farm future Interview

Gesprüht, nicht gerührt

Simon, Till und Max sind die Gründer von „SprayPatternator“. Das Start-up entwickelt ein Messgerät für Spritzgeräte aus Landwirtschaft und Industrie. (Foto: SprayPatternator)

Beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln dreht sich alles um Präzision. Düsenverschleiß und Wind beeinflussen die Genauigkeit jedoch. Ein junges Start-up aus Darmstadt kann Sprühanwendungen messen – und sucht Partner aus der Landtechnik.

f3 - farm.food.future: SprayPatternator entwickelt ein mobiles Messgerät für industrielle Sprühprozesse – was heißt das? Und wo ist der Bezug zur Landwirtschaft?

Simon Schild: In nahezu allen Industriezweigen werden Sprays für die unterschiedlichsten Anwendungen eingesetzt. Die bekanntesten Sprühanwendungen in der Landwirtschaft ist die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln und Flüssigdüngern. In anderen Industrien sind es fein dosierte Kraftstoffeinspritzungen in Verbrennungsmotoren oder die Kühlung der Werkzeuge in der stahlerzeugenden Industrie. In allen Fällen beeinflusst die flächenbezogene Verteilung der versprühten Medien die Qualität des Gesamtprozesses. Sprich: Es ist entscheidend, wieviel Flüssigkeit wo genau auf einer Fläche ankommt. Mithilfe des SprayPatternators können die in den industriellen Sprühprozessen eingesetzten Düsen kontrolliert werden. Ein Soll-Ist-Abgleich des Sprühmusters gibt dem Anwender Informationen darüber, ob die Düse ausgetauscht werden muss.

In allen Fällen beeinflusst die flächenbezogene Verteilung der versprühten Medien die Qualität des Gesamtprozesses.

Simon Schild, SprayPatternator

f3 - farm.food.future: Puh - ganz schön speziell. Werden wir mal konkreter: Was bringt eure Technologie in der Landwirtschaft, etwas bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln?

Simon Schild: Im Grunde bringt unsere Technologie drei wesentliche Vorteile: 1) Der Anwender spart Pflanzenschutzmittel durch eine regelmäßige Kontrolle seiner Agrardüsen. 2) Der Verbraucher profitiert von weniger belastetem Obst und Gemüse und 3) Die Umweltbelastung – bspw. von Böden- und Gewässern wird reduziert.

Der SprayPatternator kann in allen Industriezweigen eingesetzt werden, in denen Sprays vorkommen. (Foto: SprayPatternator)

Wir wissen, dass die heutige Landwirtschaft ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht funktioniert. Daher kann man unsere Vision ganz gut getreu dem Motto „so wenig wie möglich aber so viel wie nötig“ beschreiben. Bisher werden Pflanzenschutzgeräte durch die gesetzlichen Bestimmungen alle drei Jahre auf ihre Querverteilung hin geprüft. Das ist ein langer Zeitraum. Verstopfungen und Verschleiß von Düsen können jedoch jederzeit auftreten und sind mit dem bloßen Auge nicht erkennbar. Wir bieten mit dem SprayPatternator ein Werkzeug zur unkomplizierten Düsenkontrolle. Nach kurzem Einsprühen vergleicht der SprayPatternator das gemessene 3D-Sprühmuster mit dem einer neuen Düse.

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Beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln dreht sich alles um Präzision. Jedoch beeinflussen Düsenverschleiß und Wind die Genauigkeit. Das Start-up „SprayPatternator“ aus Darmstadt kann Sprühanwendungen messen – und sucht Partner aus der Landtechnik.

f3 – farm.food.future: „SprayPatternator“ entwickelt ein mobiles Messgerät für industrielle Sprühprozesse – was heißt das? Und wo ist der Bezug zur Landwirtschaft?

Simon Schild von Spannenberg: In nahezu allen Industriezweigen werden Sprays für die unterschiedlichsten Anwendungen eingesetzt. Die bekannteste Sprühanwendung in der Landwirtschaft ist die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln und Flüssigdüngern. In anderen Industrien sind es fein dosierte Kraftstoffeinspritzungen in Verbrennungsmotoren oder die Kühlung der Werkzeuge in der stahlerzeugenden Industrie. In allen Fällen beeinflusst die flächenbezogene Verteilung der versprühten Medien die Qualität des Gesamtprozesses.

In nahezu allen Industriezweigen werden Sprays für die unterschiedlichsten Anwendungen eingesetzt.

Simon Schild, SprayPatternator

Sprich: Es ist entscheidend, wieviel Flüssigkeit wo genau auf einer Fläche ankommt. Mithilfe des SprayPatternators können die in den industriellen Sprühprozessen eingesetzten Düsen kontrolliert werden. Ein Soll-Ist-Abgleich des Sprühmusters gibt dem Anwender Informationen darüber, ob die Düse ausgetauscht werden muss.

Je genauer die Ausbringung, desto weniger Belastung

f3 – farm.food.future: Puh – ganz schön speziell. Werden wir mal konkreter: Was bringt eure Technologie in der Landwirtschaft, etwa bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln?

Simon Schild von Spannenberg: Im Grunde bringt unsere Technologie drei wesentliche Vorteile: 1) Der Anwender spart Pflanzenschutzmittel durch eine regelmäßige Kontrolle seiner Agrardüsen. 2) Der Verbraucher profitiert von weniger belastetem Obst und Gemüse und 3) Die Umweltbelastung – bspw. von Böden- und Gewässern wird reduziert.

Der SprayPatternator kann in allen Industriezweigen eingesetzt werden, in denen Sprays vorkommen. (Foto: SprayPatternator)

Wir wissen, dass die heutige Landwirtschaft ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht funktioniert. Daher kann man unsere Vision ganz gut getreu dem Motto „so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig“ beschreiben. Bisher werden Pflanzenschutzgeräte durch die gesetzlichen Bestimmungen alle drei Jahre auf ihre Querverteilung hin geprüft.

Das ist ein langer Zeitraum. Verstopfungen und Verschleiß von Düsen können jedoch jederzeit auftreten und sind mit dem bloßen Auge nicht erkennbar. Wir bieten mit dem SprayPatternator ein Werkzeug zur unkomplizierten Düsenkontrolle. Nach kurzem Einsprühen vergleicht der SprayPatternator das gemessene 3D-Sprühmuster mit dem einer neuen Düse.

Sprühbilder in 3D-Ansicht

f3 – farm.food.future: Also Pflanzenschutz in 3D?

Simon Schild von Spannenberg: Ja, genau. So kann man es beschreiben, wenn man sich die visuelle Darstellung der Sprühbilder anschaut. Das ergibt tatsächlich eine Art 3D-Ansicht.

f3: Demnach sind eure Zielgruppe eher Düsen- oder Landtechnikhersteller? Oder hat der Landwirt auch einen Nutzen?

Simon Schild von Spannenberg: Wir sprechen neben den Herstellen aus Landtechnik und anderen Industriezweigen auch den Landwirt an. Wir möchten ihm dabei helfen, den Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren. Zum Beispiel nutzen Agrardüsen bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln deutlich ab. Der Landwirt merkt zunächst nicht, dass er mehr Mittel ausbringt, als geplant.

Wir wissen, dass die heutige Landwirtschaft ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht funktioniert.

Simon Schild, SprayPatternator

Erst nach der Maßnahme stellt er unter Umständen fest, dass sein Verbrauch höher war, als zuvor ermittelt – das kann bis zu 30 % mehr sein. Düsenverschleiß lässt sich besonders gut anhand des Sprühbilds erkennen. So kann ein Landwirt den SprayPatternator nutzen, um vor der Ausbringung seine Düsen selbst zu kontrollieren bevor die Kontrolle alle drei Jahre beim „Düsen-TÜV“ erfolgt.

Auf der Suche nach Kooperationspartnern

f3 – farm.food.future: Jetzt seid ihr auf der Suche nach Industriekooperationen. Wen genau sucht ihr im Agrarsektor und warum?

Simon Schild von Spannenberg: Wir suchen im Prinzip jeden, der flüssige Medien im Agrarsektor ausbringt. Das können die Düsenhersteller an sich oder Hersteller von Feldspritzen für Flüssigdünger oder Pflanzenschutzmittel sein. Auch anerkannte Kontrollbetriebe von Spritzgeräten sind für uns die richtigen Ansprechpartner. Darüber hinaus suchen wir jeden, der zwischen dem gesetzlichen festgelegten 3-Jahres-Kontroll-Zyklus über die Effizienz seiner Sprühgeräte Auskunft haben möchte oder seinen Sprühprozess optimieren möchte.

Der SprayPatternator liefert Daten zur Masseverteilung, zum Sprühmuster und zum Sprühwinkel. (Foto: SprayPatternator)

f3 – farm.food.future: Eure Technologie bezieht sich auf die reine Messung von Flüssigkeiten und ihrer Ausbringung. Könnt ihr ein negatives Ergebnis auch entsprechend korrigieren?

Simon Schild von Spannenberg: Wir messen die Ausbringung von sämtlichen Flüssigkeiten und auch von Feststoffen in Granulat-Größe. Die Ergebnisse werden über eine Software digital erfasst und in einem Prüfprotokoll dokumentiert. Vergleiche von Messungen sind jederzeit möglich. Die (Sprüh-)Mustererkennung bildet sogar eine optimale Grundlage für eine Vorhersage des Düsenverschleißes durch Machine-Learning-Algorithmen.

Wir suchen im Prinzip jeden, der flüssige Medien im Agrarsektor ausbringt.

Simon Schild, SprayPatternator

Ein negatives Ergebnis korrigiert man am einfachsten durch den Austausch der Düse. Darüber hinaus sind wir in Gesprächen mit Düsenherstellern, um die Erkenntnisse aus der Messung direkt in die Düsenentwicklung miteinzubringen. So können die Düsen in Zukunft noch besser auf die entsprechenden Aufgaben abgestimmt werden.

Geschäftsmodell Sprühanalyse

f3 – farm.food.future: Wie verdient ihr Geld mit der Technologie? Wenn ihr noch keinen Umsatz macht – wie soll euer Geschäftsmodell funktionieren?

Simon Schild von Spannenberg: Aktuell befinden wir uns in der Gründungsphase. Wir wurden mit dem EXIST-Gründerstipendium des BMWi ausgezeichnet, um im laufenden Kalenderjahr unser Messgerät zur Marktreife zu bringen. Bis dahin bieten wir unsere Expertise bei Düsen-Messdienstleistungen und Effizienzüberprüfungen an. Mit unserem Messsystem können wir gezielt auf die Kundenwünsche eingehen und dabei einen detaillierten Prüfbericht über im Agrarsektor eingesetzte Düsen dem Kunden an die Hand geben. Mitte 2020 werden wir unsere ersten Messsysteme an bereits interessierte Kunden ausliefern.

f3 – farm.food.future: Wer steckt hinter der Idee?

Simon Schild von Spannenberg: Hinter der Idee stecken Till, Max und Simon. Drei Maschinenbau-Ingenieure, ausgebildet an der TU Darmstadt. Till entwickelte in seiner Masterthesis am Fachgebiet Strömungslehre & Aerodynamik den ersten Prototypen des Patternators. Ganz entscheidend war hierbei der Transfer der innovativen Technologie von der Branche der Massivumformung – in der die Idee entstanden ist – auf den Agrarsektor und die effiziente Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln.