farm food Story

Reste als Rohstoff

"Bio-Lutions" stellt aus Pflanzenresten selbstbindende Fasern her und produziert daraus Schüsseln und Teller. Auch mit Weinreben-Fasern experimentierte das Start-up. (Foto: Bio-Lutions)

Eine Welt ohne Plastik! Das wünschen sich längst nicht mehr nur Klimaaktivisten, Tier- und Naturschützer. Eduardo Gordillo, Gründer und Geschäftsführer von „Bio-Lutions“, möchte Plastik durch biologisch abbaubare Materialien ersetzen. Das Hamburger Start-up verarbeitet die Fasern von Tomatenpflanzen, Bananenstämmen, Reisstroh und Zuckerrohrblättern zu Lebensmittel-Verpackungen und Einweggeschirr. Dabei ist Bio-lutions nicht festgelegt auf bestimmte Fasern, sondern kann verschiedene Pflanzen zur Herstellung nutzen. „Wir wollen nicht von bestimmten Sorten abhängig sein, sondern das nutzen, was es in dem jeweiligen Land vor Ort gibt“, erklärt Eduardo.

Eduardo Gordillo hat bereits Unternehmer-Erfahrung. "Bio-Lutions" ist ein Spin-Off aus einer anderen Firma. (Foto: Maximilian Probst)

Sein Unternehmen produziert derzeit in Indien. Im Bundesstaat Bangalore bauten die Hamburger mit Hilfe der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) eine Produktionsanlage auf. „Wir mussten zunächst viel testen und lernen. Das ist in Indien günstiger als in Deutschland“, erklärt Eduardo. Neben ökonomischen Faktoren spielte ihm auch eine politische Entscheidung in die Hände: Wie andere indische Bundesstaaten führte auch Bangalore ein Verbot für Einwegplastik ein. Für das Start-up ergab sich ein riesiger Markt, weil ganze Bundesstaaten in Indien plötzlich auf der Suche nach Plastikalternativen waren. Über Distributoren möchte Eduardo seine biologisch abbaubaren Verpackungen und das Geschirr in indische Supermärkte, Kioske und die Gastronomie bringen.

Weitere Erlösmöglichkeiten für Landwirte in Indien

Der Standort Bangalore bringt noch einen Vorteil mit sich: 300.000 ha Agrarland, das in kleinbäuerlichen Strukturen betrieben wird und auf dem viele Reste anfallen. Über eine Nichtregierungsorganisation (NGO) arbeitet Bio-Lutions mit den lokalen Landwirten zusammen. Die Bauern bringen ihre Agrarreste zu einem Sammelcenter der NGO. Dort werden die Pflanzen zunächst gereinigt, getrocknet, geschreddert und dann verpackt. Pro getrockneter Tonne Fasermaterial erhält der Landwirt einen bestimmten Betrag. Eduardo verrät die dahinterstehende Rechnung nicht.

Die indischen Landwirte können über den Verkauf ihrer Agrarreste zusätzlich Geld einnehmen.

Eduardo Gordillo

Aber er sagt: „Es ist eine Win-Win-Situation. Die indischen Landwirte können über den Verkauf ihrer Agrarreste zusätzlich Geld einnehmen und wir können die Rohstoffe für unser Produkt direkt vor Ort beziehen.“ Sobald die Pflanzenreste konserviert in der Produktionsanlage ankommen, werden sie dort zu selbstbindenden Fasern verarbeitet. Dabei werden die Oberflächen der Pflanzenfasern so angeraut, dass sie aneinander haften bleiben, wenn Wasser hinzugegeben wird.

In einem ersten Schritt werden die Fasern gereinigt und getrocknet, bevor es in die Produktion geht. (Grafik: Bio-Lutions)

Maschinen formen aus diesem Faserbrei eine Masse und pressen sie mit Bio-Wärme heiß. „Wir nutzen keinerlei weitere Zusatzstoffe außer Hitze zum Trocknen. Beim Einweggeschirr, das mit Wasser und Öl von Essen in Verbindung kommt, arbeiten wir mit Additiven zur Versiegelung, die in der Papierindustrie gängig sind“, erklärt Eduardo. Nach der Nutzung können die Verpackungen und das Geschirr kompostiert, recycelt oder verbrannt werden. „So wie die Agrarreste entsorgt werden würden, kann man auch die Verpackungen entsorgen. Mit dem Unterschied, dass sie vorher nochmal anstelle von Plastik genutzt wurden“, beschreibt Eduardo den Nachhaltigkeitsgedanken.

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Das Start-up „Bio-Lutions“ verarbeitet, was die Landwirtschaft übrig lässt. Es stellt aus Agrarresten Lebensmittel-Verpackungen und Einweggeschirr her. In Indien sind das Bananenstämme und Zuckerrohrblätter. Ab 2020 möchte Gründer Eduardo Gordillo auch in Deutschland produzieren.

Eine Welt ohne Plastik! Das wünschen sich längst nicht mehr nur Klimaaktivisten, Tier- und Naturschützer. Eduardo Gordillo, Gründer und Geschäftsführer von „Bio-Lutions“, möchte Plastik durch biologisch abbaubare Materialien ersetzen. Das Hamburger Start-up verarbeitet die Fasern von Tomatenpflanzen, Bananenstämmen, Reisstroh und Zuckerrohrblättern zu Lebensmittel-Verpackungen und Einweggeschirr. Dabei ist Bio-lutions nicht festgelegt auf bestimmte Fasern, sondern kann verschiedene Pflanzen zur Herstellung nutzen. „Wir wollen nicht von bestimmten Sorten abhängig sein, sondern das nutzen, was es in dem jeweiligen Land vor Ort gibt“, erklärt Eduardo.

Eduardo Gordillo hat bereits Unternehmer-Erfahrung. „Bio-Lutions“ ist ein Spin-Off aus einer anderen Firma. (Foto: Maximilian Probst)

Sein Unternehmen produziert derzeit in Indien. Im Bundesstaat Bangalore bauten die Hamburger mit Hilfe der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) eine Produktionsanlage auf. „Wir mussten zunächst viel testen und lernen. Das ist in Indien günstiger als in Deutschland“, erklärt Eduardo. Neben ökonomischen Faktoren spielte ihm auch eine politische Entscheidung in die Hände: Wie andere indische Bundesstaaten führte auch Bangalore ein Verbot für Einwegplastik ein. Für das Start-up ergab sich ein riesiger Markt, weil ganze Bundesstaaten in Indien plötzlich auf der Suche nach Plastikalternativen waren. Über Distributoren möchte Eduardo seine biologisch abbaubaren Verpackungen und das Geschirr in indische Supermärkte, Kioske und die Gastronomie bringen.

Weitere Erlösmöglichkeiten für Landwirte in Indien

Der Standort Bangalore bringt noch einen Vorteil mit sich: 300.000 ha Agrarland, das in kleinbäuerlichen Strukturen betrieben wird und auf dem viele Reste anfallen. Über eine Nichtregierungsorganisation (NGO) arbeitet Bio-Lutions mit den lokalen Landwirten zusammen. Die Bauern bringen ihre Agrarreste zu einem Sammelcenter der NGO. Dort werden die Pflanzen zunächst gereinigt, getrocknet, geschreddert und dann verpackt. Pro getrockneter Tonne Fasermaterial erhält der Landwirt einen bestimmten Betrag. Eduardo verrät die dahinterstehende Rechnung nicht.

Die indischen Landwirte können über den Verkauf ihrer Agrarreste zusätzlich Geld einnehmen.

Eduardo Gordillo

Aber er sagt: „Es ist eine Win-Win-Situation. Die indischen Landwirte können über den Verkauf ihrer Agrarreste zusätzlich Geld einnehmen und wir können die Rohstoffe für unser Produkt direkt vor Ort beziehen.“ Sobald die Pflanzenreste konserviert in der Produktionsanlage ankommen, werden sie dort zu selbstbindenden Fasern verarbeitet. Dabei werden die Oberflächen der Pflanzenfasern so angeraut, dass sie aneinander haften bleiben, wenn Wasser hinzugegeben wird.

In einem ersten Schritt werden die Fasern gereinigt und getrocknet, bevor es in die Produktion geht. (Grafik: Bio-Lutions)

Maschinen formen aus diesem Faserbrei eine Masse und pressen sie mit Bio-Wärme heiß. „Wir nutzen keinerlei weitere Zusatzstoffe außer Hitze zum Trocknen. Beim Einweggeschirr, das mit Wasser und Öl von Essen in Verbindung kommt, arbeiten wir mit Additiven zur Versiegelung, die in der Papierindustrie gängig sind“, erklärt Eduardo. Nach der Nutzung können die Verpackungen und das Geschirr kompostiert, recycelt oder verbrannt werden. „So wie die Agrarreste entsorgt werden würden, kann man auch die Verpackungen entsorgen. Mit dem Unterschied, dass sie vorher nochmal anstelle von Plastik genutzt wurden“, beschreibt Eduardo den Nachhaltigkeitsgedanken.

In Indien nutzt „Bio-Lutions“ die Reste der Zuckerrohrblätter. Sie werden in einem Sammelcenter gereinigt, getrocknet und geschreddert. (Foto: Bio-Lutions)

Aufbau in Deutschland

Der gebürtige Kolumbianer ist eigentlich Architekt und Industriedesigner. Er hat das Produktionsverfahren zusammen mit Experten entwickelt und patentieren lassen. Die Idee hatte Eduardo bereits im Jahr 2012. Damals stellte er mit seiner Firma „Upgrading“ Aufsteller für Produkte im LEH her. Die Suche nach nachhaltigen Materialien für die Aufsteller frustrierte den Gründer. „Irgendwann war klar, dass ich selbst nach einer Lösung suchen muss. Da der meiste Müll bei Dingen des alltäglichen Bedarfs anfällt, konzentrierte ich mich darauf“, sagt Eduardo. Also machte er sich an die Arbeit: er recherchierte, sprach mit Experten, entwarf erste Verfahren und durchlief bis 2017 verschiedene Testphasen. Das alles finanzierte er mit Eigenkapital und mithilfe von Familie und Freunden.

Wir können unter anderem mit Hanf, Weizenstroh, Hopfen , Weinschrot und Tomatenpflanzen arbeiten.

Eduardo Gordillo

In Deutschland soll die Serienproduktion im kommenden Jahr beginnen. „In unserem Technikum in Brandenburg testen wir derzeit. Wir können unter anderem mit Hanf, Weizenstroh, Hopfen , Weinschrot und Tomatenpflanzen arbeiten“, erklärt Eduardo. Anders als in Indien soll in Deutschland aber kein Einweggeschirr, sondern Verpackungen für Obst und Gemüse hergestellt werden. Sobald der LEH die Verpackungen freigibt, möchte Bio-Lutions mit den Lieferanten der Supermärkte zusammenarbeiten. Die Gespräche laufen bereits.

Derzeit produziert „Bio-Lutions“ sieben verschiedene Formen. Für den deutschen Markt möchte das Start-up lediglich Lebensmittel-Verpackungen produzieren. (Foto: Bio-Lutions)

Weitere Produktionsanlagen in der Planung

Eduardo gibt ein Beispiel für eine solche Zusammenarbeit: „Wir könnten mit einem großen Gewächshaus-Betreiber zusammenarbeiten. Wir bekommen die Reste der Tomatenpflanze, für dessen Entsorgung sowieso gezahlt werden müsste. Der Gewächshaus-Betreiber bekommt von uns die Verpackung für das Gemüse oder Obst zu einem guten Preis zurück“.

In Deutschland sollen die Lieferanten die Agrarreste einmal im Jahr gehäckselt liefern. Bio-Lutions übernimmt die Konservierung, bevor es in die Produktionsanlage geht. „Wir suchen derzeit noch nach Trocknungskapazitäten, weil wir unsere Produkte nachhaltig trocknen wollen“, so Gordillo. Geplant ist eine Produktion von 3.500 bis 4.000 Tonnen getrocknete Fasern pro Jahr.

Die Produktionsanlage im indischen Bangalore wurde 2018 fertig gestellt. (Foto: Bio-Lutions)

Kapital für den Aufbau der Produktionsanlage in Deutschland erhielt das Start-up im Mai 2019. Die Betreiber der Online-Bestellplattform für Essen „Delivery Hero“ und die KfW-Tochter DEG investierten 8,3 Mio. € in Bio-Lutions. Neben dem Standort in Deutschland soll auch in Thailand eine Produktionsanlage entstehen und die Anlage in Indien erweitert werden. „Wir denken global. Nur so können wir eine Welt ohne Plastik schaffen“, ist sich Eduardo sicher.


  Agrarreste

Agrarreste sind Materialien, die in der Regel auf dem Feld übrig bleiben und nirgendwo anders – wie etwa für die Tierfütterung oder als Einstreu – Anwendung finden. Mais kommt nach Angaben von Bio-Lutions demnach als Rohstoff nicht in Frage, weil es als Futtermittel und Nahrungsmittel verwendet wird. Wichtig ist: Die Pflanzen müssen noch frisch sein. Der Verrottungsprozess darf noch nicht angefangen haben.