Am von Caroline Schulze Stumpenhorst

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Betriebsvermögen Bodenfruchtbarkeit

Schulklassen weiterbilden, Insekten schützen, Ackerböden aufwerten oder die Region unterstützen – Leistungen, die jeder Landwirt vermutlich gerne erbringt. In seiner Jahresbilanz stehen sie jedoch nicht. Die „Regionalwert AG Freiburg“ will diese sozioökologischen Leistungen „bilanzieren“. Ein Rechenmodell mit Zukunft?

Ohne fruchtbaren Boden kann weder ein Acker- noch Gemüsebauer erfolgreich wirtschaften. Doch bei keinem der beiden ist die für ihren Erfolg unerlässliche Ressource in der Unternehmensbilanz zu finden. „Die Bodenfruchtbarkeit stellt kein Wirtschaftskapital dar“, sagt Eric Waibel von der „Regionalwert AG Freiburg“. Ein Zustand, den er nicht akzeptieren will. „Landwirte, die Schulklassen bilden, Insekten schützen, Ackerboden aufwerten oder ihre Region unterstützen, erhalten dafür bisher keinen Cent“, sagt der Produktmanager. Dabei handele es sich um geleistete Arbeit, die ein Wirtschaftsgut für die Gesellschaft darstellt.

Landwirte, die Schulklassen bilden, Insekten schützen, Ackerboden aufwerten oder ihre Region unterstützen, erhalten dafür bisher keinen Cent.

Eric Waibel

Die Regionalwert AG Freiburg hat sich auf die Fahne geschrieben, gesellschaftlich geforderte Werte zu monetarisieren. „Neben ‚Verbindlichkeiten‘ und ‚Forderungen‘ gehören sie auf die Aktivseite jeder landwirtschaftlichen Bilanz“, so Waibel. Damit wären die Leistungen aus der Landwirtschaft für die Allgemeinheit konkret benannt und könnten separat vergütet werden.

Ob diese kalkulatorische Vergütung am Ende über einen höheren Produktpreis oder öffentliche Fördergelder zu den Landwirten fließen soll, bleibt jedoch offen. Bislang hat die Bürgeraktiengesellschaft lediglich ein Rechenmodell vorzuweisen, dass die tatsächlich geleistete Arbeit aufdecken, darstellen und bilanzieren soll.

Nachhaltigkeit analysieren

Eric Waibel, Regionalwert AG Freiburg (Bildquelle: f3)

Wie lässt sich nachhaltiges Wirtschaften konkret bewerten? Eine Antwort versucht die AG mit ihrer Nachhaltigkeitsanalyse zu geben: „In unserem Online-Erfassungstool kann jeder Landwirt seinen Betrieb auf den Grad an Nachhaltigkeit überprüfen“, so Eric Waibel. Die Eingabe der betriebsspezifischen Daten dauert rund vier Stunden und kostet 289 € pro Wirtschaftsjahr und Betrieb. Insgesamt werden mehr als 170 Kennzahlen ausgewertet. Nach der Dateneingabe erhält der Betriebsleiter die Auswertung.

In unserem Online-Erfassungstool kann jeder Landwirt seinen Betrieb auf den Grad an Nachhaltigkeit überprüfen.

Eric Waibel

Das Ergebnis wird für jeden Betriebsbereich einzeln berechnet und anschließend farblich dargestellt: Rot steht für „nicht nachhaltig“, Gelb für „bedingt nachhaltig“ und Grün für „stark nachhaltig“. Der Landwirt kann es anschließend nutzen, um damit zu werben. „Einer unserer Kunden ist ein Obstbauer. Er hat seine Analyse an den Safthersteller weitergegeben. Der kann wiederum mit der Nachhaltigkeit des Obstbauern werben“, erklärt Eric Waibel. Das soll nur der erste Schritt sein. Um konkrete Monetarisierung zu erreichen, hat die Regionalwert AG das Projekt „Richtig Rechnen“ ins Leben gerufen. 

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