farm Perspektivwechsel

Schlachterei auf Rädern

Schlachten ganz ohne Transport-Stress: Christian Dodenhoff möchte es möglich machen. Sein Konzept der mobilen Schlachtung bietet sich z.B für Legehennenhalter kleinerer Bestände an. (Foto: Waterloh)

Christian Dodenhoff aus Niedersachsen betreibt eine mobile Schlachterei für Geflügel. Mit einem vollständig ausgerüsteten Anhänger fährt er zu seinen Kunden auf den Hof. Das Interesse daran wächst beständig.

Dieser Artikel ist zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben (7/2020) erschienen.

Es ist noch dunkel, als Christian Dodenhoff in seinem Van mit dem Schlachtanhänger an diesem Samstag auf dem Betrieb von Maria Meyer-Südbeck vorfährt. Der Hof liegt am Ortseingang von Friesoythe. 700 Legehennen leben hier in zwei Mobilställen. Christian soll heute 300 davon schlachten. 250 Suppenhennen sind vorbestellt.

Das Interesse an meinem Schlachtanhänger ist groß.

Christian Dodenhoff

Schlachtermeister Christian Dodenhoff hatte selbst schon immer eigenes Geflügel geschlachtet, als ihm vor drei Jahren die Idee mit der mobilen Schlachterei kam. „Der Schlachtraum war schnell entworfen“, sagt der 44-Jährige. Bis jedoch alle Details mit den zuständigen Ämtern geklärt und der Anhänger fertiggestellt war, gingen zwei Jahre ins Land. Im Oktober 2018 fiel dann der Startschuss für die neue Geschäftsidee. Für Christian ist das mobile Schlachten inzwischen zum Vollerwerb geworden. „Meine Idee kam so gut an, dass immer mehr Landwirte anfragen, ob wir Zeit für sie haben“, sagt er. Viele rufen sogar jetzt schon an, um einen Termin vor Weihnachten zu reservieren. Gerade dann ist Christian heiß begehrt. Sogar bis kurz vor München ist der Schlachter schon gefahren. Dann startet er auch schon mal mitten in der Nacht. Für die Anfahrt berechnet Christian 1 € pro km, hinzu kommt eine Schlachtpauschale von 3 € pro Tier.

Ruhig und ohne Transportstress

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Christian Dodenhoff aus Niedersachsen betreibt eine mobile Schlachterei für Geflügel. Mit einem vollständig ausgerüsteten Anhänger fährt er zu seinen Kunden auf den Hof. Das Interesse daran wächst beständig.

Dieser Artikel ist zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben (7/2020) erschienen.

Es ist noch dunkel, als Christian Dodenhoff in seinem Van mit dem Schlachtanhänger an diesem Samstag auf dem Betrieb von Maria Meyer-Südbeck vorfährt. Der Hof liegt am Ortseingang von Friesoythe. 700 Legehennen leben hier in zwei Mobilställen. Christian soll heute 300 davon schlachten. 250 Suppenhennen sind vorbestellt.

Das Interesse an meinem Schlachtanhänger ist groß.

Christian Dodenhoff

Schlachtermeister Christian Dodenhoff hatte selbst schon immer eigenes Geflügel geschlachtet, als ihm vor drei Jahren die Idee mit der mobilen Schlachterei kam. „Der Schlachtraum war schnell entworfen“, sagt der 44-Jährige. Bis jedoch alle Details mit den zuständigen Ämtern geklärt und der Anhänger fertiggestellt war, gingen zwei Jahre ins Land. Im Oktober 2018 fiel dann der Startschuss für die neue Geschäftsidee. Für Christian ist das mobile Schlachten inzwischen zum Vollerwerb geworden. „Meine Idee kam so gut an, dass immer mehr Landwirte anfragen, ob wir Zeit für sie haben“, sagt er. Viele rufen sogar jetzt schon an, um einen Termin vor Weihnachten zu reservieren. Gerade dann ist Christian heiß begehrt. Sogar bis kurz vor München ist der Schlachter schon gefahren. Dann startet er auch schon mal mitten in der Nacht. Für die Anfahrt berechnet Christian 1 € pro km, hinzu kommt eine Schlachtpauschale von 3 € pro Tier.

Ruhig und ohne Transportstress

Vor Ort benötigt Christian lediglich einen Kraftstromanschluss und Wasser. Sobald alle Vorbereitungen getroffen sind, kann es losgehen. Nach und nach entnimmt Maria Meyer-Südbeck ein Huhn aus der Transportkiste. Die Tiere sind ruhig und noch schlagen sie mit den Flügeln. Nachdem die Besitzerin ein Huhn an Christian weitergereicht hat, presst dieser den Kopf des Tieres für 6 Sek. in die elektrische Betäubungseinrichtung. Sie wird mit 580 Volt gespeist. „Innerhalb der nächsten 14 Sekunden muss der Halsschnitt erfolgen“, erklärt Christian. Immer acht Hennen bluten schließlich aus. Auch hierbei ist die Zeitdauer mit mindestens 90 Sek. genau definiert. Nach dem kurzen Brühen bei 62 °C und dem anschließenden Rupfen landen die Schlachtkörper auf dem Tisch von Christians Ehefrau Sabine.

Das Huhn sieht frisch aus, ohne Verfärbungen unter der Haut.

Christian Dodenhoff

„Der Tisch dient auch als Trennung zwischen dem unreinen und reinen Bereich im Anhänger“, erklärt Christian. Auf dem Tisch werden Kopf und Füße abgetrennt, die Schlachtkörper eröffnet und ausgenommen. Danach gelangen die toten Tiere ins Wasserbad. Dass die Schlachtung ruhig und ohne den Stress eines Transportes abläuft, zeigt sich Christian zufolge auch am Fleisch. Er sagt: „Das Huhn sieht frisch aus, ohne Verfärbungen unter der Haut.“

Zusammenarbeit mit Veterinäramt

Für die 300 Hennen von Maria Meyer-Südbeck braucht Christian fünf Stunden. Darin enthalten ist auch die Zeit für die Reinigung und Desinfektion des Anhängers. Das Abwasser darf in die Kanalisation geleitet werden, etwa 2 bis 3 m³ fallen heute an. Möglich macht die mobile Schlachterei eine Regelung, nach der jeder Landwirt auf seinem Betrieb im Jahr bis zu 10.000 Stück Geflügel schlachten darf. Die für das Schlachten notwendigen Vorgaben und Nachweise übernimmt Christian, dafür schließt er vorab einen Vertrag mit dem Geflügelhalter ab.

Die Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt gestaltet sich Christian zufolge mittlerweile „tiefenentspannt“. Anfangs überprüften Veterinäre in 70 % der Fälle die Schlachtung. Doch inzwischen kennen die Kontrolleure seine Arbeitsweise. Der jeweilige Betrieb informiert das Veterinäramt eine Woche vor dem geplanten Schlachttermin.

Schlachten vor Ort als Verkaufsargument

„Das Interesse an meinem Schlachtanhänger ist groß“, sagt Christian. Vergangene Woche hat er den Auftrag erhalten, einen weiteren Anhänger für die Aktionsgruppe „Echt Hessisch“ zu bauen. Christian hat viel Aufwand in die korrekte Ausgestaltung des Schlachtvertrages investiert. Dieser ist Bestandteil der Kosten von etwa 50.000 € für den Schlachtanhänger. Gewährleistet ist somit, dass ein Neueinsteiger sofort mit dem Betrieb starten kann. „Das ist ein fertiges Unternehmen“, sagt Christian.

Für Maria Meyer-Südbeck, die alle Eier ihrer Hennen direkt vermarktet, ist das Schlachten vor Ort auch ein Marketinginstrument. Viele Kunden holen den Schlachtkörper noch am Tag des Schlachtens ab. 7 € berechnet sie pro Huhn. Auch während des Schlachtens fahren Kunden auf dem Hof vor, um sich noch ein Huhn zu sichern. Sollten am Ende des Tages Hühner im Kühlraum verbleiben, so friert sie diese ein. Maria ist sich sicher: „Auch in ein paar Tagen kommen noch Kunden und fragen nach einem Suppenhuhn.“