farm Gründerwerkstatt

„Pitchen ist kein Vergnügen“

Eine Gründerin hält auf der Bühne einen Vortrag und hält dabei ein Mikrofon.
Seine Geschäftsidee vor Investoren und einem Publikum zu präsentieren, braucht Übung. Wir geben Tipps zum Pitchtraining. (Foto: ALDECAstudio/adobe.stock.com)

Die Teilnehmer des Bootcamps von Rentenbank und TechQuartier erhielten in dieser Woche unter anderem ein Pitchtraining. f3 war dabei und gibt euch einige Tipps weiter. Lektion 1: Angst vorm Pitch ist ganz normal.

Auch wenn Schauspielerin und Pitch Trainerin Bianca Praetorius sich vorerst nur via Live-Chat in das Bootcamp der Landwirtschaftlichen Rentenbank und des Frankfurter TechQuartiers einschaltete, so konnten die 13 Start-ups am vergangenen Dienstag in Frankfurt wohl doch einiges mitnehmen. Wieso vorerst? Die Gründerteams, die im Vorfeld des Bootcamps "Innovative Agriculture" aus über 30 Jungunternehmen ausgewählt wurden, erhielten per Video lediglich die theoretische Einführung und einige "Hausaufgaben", die sie für das "echte" Training am heutigen Donnerstag vorbereiten mussten. Dann kommt Bianca Praetorius persönlich zum Bootcamp und schult die Gründer in Sachen Präsentationstechnik, Auftreten, Stimme und Aufbereitung der Slides. Im Folgenden geben wir euch einige Tipps der Trainerin weiter.

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Die Teilnehmer des Bootcamps von Rentenbank und TechQuartier erhielten in dieser Woche unter anderem ein Pitchtraining. f3 war dabei und gibt euch einige Tipps weiter. Lektion 1: Angst vorm Pitch ist ganz normal.

Es ging um Präsentationstechnik, das Auftreten und die Stimme – wer könnte die 13 Start-ups des Bootcamps „Innovative Agriculture“ der Landwirtschaftlichen Rentenbank und des TechQuartiers darin besser schulen als eine Schauspielerin? So verpasste Bianca Praetorius den Gründern am vergangenen Dienstag in Frankfurt ein unterhaltsames Pitchtraining. Im Folgenden geben wir euch einige Tipps weiter.

Was ihr vorher wissen solltet

Bianca Praetorius, Pitch Trainerin (Foto: Breakfast Club)
  • Die Ausgangslage: Zu Beginn stellte die Trainerin einige Dinge klar. Sie sagte: „Pitchen ist kein Vergnügen. Die Situation auf der Bühne ist immer erstmal komisch.“ Davor Angst zu haben, sei ganz normal.
  • Die Gründer müssten sich darüber klar werden, dass eine sogenannte „Emotionsdiskrepanz“ vorliege. „Seid euch bewusst, dass die Zuhörer nicht so tief im Thema hängen, wie ihr. Nobody cares!“ Die Konsequenz daraus müsse sein, seinen Pitch so einfach wie möglich zu gestalten. Erstmal müssten die Zuhörer verstehen, wie das Geschäftsmodell funktioniert. „Sie müssen hinterher aber keine Doktorarbeit darüber verfassen“, so Praetorius. 

Sprecht konkret und präzise

  • Konkrete Sprache: Die Zuhörer sollen die Gründer für „Entrepreneure“ halten, die alles für die Umsetzung ihrer Geschäftsidee tun – und nicht für Start-up-Hipster, die gerade gründen, weil es alle tun. Diesen Eindruck erreicht man am besten über konkrete Sprache ohne Floskeln. Wer nur mit ewig wiederkehrenden Schlagworten um sich schmeiße, werde nicht ernst genommen. 

Ihr könnt nicht annähernd so viel erzählen, wie ihr wollt. Also überlegt euch vorher, was relevant ist.

Bianca Praetorius
  • Das richtige Level an Emotionen finden: Wer selbst zu emotional wird auf der Bühne und seine Idee so wie im amerikanischen Werbefernsehen präsentiert, lässt den Zuschauern keinen Raum, eigene Emotionen zu entwickeln. Das ist allerdings ein schmaler Grat: Die eigene Begeisterung muss schon spürbar sein. Bianca Praetorius: „Weil man seine eigene Story schon 1000 mal erzählt hat, tendiert man dazu, seinen eigenen Job herunter zu reden. Die anderen hören sie aber zum ersten Mal. Ihr dürft also begeistert sein!“ 
  • Präzision: Ein Pitch dauert immer nur ein paar Minuten – zwischen einer und drei Minuten sind üblich. „Ihr könnt also nicht annähernd so viel erzählen, wie ihr wollt“, so die Trainerin. Es gelte also sich kurz zu fassen und sich die Inhalte vorher genau zurecht zu legen.
Das sind die Teilnehmer am Bootcamp für Agrar-Start-ups, das die Rentenbank und das Frankfurter TechQuartier derzeit veranstalten. (Foto: Piepenbrock)

Aufbau einer Pitch-Präsentation

Und so sollte eine Pitch-Präsentation nach Angaben von Bianca Praetorius aussehen:

Teaser Visual

  • Dabei handelt es sich um das Deckblatt der Präsentation, das schon an die Wand geworfen ist, bevor die Zeit gestoppt wird. Es sollte die Kernaussage der Geschäftsidee schon beinhalten. Dann ist das Verständnis im Pitch größer, wenn die Vortragszeit läuft.
Eins, zwo: Risiko

Zeigt eure Lösung

  • Hardware: Habt ihr bereits einen Prototypen entwickelt? Auch, wenn das Produkt noch nicht fertig entwickelt ist, zeigt, was ihr habt! 
  • Software: Handelt es sich bei eurem Produkt um eine App oder eine digitale Anwendung, zeigt ein Video von der Nutzung eures Interface.

Kennt euren Markt

  • Seit konkret und realistisch, wenn ihr Investoren den Markt vorstellt, den ihr für euer Produkt ausgemacht habt. Das heißt: Sucht euch zuerst eine erreichbare Nische des Marktes und zeichnet dann potentielle Entwicklungsmöglichkeiten auf. Der Investor erkennt daran, ob ihr verstanden habt, wie euer Markt funktioniert.

Optisch ansprechend

  • Gestaltet die Präsentation optisch ansprechend. Keine Textwüsten! 

Wie verdient ihr Geld?

  • Wichtiger Aspekt: Es muss deutlich gemacht werden, wie ihr das Geschäftsmodell monetarisiert. Also wo genau werden Einnahmen generiert? 
Die Start-ups erhalten im Bootcamp nicht nur ein Pitchtraining. Rechts im Bild erzählt SportTech-Gründer Alex Pinter etwas über den Markteintritt. (Foto: Piepenbrock)

Was macht die Konkurrenz?

  • Zeigt, dass ihr eure Konkurrenten kennt, sonst wirkt ihr naiv. Macht dabei deutlich, dass ihr deren Geschäftsmodell kennt und begründet, wieso eure Idee besser ist. 

Wohin geht die Reise?

  • Zeigt (kurz) auf, welche Ziele ihr habt. Betont dabei aber vor allem, wo ihr derzeit steht, also wie weit euer Star-up schon entwickelt ist. 

Wenn ihr Elon Musk im Team habt, müsst ihr das im Pitch nutzen!

Bianca Praetorius

Wer seid ihr: Team

  • Einer der wichtigsten Punkte seid ihr, das Gründerteam. Deshalb kommt es fast ganz zum Schluss der Präsentation. Wer seid ihr und warum seid ihr in genau dieser Konstellation gut? Zeigt, welche Kompetenzen eure Mitgründer mitbringen und wieso die ausgerechnet für euren Markt gut sind. Wenn euer Team nicht aus der Branche kommt, muss dieser Slide die relevanten Referenzen zeigen. Am besten auf einen Blick, indem ihr z.B. das Logo der alten Firma/des Verbandes/der Industrie je auf die Personen eines Teamfoto packt.

Was braucht ihr?

  • Am Ende kommt der berühmte „Call to action“. Sagt den Investoren klipp und klar, was ihr derzeit braucht. Übrigens: Wenn ihr derzeit nicht auf der Suche nach Kapital seid, könnt ihr damit die Investoren beeindrucken. Sie sehen dann, dass da schon jemand Vertrauen in euch gesteckt hat.