Am von Anja Rüweling

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Der Blick einer Investorin auf das deutsche Start-up-System

Dr. Brigitte Mohn investiert in nachhaltige Start-ups aus dem AgTech- und Food-Bereich. Im Interview erklärt sie, was dem deutschen Investmentsystem fehlt und in welche Bereiche die Unternehmerin zukünftig investieren möchte.

f3 - farm.food.future: Frau Dr. Mohn, in welchen Branchen sind Sie als Investorin aktiv? Wie sieht Ihr Investment-Portfolio aus?

Dr. Brigitte Mohn: Für mich – sowohl privat als auch im beruflichen Kontext - ist die Erfüllung der Sustainable Development Goals (SDGs) eine Herzensangelegenheit. Im Rahmen dieser globalen Ziele sind vor allem die Themen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft für mich von Bedeutung. Um nachhaltige Produktion und nachhaltigen Konsum geht es bei den Start-ups „Wildcorn“ und „Frischepost“, in die ich investiert habe. Darüber hinaus bin ich bei verschiedenen Inkubatoren aktiv. Mit „Econnext“ habe ich in das Start-up „Circular Carbon“ aus Würzburg investiert, das aus Kakaobohnenschalen Pflanzenkohle herstellt und diese als Dünger nutzt. Das französische Start-up „Agricool“ aus dem Fund „La Famiglia“, welches Schiffscontainer recycelt und für Urban Farming nutzt, ist ein weiteres Start-up aus dem Bereich Circular Economy.

Dr. Brigitte Mohn ist Privatinvestorin. (Bildquelle: Jan Voth)

f3: Wie sind Sie auf die Gründerteams aufmerksam geworden? Wie entsteht der Kontakt zu den Start-ups?

Dr. Brigitte Mohn: Start-ups, die an direktem Funding und Investitionen interessiert sind, schreiben mich meistens direkt an. Es gibt aber auch sogenannte Club Deals, bei denen verschiedene Gelbgeber gemeinsam über eine bestimmte Fundkonstruktion investieren - wie bei „Venture Stars“, „La Famiglia“ und „Econnext“. Bei allen Investitionen, an denen ich mich beteilige, sind immer auch Unternehmerfamilien mit an Bord. Das ist mir wichtig. Denn als Unternehmer müssen wir die Verantwortung für die Generationen von morgen übernehmen. Dabei geht es nicht um den schnellen Ausstieg, sondern um langfristiges Engagement.

Es geht mir nicht um den schnellen Ausstieg, sondern um langfristiges Engagement.

Dr. Brigitte Mohn

f3: Wie viel Rendite versprechen Sie sich von den Investitionen? In welchem Bereich liegen sie?

Dr. Brigitte Mohn: Ich erwarte mindestens das Zwei- bis Dreifache des eingesetzten Kapitals. Je nachdem, in welchem Bereich man investiert, kann die Rendite sehr viel höher liegen. Meine Investments befinden sich in der Kategorie Seed-Funding und Series A. Ab Series B werden Investitionen meist durch Wagniskapitalgeber (VCs) oder institutionelle Anleger getätigt.

Deutsche Start-ups sind auf dem internationalen Markt selten sichtbar

f3: Wie sieht das Engagement in Deutschland aus? Wie wird investiert?

Dr. Brigitte Mohn: In Deutschland sind wir in den ersten Finanzierungrunden, Series A, B und vielleicht noch C, dabei. Alles, was dann kommt, da können wir in Deutschland meist nicht mithalten. Leider fallen bei den großen Investments auch die deutschen Start-ups oft durch, weil sie zu selten auf den Empfehlungslisten internationaler Wagniskapitalgeber stehen.

Auch die Bildungsstätten wie Universitäten sollten sich verstärkter einbringen, wenn...