mit sehr professionellen Methoden Brokkoli und Blumenkohl anbaut. Der Solarstrom wird in den Veredelungsprozessen wie Reinigung, Verpackung und Kühlung verwendet. Die zweite Pilotanlage wurde in einem Familienbetrieb errichtet, der darunter Kräuter anpflanzt. Im dritten Fall, in einer abgelegenen Region mit schwach entwickelter Infrastruktur und unzuverlässiger Stromversorgung, stellt die APV-Anlage die Stromversorgung für sieben Familien sicher, u.a. auch für einen Inkubator zum Ausbrüten von Hühnereiern.

Die Ergebnisse der landwirtschaftlichen Produktion und der Solarstromerzeugung sind bisher positiv, heißt es seitens des Fraunhofer Instituts. Die drei Pilotanlagen werden weitere drei Jahre lang im Feldbetrieb überwacht. Eine Langzeitplanung in Abstimmung mit den Farmern sieht den Test von verschiedenen Kulturpflanzen vor.

Weniger Wasser und mehr Schatten

Diese ressourceneffiziente Doppelnutzung von landwirtschaftlichen Flächen soll die Flächenkonkurrenz von landwirtschaftlicher Nutzung und Energieversorgung verringern. Bild: ISE

Das Potenzial der APV für die trockenen Regionen von Nord- und Zentralchile wird als sehr groß eingeschätzt. Denn dort leben große Teile der Bevölkerung von der Landwirtschaft, die jedoch von Trockenheit, Wüstenbildung und Wassermangel infolge des Klimawandels besonders stark betroffen ist.

Durch die partielle Verschattung von Ackerflächen senken APV-Anlagen den Bedarf an der wertvollen Ressource Wasser. Auch Fruchtarten, die normalerweise aufgrund des trockenheißen Klimas und der starken Sonneneinstrahlung nicht wachsen würden, können in einem APV-System kultiviert werden. Gleichzeitig kann der produzierte Solarstrom für den Betrieb von Wasserpumpen oder –entsalzungsanlagen genutzt werden.

In netzfernen Regionen bedeuten bereits wenige Solarmodule eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität, Zugang zu Informationen, Bildung und einer besseren medizinischen Versorgung. Durch die APV sollen sich für die Landwirte neue Einkommensquellen ergeben. Zudem soll so die Abhängigkeit der Landbevölkerung von fossilen Energieträgern, wie Diesel für Generatoren, sinken. Der Solarstrom soll für die Kühlung und Weiterverarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte genutzt werden.

Hat dir der Beitrag gefallen?

Alle Meldungen, Beiträge und Reportagen liest du als f3-Mitglied. Jetzt anmelden und alle Vorteile sichern!

Mitglied werden