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Scheunengespräch: Innovation braucht Zusammenarbeit free

Nur im Austausch zwischen Gründern und Landwirten können Innovationen entstehen. Darum ging es beim ersten, digitalen f3-Scheunengespräch. (Foto: stock.adobe.com/cherryandbees)

Eine Idee, die ein Problem löst, Knowhow und Kapital: Wer eine agrar- oder biotechnologische Innovation auf den Markt bringen möchte, muss viele Hebel in Bewegung setzen. Auf dem ersten digitalen Scheunengespräch von f3 zeigte sich einer der Wichtigsten: die Zusammenarbeit von Start-ups mit Landwirten.

„Pitche deine Idee nicht vor deiner Mutter“, riet SeedForward-Gründer Jacob Bussmann gestern beim f3-Webinar „Ein Blick auf Zukunfts-Felder“. „Sie würde dir immer sagen, dass alles gut ist.“ Vielmehr müssten Agrar-Gründer ihre Kritiker überzeugen. Und wer könnte kritischer an eine Idee herangehen, als Landwirte, die sie kaufen und anwenden sollen?

Innovation kann nur von Vielen entwickelt und auf die Praxis zugeschnitten werden. Dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch alle drei Kurzvorträge des ersten digitalen Scheunengesprächs von f3 am gestrigen Donnerstag Abend, das in Kooperation mit SKW Piesteritz in Webinarform stattfand. Knapp 100 Teilnehmer fanden trotz strahlendem Sonnenschein in der analogen Welt den Weg ins Digitale.

Digitalisierung fordert Betriebsleitern einiges ab

Landwirt Philip Schrieber berichtete über den Umgang mit digitalen Innovationen in der Praxis. (Foto: Rüweling)

Dass es dort auch mal ruckelt und hakt, zeigten nicht nur kleine technische Hürden zu Beginn des Webinars, sondern auch der erste Vortrag von Junglandwirt und Ackerbauberater Philip Schrieber. Der 22-Jährige führt einen konventionellen Ackerbaubetrieb mit 1200 ha im niedersächsischen Wolfenbüttel und setzt dort auf digitale Technologien von automatischen Lenksystemen über eine digitale Ackerschlagkartei bis hin zu Applikationskarten zur teilflächenspezifischen Ausbringung von Saatgut, Dünge- und Pflanzenschutzmitteln.

Es ist schon sehr zeitaufwändig, die verschiedenen Anwendungen auf dem eigenen Betrieb zu implementieren.

Philip Schrieber, Landwirt

Der Weg dahin verlief aber nicht ausschließlich glatt, berichtete der IT-affine Agrarbetriebswirt. „Es ist schon sehr zeitaufwändig, die verschiedenen Anwendungen auf dem eigenen Betrieb zu implementieren. Die vielen Testläufe fordern dem Betriebsleiter sehr viel Eigenmotivation ab.“ Dazu kommen Schnittstellenproblematiken und Softwarefehler, die in vielen Telefonaten mit den Anbietern behoben werden mussten. Der Landwirt behielt die Kosten, die er auf seinem Betrieb für digitale Projekte hat, zwar für sich – bekräftigte aber, dass die Einsparungen an Betriebsmitteln seine Ausgaben rechtfertigten. Philip verneinte auch eine Zuhörerfrage, ob sich Digitalisierung nur für so große Betriebe lohne. „Da muss jeder selbst rechnen, aber für mich überwiegen die Vorteile.“ Der Ackerbauer fuhr fort: „Durch die Digitalisierung in der Landwirtschaft wird die Lebensmittelproduktion sowohl unter ökonomischen Gesichtspunkten, als auch unter ökologischen verbessert.“

Start-ups suchen Nähe zur Praxis

Dass der Praktiker von vielen Feedbackrunden mit den Software-Entwicklern sprach, entlockte den beiden Start-up-Gründern in der digitalen Runde ein wissendes Lächeln, das sogar über die Webcams sichtbar wurde. Sowohl Jacob Bussmann, Mitgründer des Biotechnologie-Start-ups „SeedForward“ als auch Dominic Roth, Geschäftsführer bei „Stenon“ sagten: „Ohne die Zusammenarbeit mit den Landwirten geht es nicht.“

Dominic, der ein sensorbasiertes Messgerät für Bodenanalysen auf den Markt gebracht hat, gab neben technologischen Einblicken auch Einsichten in die Rahmenbedingungen, unter denen AgTech-Gründer hierzulande agieren. Er erklärte, wie es Stenon möglich war, vom kleinen Start-up zum mittlerweile gut 30-köpfigen Technologieunternehmen heranzuwachsen. Pilotbetriebe in ganz Deutschland und Versuchsflächen nehmen in dieser Geschichte einen wichtigen Platz ein.

Man merkt, dass die Fonds sich dem AgTech-Bereich öffnen.

Dominic Roth, Stenon

Das Finanzierungskonzept des Start-ups steht auf mehreren Säulen. „Mit den ersten 20.000 € aus dem Climate-KIC-Accelerator konnten wir Prototypen bauen“, erinnert sich der Gründer. Zusammen mit Fördermitteln, Wagniskapital und eigenen Umsätzen, gelang den Potsdamern dann Wachstum. „Man merkt, dass die Fonds sich dem AgTech-Bereich öffnen“, sagte Dominic. Das sei ein gutes Zeichen für junge Unternehmen, die in diesem Bereich aktiv werden wollen.

Pflanzen stärker machen

Jan Ritter (links) und Jacob P. Bussmann gründeten das Start-up „SeedForward“. Nach einer ökologischen Saatgutbeschichtung entwickeln sie aktuell biologische Düngemittel. (Foto: Drießen)

Ebenfalls den Boden im Blick hat das Team von SeedForward, dessen Gründer Jacob den dritten Vortrag hielt. Das Start-up aus Osnabrück entwickelt alternative Saatgutbeizen, Biostimulanzien und biobasierten Pflanzenschutz. In Zusammenarbeit mit großen Saatguthändlern wie L. Stroetmann kommt eine ökologische Maisbeize des Start-ups in diesem Jahr bereits auf rund 90.000 ha landwirtschaftlicher Fläche zum Einsatz.

Ohne die Zusammenarbeit mit den Landwirten geht es nicht.

Jacob P. Bussmann

Jacob informierte nicht nur über seine Gründungsgeschichte, sondern zeichnete die Herausforderungen der Landwirtschaft vor dem Hintergrund des Klimawandels auf. So begründete er auch seine Vision und die seines Mitgründers, Jan Ritter, von einer regenerativen und nachhaltigen Landwirtschaft. „Wir benötigen nicht nur Alternativen für den Acker, weil die EU immer mehr chemische Mittel verbietet. Wir müssen auch Lösungen gegen den Klimawandel mit seine Wetterextreme finden“, so der Forstwissenschaftler. Er arbeite daher an Lösungen, die Erträge sichern und Pflanzen resilienter gegen Krankheiten und Wetterextreme macht.

Nur mit Netzwerk zum Erfolg

Konkrete Anknüpfungspunkte liefert das f3-Netzwerk, auf das Redaktionsleiterin Eva Piepenbrock am Ende des Webinars noch verwies. Dort suchen Start-up-Gründer und Landwirte mit innovativen Konzepten in mittlweile 85 Gesuchen Kooperationspartner jeder Art. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Webinars werden ausgewählte Gesuche im Nachgang noch zugesendet. Alle anderen Interessierten können sich hier selbst durch das Netzwerk klicken.

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