farm Wunschkonzert

Schweinemast mal anders

Rainer Ahmann strukturiert seinen Betrieb mit Schweinemast aktuell zu dem Haltungssystem Pigport um, ähnlich wie auf dem Bild. Im „Wunschkonzert“ spricht er über seine Pläne. (Foto: Arden)

Der Münsterländer Rainer Ahmann übernahm den elterlichen Betrieb mit Schweinemast und Ackerbau schon in jungen Jahren. Er möchte ihn nun für die Zukunft aufstellen. Dafür betritt er mit seinen Schweinen auch unkonventionelle Wege.

„Fest eingebunden in meinen Hof war ich schon zum Abschluss meiner Schulzeit. Damals erlitt mein Vater einen Unfall und konnte nicht mehr mit anpacken. Von da an war ich gefragt. Von dem Betrieb mit 800 Mastschweinen und 80 ha Ackerbau konnten wir immer gut leben. Aber jetzt, da meine Frau und ich selbst kleine Kinder haben, möchte ich meinen Hof auch zukunftsorientiert aufstellen.

Rainer Ahmann, 43 Jahre aus Billerbeck in Nordrhein-Westfalen. (Foto: Dicks)

Das Problem mit meinen Schweineställen ist vor allem eins: Sie sind alt. Hinzu kommt ein gesellschaftlicher Trend, den ich nicht abwehren kann, sondern als Chance sehen möchte: Die Debatte ums Tierwohl.

Eine Nische ist gefragt

Für meinen Hof suchte ich etwas, das diesen Wandel befriedigen kann. Aktuell würde ich mich schon als Vorreiter bezeichnen. Ich baue derzeit einen Schweinemaststall mit 1100 Plätzen nach dem Prinzip „Pigport“. Bei diesem in Süddeutschland entwickelten Stallbausystem gibt es einen Auslauf, große Liegeflächen und Stroheinstreu. Schon seit ein paar Jahren bin ich gepackt von dieser Idee. Mit dem Konzept möchte ich das Familieneinkommen langfristig durch eine höhere Wertschöpfung sichern. Dies stieß anfangs noch auf kritische Stimmen von Beratern und Berufskollegen. Sie rieten mir eher zur Schweinemast im 3000er-Stall. Das wollte ich aber nicht. Ich dachte mir, es muss doch auch irgendwie anders gehen.

Aktuell würde ich mich schon als Vorreiter bezeichnen.

Rainer Ahmann

Informationen zu dem System bekomme ich vor allem von meinem Berater und Entwickler von Pigport, Rudolf Wiedmann. In Bayern und Baden-Württemberg habe ich mir einige Ställe angeschaut. Dort sind sie schon am Markt etabliert. Ich selbst bin Mitglied im Verein offenstall.com, aus dem ich ebenfalls viel Know-how sammle. Aktuell ist das Interesse meiner Berufskollegen, aber auch im Bekanntenkreis sehr groß. Das gibt mir die Bestätigung, den richtigen Weg beschritten zu haben.

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Der Münsterländer Rainer Ahmann übernahm den elterlichen Betrieb mit Schweinemast und Ackerbau schon in jungen Jahren. Er möchte ihn nun für die Zukunft aufstellen. Dafür betritt er mit seinen Schweinen auch unkonventionelle Wege.

„Fest eingebunden in meinen Hof war ich schon zum Abschluss meiner Schulzeit. Damals erlitt mein Vater einen Unfall und konnte nicht mehr mit anpacken. Von da an war ich gefragt. Von dem Betrieb mit 800 Mastschweinen und 80 ha Ackerbau konnten wir immer gut leben. Aber jetzt, da meine Frau und ich selbst kleine Kinder haben, möchte ich meinen Hof auch zukunftsorientiert aufstellen.

Rainer Ahmann, 43 Jahre aus Billerbeck in Nordrhein-Westfalen. (Foto: Dicks)

Das Problem mit meinen Schweineställen ist vor allem eins: Sie sind alt. Hinzu kommt ein gesellschaftlicher Trend, den ich nicht abwehren kann, sondern als Chance sehen möchte: Die Debatte ums Tierwohl.

Eine Nische ist gefragt

Für meinen Hof suchte ich etwas, das diesen Wandel befriedigen kann. Aktuell würde ich mich schon als Vorreiter bezeichnen. Ich baue derzeit einen Schweinemaststall mit 1100 Plätzen nach dem Prinzip „Pigport“. Bei diesem in Süddeutschland entwickelten Stallbausystem gibt es einen Auslauf, große Liegeflächen und Stroheinstreu. Schon seit ein paar Jahren bin ich gepackt von dieser Idee. Mit dem Konzept möchte ich das Familieneinkommen langfristig durch eine höhere Wertschöpfung sichern. Dies stieß anfangs noch auf kritische Stimmen von Beratern und Berufskollegen. Sie rieten mir eher zur Schweinemast im 3000er-Stall. Das wollte ich aber nicht. Ich dachte mir, es muss doch auch irgendwie anders gehen.

Aktuell würde ich mich schon als Vorreiter bezeichnen.

Rainer Ahmann

Informationen zu dem System bekomme ich vor allem von meinem Berater und Entwickler von Pigport, Rudolf Wiedmann. In Bayern und Baden-Württemberg habe ich mir einige Ställe angeschaut. Dort sind sie schon am Markt etabliert. Ich selbst bin Mitglied im Verein offenstall.com, aus dem ich ebenfalls viel Know-how sammle. Aktuell ist das Interesse meiner Berufskollegen, aber auch im Bekanntenkreis sehr groß. Das gibt mir die Bestätigung, den richtigen Weg beschritten zu haben.

Verbindliche Verträge über den Vermarktungsweg habe ich noch nicht unterzeichnet. Der Markt ist für unser Produkt gut. Die einzelnen Schlachthöfe und der LEH bieten verschiedene Konzepte an, um Schweine aus Außenklimaställen abzunehmen.

Stroheinstreu, ein Auslauf und natürliche Belüftung zeichnen das Haltungssystem Pigport aus. (Foto: Arden)

Drei Fliegen mit einer Klatsche

Aktuell steht erstmal der Bau des Stalles im Vordergrund. Laut meiner Genehmigung muss ich die Offenseite aus seuchenhygienischen Gründen einzäunen. Meine Gedanken gehen dahin, den Zaun mit einer senkrechten PV-Anlage auszustatten. Ich schlage damit drei Fliegen mit einer Klatsche. Neben dem Zaun könnte ich Strom produzieren und hätte des weiteren einen Windschutz für die Offenseite der Stallanlage. Aber es sind noch baurechtliche Fragen dahingehend zu prüfen. Mal gucken, was es wird.

Aber man darf ja schonmal träumen und vorrausblicken.

Rainer Ahmann

Wie geht´s weiter?

Demnächst strukturiere ich einen alten Stall ebenfalls zum Pigport-System um. Die restlichen Schweineställe baue ich erstmal zurück. Über anschließende Nutzungen muss ich mir noch klar werden. Vielleicht spielt das geänderte Verbraucherverhalten eine größere Rolle als bisher angenommen. Vielleicht werden Aquakulturen interessant… wer weiß? Aber erstmal einen Schritt nach dem anderen. Die Vermarktung der Schweine und das Kennenlernen der Pigport-Mast nehmen künftig viel Raum ein. Aber man darf ja schonmal träumen und vorausblicken.

Die Rahmenbedingungen werden sich in der kommenden Zeit sehr stark verändern. Tierwohl und folglich ein verändertes Verbraucherverhalten gewinnen an Wichtigkeit. Wir Landwirte können den Wandel annehmen und selbst mitgestalten. Jeder ist dabei gefragt, für seinen Hof den richtigen Weg zu finden.“


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