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Stimmen von Food-Start-ups: Corona-Krise als Chance

Digitale Hofläden und Wochenmärkte im Internet werden derzeit mehr denn je genutzt: Eine Chance für die Start-ups in diesem Bereich? (Grafik: Christina Helmer)

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie bestellen Verbraucher 26 % mehr Ware online. Zu dem Ergebnis kam die Marktforschungsplattform Appinio im Rahmen ihrer Konsumstudie Corona. Zu den Profiteuren der Krise zählen aktuell Online-Hofläden, digitale Vermarktungsplattformen und Wochenmärkte. So gab Eike-Claudius Kramer von "Wochenmarkt24" aus Bielefeld an, dass sich die Bestellmengen seit Beginn der Krise mehr als verdoppelt haben. „Der Lieferservice ohne Kundenkontakt an der Haustür ist in dieser Situation nun absolut prädestiniert“, erklärt er.

Der Lieferservice ohne Kundenkontakt an der Haustür ist in dieser Situation nun absolut prädestiniert

Eike-Claudius Kramer

Auch Annika Ahlers, Gründerin von "Anni´s Bauernbox" aus Münster, bestätigt 120 % mehr Bestellungen. Sie liefert Produkte von Landwirten aus dem Münsteraner Umland an Kunden in die Stadt. „Wir nutzen dazu Pfandboxen, die aktuell sehr knapp sind, sodass wir schon auf Kartons ausweichen mussten“, sagt Annika. Ähnlich ergeht es Dr. Julia Köhn von „Pielers“. Erzeuger aus ganz Deutschland sind auf der Direktvermarktungsplattform gelistet und versenden ihre Produkte direkt an die Kunden. Die Logistik funktioniere gut, so Julia: „Jetzt müssen wir schnell Nachschub bei den Verpackungen besorgen.“

Herausforderungen für die Start-ups

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Mehr Umsatz und Bestellungen, aber zu wenig Auslieferfahrzeuge und helfende Hände: Online-Hofläden, Food-Start-ups und digitale Vermarktungsplattformen profitieren von der aktuellen Situation. Sie bringt aber auch Herausforderungen für die Gründer mit sich.

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie bestellen Verbraucher 26 % mehr Ware online. Zu dem Ergebnis kam die Marktforschungsplattform Appinio im Rahmen ihrer Konsumstudie Corona. Zu den Profiteuren der Krise zählen aktuell Online-Hofläden, digitale Vermarktungsplattformen und Wochenmärkte. So gab Eike-Claudius Kramer von „Wochenmarkt24“ aus Bielefeld im Gespräch mit f3 an, dass sich die Bestellmengen seit Beginn der Krise mehr als verdoppelt haben. „Der Lieferservice ohne Kundenkontakt an der Haustür ist in dieser Situation nun absolut prädestiniert“, erklärt er.

Auch wenn der Anlass alles andere als wünschenswert ist, Corona könnte für B2C-Online-Food Start-ups wie uns ein Durchbruch sein.

Jule Willing

Auch Annika Ahlers, Gründerin von „Anni´s Bauernbox“ aus Münster, bestätigt 120 % mehr Bestellungen. Sie liefert Produkte von Landwirten aus dem Münsteraner Umland an Kunden in die Stadt. „Wir nutzen dazu Pfandboxen, die aktuell sehr knapp sind, sodass wir schon auf Kartons ausweichen mussten“, sagt Annika. Ähnlich ergeht es Dr. Julia Köhn von „Pielers“. Erzeuger aus ganz Deutschland sind auf der Direktvermarktungsplattform gelistet und versenden ihre Produkte direkt an die Kunden. Die Logistik funktioniere gut, so Julia auf Nachfrage von f3: „Jetzt müssen wir schnell Nachschub bei den Verpackungen besorgen.“

Herausforderungen für die Start-ups

Der Marktstand von regionalen Händlern, Metzgern und Hofläden wird ins Internet verlegt. (Foto: Markterei)

Neben Verpackungen waren zu Beginn der Corona-Krise zunächst auch andere Ressourcen knapp. Bei Wochenmarkt24 fehlte es an Personal und Kühlfahrzeugen für die Auslieferung. „Durch freiwerdende Kapazitäten im Gastro- und Cateringbereich konnten wir neue Transporter in die bestehende Flotte integrieren“, so Eike-Claudius. „Durch die Verdopplung der Umsätze innerhalb weniger Tage hat sich auch das Warenvolumen verdoppelt, sodass die Kühlhauskapazitäten für die Kommissionierung nahezu ausgeschöpft sind. Jetzt schnellstmöglich eine neue und größere Kühlhalle zu finden, ist die wichtigste Aufgabe.“

Auch das Start-up Marktschwärmer, bei dem registrierte Mitglieder digital bei Produzenten aus der Umgebung einkaufen und die Ware an einem bestimmten Markttag persönlich abholen können, reagiert auf die verstärkte Nachfrage und die veränderte Situation durch die Kontaktbeschränkung. „Während der Corona-Epidemie bieten rund ein Drittel der Schwärmereien in Deutschland einen Lieferdienst an, um eine noch kontaktlosere Möglichkeit zu bieten, an frische Lebensmittel zu gelangen“, so Laura Kozlowski von Marktschwärmer.

Kreative Ideen, Kooperationen und Initiativen

Der große Vorteil der Start-ups ist ihre Flexibilität. Sie können schnell auf Veränderungen reagieren und ihre Geschäftsmodelle umstellen. So unterstützt zum Beispiel Taste Tours, ein Anbieter von Premium-Food-Tours in Hamburg, seit Beginn der Corona-Krise den Online-Hofladen Frischepost bei der Auslieferung von Lebensmitteln. „Viele unserer befreundeten Gastronomen aus Hamburg mussten ihre Geschäfte leider vorübergehend schließen und konnten uns ihre Mitarbeiter fürs Packen und Fahren weitervermitteln“, erzählt Gründerin Jule Willing.

Regionale Lebensmittelversorgung mit kurzen Lieferketten und hoher Flexibilität ist nun zeitgemäßer denn je.

Eike-Claudius Kramer

Pielers-Gründerin Julia unterstützt an anderer Stelle: „Wir stellen unsere Software „Markterei“ während der Krise kostenlos für Gemeinden, Städte und Nachbarschaften zur Verfügung. In Geestland betreiben wir gerade selbst eine Markterei. In den ersten 20 Minuten gab es 30 Bestellungen. Schüler und Studierende, die zu Hause sind, packen mit an, damit wir täglich mehr als 100 Menschen mit frischem Essen vom regionalen Bauern, Metzgern oder Bäckern versorgen können.“ An gut 30 Standorten werden gerade regionale Marktplattformen eröffnet. Jeder der Interesse hat, kann sich hier melden: mail@markterei.de.

Krise als Chance?

Die Auswirkungen der Krise sind derzeit noch nicht abzusehen. Kurzfristig werden vor allem Landwirte und Produzenten vor Herausforderungen stehen, die auch die Start-ups betreffen können, wie Laura von Marktschwärmer sagt: „Wenn wir einen Blick in die Zukunft richten, beschäftigt uns auch das Problem unserer Erzeuger, die aktuell nicht genügend Erntehelfer haben.“ Generell überwiegt in der Start-up-Szene jedoch die Zuversicht. „Diese besondere Situation in der gesamten Bevölkerung zwingt uns umzudenken, Verhaltensweisen zu ändern oder auszusetzen und das lässt neue Blickwinkel und Verhaltensveränderungen zu“, sagt Annika Ahlers.

„Wir können zeigen, dass Lebensmittelplattformen echte Probleme lösen – für den Bauern und für den Verbraucher“, ist sich Dr. Julia Köhn sicher. Die Krise ist für Online-Vermarkter und digitale Lebensmittelhändler auch eine Chance, wie Eike-Claudius bestätigt: „Die Lebensmittelbranche tat sich in der Vergangenheit durchaus schwer, richtig in diesem Markt Fuß zu fassen. Die neue Lage könnte nun die Initialzündung sein. Regionale Lebensmittelversorgung mit kurzen Lieferketten und hoher Flexibilität ist nun zeitgemäßer denn je.“ Und auch Jule Willing blickt positiv in die Zukunft: „Auch wenn der Anlass alles andere als wünschenswert ist, Corona könnte für B2C-Online-Food Start-Ups wie uns ein Durchbruch sein.“