Gründerwerkstatt Story

So wird ein Schuh draus

Der gelernte Zimmermann Hendrik Kaltwasser musste sich das ganze Wissen über die Herstellung, den Vertrieb und das Marketing von Schuhen aneignen. (Foto: hennis-shoes)

Eine Sohle aus Autoreifen, Kuhhäute als Obermaterial und eine Schusterei in Portugal - fertig ist der hennis-shoe. Bei der Fertigung geht der Gründer Hendrik Kaltwasser unkonventionelle Wege.

Einst galt die beschauliche Kleinstadt Pirmasens in Rheinland-Pfalz als die Metropole des Schusterhandwerks Europas. Kleine Schuhbetriebe und -werkstätten prägten die Stadt und das Umland. Heute gehört Pirmasens zu den strukturschwächeren Regionen Deutschlands. Die Produktion ist abgewandert, das traditionsreiche Handwerk und die Schuster sind nicht nur in Pirmasens, sondern nahezu in ganz Europa verschwunden. Hendrik Kaltwasser möchte sich diesem Trend widersetzen und mit Schuhen „Made in Europe“ das Handwerk ein Stück weit zurückbringen.

Neu in einer fremden Branche

Unter den Schustern ist Hendrik (22) ein Quereinsteiger: „Als mir der Gedanke mit den Schuhen kam und ich das erste Mal den Kontakt zu einer Gerberei suchte, hatte ich von dem Ganzen absolut keine Ahnung“, erinnert sich der gelernte Zimmermann. „Ich fühlte mich wie ein Blinder, der über Farben redet.“ Trotz mangelnder Erfahrung war er von seiner Idee überzeugt. Hendrik, selbst Träger seiner eigenen Schuhe und ein modebewusster Typ schmiss sein Studium der Bauwirtschaft Anfang 2018 hin und setzte nun alles auf sein Start-up „Hennis-shoes“.

Ich fing quasi bei null an.

Hendrik Kaltwasser, Gründer aus Idstein in Südhessen

Einzig seine Vorliebe für Schuhe und Mode treiben ihn bis heute an, sowie der Wille, etwas Eigenes zu schaffen. Von den ersten Planungen bis zum Verkauf vergingen mehr als zwei Jahre. In dieser Zeit konnte er nur auf wenige Erfahrungen aus seiner Zimmererausbildung sowie seinem abgebrochenen Studium bauen: „Ich fing quasi bei null an.“ Hendrik schustert oder gerbt daher auch nicht selbst, sondern arbeitet mit Partnern aus der europäischen Schuhbranche zusammen. Einzig Marketing und Design erledigt er selbst.

Im Gespräch mit f3 erläutert Hendrik Pläne, wie er in Zukunft besser nachweisen kann, von welchen Höfen die Kuhhäute für seine Schuhe stammen. (Foto: Schildmann)

Leder von süddeutschen Kühen

Für die Produktion der Schuhe bezieht der Gründer Kuhleder von Rindern aus Süddeutschland. Von welchen Höfen genau die Tiere stammen, kann Hendrik derzeit noch nicht sagen. Die Gerberei, mit der er zusammenarbeitet, hat ihren Standort in der Nähe von Regensburg und bezieht das Leder von verschiedenen Schlachthöfen aus Süddeutschland. Für die Zukunft arbeitet er aber daran nachzuweisen, von welchen Betrieben das Leder kommt. Möglich wäre für ihn ein Direktbezug von Landwirten oder kleineren Metzgern mit Haus- oder Weideschlachtung.

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Eine Sohle aus Autoreifen, Kuhhäute als Obermaterial und eine Schusterei in Portugal – fertig ist der hennis-shoe. Bei der Fertigung geht der Gründer Hendrik Kaltwasser unkonventionelle Wege.

Einst galt die beschauliche Kleinstadt Pirmasens in Rheinland-Pfalz als die Metropole des Schusterhandwerks Europas. Kleine Schuhbetriebe und -werkstätten prägten die Stadt und das Umland. Heute gehört Pirmasens zu den strukturschwächeren Regionen Deutschlands. Die Produktion ist abgewandert, das traditionsreiche Handwerk und die Schuster sind nicht nur in Pirmasens, sondern nahezu in ganz Europa verschwunden. Hendrik Kaltwasser möchte sich diesem Trend widersetzen und mit Schuhen „Made in Europe“ das Handwerk ein Stück weit zurückbringen.

Neu in einer fremden Branche

Unter den Schustern ist Hendrik (22) ein Quereinsteiger: „Als mir der Gedanke mit den Schuhen kam und ich das erste Mal den Kontakt zu einer Gerberei suchte, hatte ich von dem Ganzen absolut keine Ahnung“, erinnert sich der gelernte Zimmermann. „Ich fühlte mich wie ein Blinder, der über Farben redet.“ Trotz mangelnder Erfahrung war er von seiner Idee überzeugt. Hendrik, selbst Träger seiner eigenen Schuhe und ein modebewusster Typ schmiss sein Studium der Bauwirtschaft Anfang 2018 hin und setzte nun alles auf sein Start-up „Hennis-shoes“.

Ich fing quasi bei null an.

Hendrik Kaltwasser, Gründer aus Idstein in Südhessen

Einzig seine Vorliebe für Schuhe und Mode treiben ihn bis heute an, sowie der Wille, etwas Eigenes zu schaffen. Von den ersten Planungen bis zum Verkauf vergingen mehr als zwei Jahre. In dieser Zeit konnte er nur auf wenige Erfahrungen aus seiner Zimmererausbildung sowie seinem abgebrochenen Studium bauen: „Ich fing quasi bei null an.“ Hendrik schustert oder gerbt daher auch nicht selbst, sondern arbeitet mit Partnern aus der europäischen Schuhbranche zusammen. Einzig Marketing und Design erledigt er selbst.

Im Gespräch mit f3 erläutert Hendrik Pläne, wie er in Zukunft besser nachweisen kann, von welchen Höfen die Kuhhäute für seine Schuhe stammen. (Foto: Schildmann)

Leder von süddeutschen Kühen

Für die Produktion der Schuhe bezieht der Gründer Kuhleder von Rindern aus Süddeutschland. Von welchen Höfen genau die Tiere stammen, kann Hendrik derzeit noch nicht sagen. Die Gerberei, mit der er zusammenarbeitet, hat ihren Standort in der Nähe von Regensburg und bezieht das Leder von verschiedenen Schlachthöfen aus Süddeutschland. Für die Zukunft arbeitet er aber daran nachzuweisen, von welchen Betrieben das Leder kommt. Möglich wäre für ihn ein Direktbezug von Landwirten oder kleineren Metzgern mit Haus- oder Weideschlachtung.

Die individuelle Note des Leders macht für den Gründer den besonderen Reiz des Naturproduktes aus. „Narben von Hornstößen, Insektenstichen oder Drahtverletzungen zeugen von den guten Haltungsbedingungen der Rinder auf süddeutschen Weiden und heben uns obendrein vom klassischen Massenschuh ab“, ist Hendrik überzeugt.

Sohle und Produktion in Südeuropa

Neben dem Kuhleder braucht ein hennis-shoe auch eine Sohle. Für diese verwendet der Gründer bei der Produktion aussortierte Reifen aus Südeuropa, die vor allem Mängel an der Karkasse aufweisen. Das Kuhleder und die Sohle schickt Hendrik zu einer Produktionsstätte in Portugal. Ein Agent übernimmt hierbei eine Schlüsselfunktion. Denn er hat Kontakte zu Produktionsfirmen dort. Zukünftig möchte Hendrik die Schuhe aber in Deutschland produzieren.

Es benötigt einige Arbeitsschritte bis zum fertigen Schuh. In der Zukunft möchte Hendrik neue Modelle entwerfen. (Fotos: hennis-shoes)

Das Schuhpaar für 360 €

Der fertige Schuh gelangt aktuell von Portugal nach Frankfurt. Hier sitzt das Logistikunternehmen „Lufa Pack“. Der Dienstleister übernimmt Lager und Versand. Damit der Verkauf der bereits 500 produzierten Schuhpaare funktioniert, muss das Marketing stimmen. Dies erledigt Hendrik komplett in eigener Hand, seine Schwester, die Medien- und Kommunikations-management studiert, unterstützt. Er setzt vor allem auf Mund-zu-Mund-Marketing, präsentiert sein Produkt auf der Website und in einem Werbevideo, nutzt soziale Medien und arbeitet mit Influencern zusammen: „Ich fahre ein defensives, low-cost Marketing. Teure Werbekampagnen bringen meiner Ansicht nach nicht den gewünschten Erfolg für mein spezielles Produkt.“

Leute, die ein Interesse an einem hennis haben, können ein Schuhpaar mit Listenpreisen zwischen 360 € und 380 € über die Firmenwebsite erwerben. Ob langfristig auch ein stationärer Kauf, wie etwa in einem Schuhladen möglich ist, behält sich Hendrik noch offen. Im Online-Shop bietet er je drei Frauen- und Herren-Modelle an. Verkaufsstart war Anfang Februar. Bis Mitte März konnte er zehn Paar Schuhe absetzen.

Ich fahre ein defensives, low-cost Marketing.

Hendrik Kaltwasser nutzt Social-Media-Kanäle

Hennis-lederwaren

Um die festen Kosten zu decken, muss der Gründer monatlich mindestens vier Paar Schuhe verkaufen. Als Fixkosten stehen an: Ein aufgenommener Kredit im niedrigen fünfstelligen Bereich, die Website einschließlich Online-Shop und den Kosten für das Logistikunternehmen. Langfristig möchte Hendrik aber deutlich mehr Schuhe verkaufen und jährlich neue Modelle auf den Markt bringen. Auch eine Erweiterung der Produktpalette ist angedacht. Hendrik tüftelt mit Partnern an Plänen für hennis-lederwaren wie beispielsweise Gürtel oder Lederjacken. Man darf gespannt sein, ob ein „Schuh draus wird“.