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Neues Standbein

Lupinen-Liebe

Viktoria und Burkhard Voß aus Nordrhein-Westfalen haben verschiedene Feldfrüchte und Produktionsverfahren ausprobiert, um ihren Ackerbaubetrieb mit Sauenhaltung weiterzuentwickeln. Das Rennen machte die Süßlupine.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in HofDirekt.
„Die Bratlinge – zum Niederknien“, so steht es im Flyer. Doch bis die Lupinen-Pattys diesen Status erreicht hatten, brauchte es 38 Rezeptvarianten. „Neue Kulturen anzubauen und Produkte daraus zu entwickeln, erfordern einen langen Atem und ein gutes Netzwerk“, sagt Burkhard Voß aus dem westfälischen Kreis Warendorf. Ende November 2020 haben der Landwirt und seine Frau Viktoria ihre Lupinen-Produkte auf den Markt gebracht: Lupinen-Bratlinge und -Nudeln machten den Anfang, Lupinen-Falafel, -Hummus, -Mehl und -Schrot kommen in diesem Jahr dazu. Unter dem Markennamen "Eickenbecks Hofgenuss“ sollen sie sich den Kunden einprägen.

Betrieb entwickeln

Zum landwirtschaftlichen Kernbetrieb von Familie Voß gehören 230 Sauen im geschlossenen System sowie 170 ha Ackerbau. Die Schweinemast erfolgt an zwei Standorten. Ein weiterer 70-ha-Betrieb mit 1.650 Mastplätzen und einer 370-kW-Biogasanlage wird in Form einer GbR mit einem Partner betrieben. „Wir sind ein klassischer landwirtschaftlicher Betrieb, den wir stetig weiterentwickeln“, benennt das Ehepaar Voß seine Prioritäten. Gleichzeitig arbeiten sie schon seit mehr als zehn Jahren daran, ihren Betrieb regionaler und nachhaltiger aufzustellen. Burkhard Voß hat sich breit vernetzt, steht in engem Kontakt mit Hochschulen, Foodentwicklern oder Initiativen für nachhaltige Unternehmensführung. Besonders intensiv ist der Austausch mit Prof. Guido Ritter von der Fachhochschule (FH) Münster. Obwohl selbst Schweinehalter, teilt Burkhard Voß dessen Ansichten, dass der Fleischkonsum zurückgehen wird (und muss). Immer mehr Verbraucher haben ja bereits diesen Weg eingeschlagen. Für diese wachsende Klientel entwickelt der 48-jährige Agraringenieur in enger Zusammenarbeit mit seinem Netzwerk regionale, gesunde und gleichzeitig attraktive und spannende Produkte.

Burger-Bratlinge, Nudeln, Mehl und mehr: das alles hat Lupinen als Grundlage. (Bildquelle: Landwirtschaftsverlag GmbH)

Fische, Würmer, Lupinen?

Zwei Voraussetzungen müssen diese unbedingt erfüllen: Sie müssen zum Betrieb passen. Und die Verbraucher müssen sie auch wollen. Wenn die Menschen weniger Fleisch essen, brauchen sie andere Proteinquellen. Erste Überlegungen gingen deshalb in Richtung Aquakultur. Doch Fische wären mit zu viel Arbeit und Technik verbunden gewesen. Damit waren sie raus.
Sechs Jahre experimentierte Familie Voß mit Insekten, genauer gesagt mit Mehlwürmern. An der FH Münster wurden daraus Produkte entwickelt. „Wenn man den Kopf ausschaltet, schmecken die durchaus“, sagt Viktoria Voß. Von einer breiten Akzeptanz durch die Verbraucher sind Mehlwurm-Schokolade und Insekten-Nudeln aber noch weit entfernt und damit waren die Insekten auch raus. „Darüber war ich ehrlich gesagt ganz froh“, sagt die 41-Jährige mit einem Schmunzeln.
Neue Kulturen anzubauen und Produkte daraus zu entwickeln, erfordern einen langen Atem und ein gutes Netzwerk.
Burkhard Voß
Während der Mehlwurm-Phase dachten Burkhard Voß und Guido Ritter bereits über...


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