Am von Justin Brinkmann

Nischenkulturen

Asiatisches Gemüse in Deutschland: Zwischen Pak Choi und Bittermelone

Der Anbau von asiatischem Gemüse ist in Deutschland eine Nische. Und das, obwohl die chinesische Küche bei den Deutschen auf Platz drei der Beliebtheitsskala steht. Ein Grund mehr für ein deutsch-chinesisches Ehepaar, ein Quäntchen China in ein Berliner Gewächshaus zu holen – und damit Interesse bei praktizierenden Landwirten zu wecken. 

Im Garten wächst der Pak Choi. Die Shiso-Kräuter sprießen auf dem Parkplatz nebenan. Verkauft werden die frischen Lebensmittel dann auf dem Wochenmarkt – und der befindet sich in einer großen Lagerhalle zwischen den einzelnen Wohnblocks. Kulturpflanzenanbau in China läuft schon wirklich ganz anders! Rongrong Szydlewski muss es wissen. Seit ein paar Jahren lebt die gebürtige Chinesin in Deutschland. Doch das chinesische Flair fehlte ihr nach dem Umzug in die deutsche Hauptstadt dann doch.
Es gibt zwar hier und da einige Gärtnereien, die vereinzelt Kräuter und Gemüse für die vietnamesische Kundschaft anbauen – nicht aber in so einer Vielfalt, wie wir das machen. 
Ralf Szydlewski, Phytasia GmbH
Mit ihrem Berliner Ehemann Ralf gründete sie deshalb ein neues Geschäftsmodell. Weit über 20 exotische Gemüse- und Kräuterarten bauen sie auf ca. 1600 m2 Gewächshausfläche an – von Bittermelone, über indischen Spinat bis Schlangengurke bieten sie ein breites Produktportfolio. Das Kriterium: Frisch muss es sein – und geschmackvoll. Einfach anders, als man es aus den Tiefkühltruhen der Supermarktketten kennt. Interessant dabei: In Deutschland gibt es nicht einmal Statistiken über den Anbau von asiatischen Kulturpflanzen. Das Marktvolumen ist schlichtweg zu gering. „Es gibt zwar hier und da einige Gärtnereien, die vereinzelt Kräuter und Gemüse für die vietnamesische Kundschaft anbauen – nicht aber in so einer Vielfalt, wie wir das machen“, erzählt Ralf. Eine echte Nische eben. 

Auf 1600m2 gedeihen  bei den Szydlewskis weit über 20 verschiedene asiatische Gemüse- und Kräuterpflanzen.  (Bildquelle: wolf.photography)

Alle Wege führen nach Jiangnan

Angefangen hat alles in China. Ralf war als Elektrotechniker regelmäßig in dem Solar-Unternehmen vor Ort, in dem Rongrong beruflich tätig war. „Da haben wir uns im Jahr 2010 kennengelernt“, sagt Ralf. Was folgte, war die Hochzeit – und das gemeinsame Leben in Deutschland. Doch eins störte die Chinesin gewaltig: Das europäische Angebot an asiatischem Gemüse. „Tiefkühlware ist einfach nicht das gleiche. Für mich ist Frischware sehr wichtig. Der Geschmack ist nicht zu vergleichen.“ Gesagt, getan. Was zunächst als kleines Hobby im Garten begann, entwickelte sich nach und nach zu einem eigenen Unternehmen, der „Phytasia GmbH“. Hier arbeitet das Ehepaar mittlerweile in Vollzeit. „Die Pflanzen brauchen Aufmerksamkeit. Nur nebenher geht das nicht“, berichten die Zwei. Die erzeugten Produkte vermarktet das Ehepaar unter dem Namen „FreshTasia“. „Wir wollen mit der Marke kulinarische, frische Ware anbieten“, so der Elektrotechniker. 

1600m2 für indischen Spinat, Schwammgurke und Co.

2,40 m Stehwandhöhe: So viel Platz steht den Pflanzen im Gewächshaus des Ehepaars zur Verfügung. Mehr hätten sie zwar gern – aber bezahlbare Gewächshausfläche zu finden, ist weder in Berlin, noch in einer vergleichsweise geringen Größenordnung einfach. „Als Quereinsteiger standen uns hier nur die alten DDR-Gewächshäuser zur Verfügung. Andere, die auf dem neuesten Stand der Technik sind, werden meist von Niederländern betrieben und sind in der Anschaffung sehr teuer“, so Ralf. Keine Alternative. Schließlich befindet sich das Geschäftsmodell noch in der „Proof-of-Concept-Phase“. Die Wahl fiel daher auf ein überschaubares Gewächshaus mit einer Bruttofläche von 1600 m2  und einer alten Kesselanlage in Berlin-Kladow. Die Heizeinrichtung arbeitet vergleichsweise ineffizient. Biogas oder BHKW? Fehlanzeige. Konventionelles Stadtgas muss herhalten. Auch eine Doppelwandverglasung des Gewächshauses ist nicht drin, sodass Wärme schnell verloren geht. Aber die Wahlberliner zeigen sich optimistisch: „Man muss das beste draus machen. Wenn wir uns beweisen, ist bald wohl mehr drin.“

Die Bittermelone ist nur eines von vielen exotischen Asia-Gemüsen, die das Ehepaar in Berlin anbaut.  (Bildquelle: wolf.photography)

Anbau, Düngung,...