future Perspektivwechsel

Start-ups und Agrar-Innovationen in Afrika gefragt free

Beim Innovationsdialog im BMZ diskutierten Jehiel Oliver, Frank Nordmann und Jochen Moninger zum Thema Mechanisierung der ländlichen Räume in Afrika. (Foto: GIZ/Jakob)

Sharing Anbieter für Traktoren, solarbetriebene Kühlräume oder Trocknungstunnel und regionale Vermarktungskonzepte – das sind nur drei Beispiele für Start-ups und innovative Ansätze in Afrika. In der Landwirtschaft sind sie gefragter denn je.

Die Landwirtschaft steht weltweit vor Herausforderungen. Bis 2050 soll die Weltbevölkerung auf 9,7 Mrd. Menschen wachsen. Demnach müssten laut der Food and Agriculture Organization (FAO) satte 70 % mehr Nahrungsmittel produziert werden, um alle Menschen auf der Erde zu ernähren. Während Europas Bevölkerung schrumpft, wird sich die Bevölkerung in Afrika bis 2050 verdoppeln.

Eigentlich wollten wir Traktoren verkaufen. Aber wir mussten schnell feststellen, dass das in Nigeria so nicht funktioniert.

Jehiel Oliver, hello tractor

Die Landwirtschaft steht hier vor einem besonderen Strukturwandel. Die Länder auf dem afrikanischen Kontinent gehören zu den am wenigsten mechanisierten. Das gilt auch für den Agrarbereich. Landwirte in Afrika besitzen und bearbeiten meist kleine Flächen von 0,4 bis 0,8 ha. Die Anschaffung teurer Landmaschinen macht daher wenig Sinn. Auch weil das Kapital für die Anschaffung fehlt.

Start-ups als Vorreiter

Landmaschinen teilen statt besitzen free

Innovative Ideen sind gerade im ländlichen Raum gefragt, um landwirtschaftliche Erträge zu steigern und die Wertschöpfung vor Ort zu halten. Das Start-up „Hello Tractor“ ist da einer der Vorreiter. Als Sharing-Anbieter für Landmaschinen hat es sich den kleinbäuerlichen Strukturen in Afrika angepasst. „Eigentlich wollten wir Traktoren verkaufen. Aber wir mussten schnell feststellen, dass das in Nigeria so nicht funktioniert. Also haben wir uns den Begebenheiten vor Ort angepasst“, sagte Gründer Jehiel Oliver auf der vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) organisierten Veranstaltung „Innovationsdialog zur Zukunft der ländlichen Räume in Afrika“, die kürzlich in Berlin stattfand.

Hello Tractor hat eine Technologie entwickelt, um die Traktoraktivitäten zu steigern und zu optimieren. Private Besitzer, Agenturen oder Banken können ihre Traktoren an Landwirte verleihen. Eine Art Überwachungsgerät wird am Traktor installiert und sendet GPRS und SMS Daten, um die Nutzungszeit zu messen und den Standort zu lokalisieren. Über eine IoT-Lösung werden Anbieter und Landwirt miteinander verbunden. Der Landwirt braucht den Traktor nicht zu kaufen, sondern kann ihn nach Bedarf nutzen und entsprechend zahlen.

Beispiel-Ideen entlang der Wertschöpfungskette

Weitere Ansätze gibt es in Afrika laut einer Studie des „Malabo Montpellier Panels“, die auf der Veranstaltung im BMZ vorgestellt wurde, entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Auf der Produktionsebene können etwa Pedalpumpen (PEP) helfen, landwirtschaftliche Betriebe und Haushalte mit Wasser zu versorgen. Mit dem mechanischen Bewässerungsgerät können durchschnittlich 60 Liter Wasser pro Minute aus drei Metern Tiefe aus Brunnen, Seen und Flüssen entnommen werden.

Start-ups sind oft agiler und schneller handlungsfähig als große Unternehmen oder staatliche Förderprogramme. Sie können einen Brücke zwischen beiden schlagen.

Jochen Moninger, Deutsche Welthungerhilfe

Auch solarbetriebene Kühlanlagen sollen helfen, Gemüse und Obst nach der Ernte frisch zu halten. Dazu werden Solarmodule auf den Dächern der Kühlräume installiert und die Energie in Batterien gespeichert. Ein Wechseltrichter speist diese dann in die Kühlanlage. Auch sogenannte Solartunneltrockner werden in Nigeria bereits für die Trocknung von Paprikaschoten genutzt, die sonst zum Großteil verschwendet werden, weil sie am Straßenrand von Vögeln oder Staub verunreinigt werden. Die lokalen Landwirte können die 18 Meter langen Solartunneltrockner nutzen und so die doppelte Menge ihrer Ernte trocknen.

Ein anderes, in der Studie aufgeführtes Beispiel, ist La Vivriere. Der Mikroverarbeitungsbetrieb wurde 1992 von einer Landwirtin im Senegal gegründet und verkauft Produkte aus Hirse, Mais und der Schwarzaugenbohne. Die Produkte werden heute in Supermärkten und bei Groß- und Einzelhändlern im Senegal verkauft. Manche werden auch nach Europa, in die USA und nach Asien exportiert.

Chancen durch Zusammenarbeit

Wie ernähren wir 9 Mrd. Menschen? free

Der (dezentrale) Einsatz von Landmaschinen und Mechanik kann, so das Fazit der Studie, den Landwirten in Afrika die oft mühselige Handarbeit erleichtern und zu Produktivitätssteigerungen führen. Das Marktplatzprinzip und der Sharing-Ansatz können beim Mobilisieren, Verbinden und Koordinieren helfen.

Jochen Moninger, Leiter des Innovationsteams bei der deutschen Welthungerhilfe, sieht im Social Business einen guten Ansatz: „Start-ups sind oft agiler und schneller handlungsfähig als große Unternehmen und staatliche Förderprogramme. Sie können eine Brücke zwischen beiden sein“. Digitale und innovative Anwendungen in der Landwirtschaft spielen bei der Erreichung der Entwicklungsziele der Agenda 2030 eine entscheidende Rolle.

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