Am von Caroline Schulze Stumpenhorst

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Biodiversität

Zaunbau per App

Die Weidehaltung von Milchkühen ist seit Jahrzehnten rückläufig. Der Einsatz von virtuellen Zäunen soll das ändern. Ein Forscherteam der Universität Göttingen versucht, das schwindende Ökosystem Grünland zu retten. 

Riegelpfahl, Isolator, Stromlitze – das sind die gängigen Utensilien für einen Weidezaun. In Zukunft sollen Landwirte zu Halsband, 3G und App greifen. Das ist zumindest die Theorie hinter dem Forschungsprojekt „GreenGrass“ der Universität Göttingen. Wissenschaftler testen den Einsatz virtueller Zäune in der Praxis. Die erste Versuchsphase mit Jungrindern ist abgeschlossen. Die Ergebnisse überraschten das Forscherteam.
„Das System funktioniert wie ein Einparkwarnsystem im Auto“, erklärt Dr. Juliane Horn. „Je näher das Tier dem Zaun kommt, desto lauter wird das akustische Signal. Dabei sollte es nur im ungünstigsten Fall zum ‘Crash’ oder in diesem Fall Ausbruch des Tieres kommen“, so die Biologin. In den bisherigen Testreihen mit Jungrindern wurde jedes der Tiere mit einem speziellen Halsband ausgestattet. Mittels GPS-Signal wird der Standort des Tieres erfasst. Auf einer Satellitenkarte haben die Forscher zuvor die Grenze des virtuellen Zauns „eingezeichnet“. „Der Zaun ist dabei keine starre Grenze, sondern vielmehr eine Zone“, so die Forscherin.

Grünland schützen

Ein weiteres Standbein des Projektes ist die Fernerkundung der Landschaft via Drohnen- und Satellitentechnologie. So könnten beispielsweise Nester von Bodenbrütern oder blühende Bodenpflanzen für Insekten zeitweise aus der Nutzung herausgenommen werden. „Wer kleine Strukturen aus der Beweidung herausnimmt, kann viel für die Artenvielfalt tun“, erklärt Dr. Juliane Horn. Gerade in Extensivregionen, in denen Weidetiere für den Erhalt des Grünlands und den Naturschutz eingesetzt werden, sei das neue System besonders interessant. Dort käme es häufig zu einer kleinteiligen und kurzweiligen Einzäunung. Doch gerade dieser Bereich werde zukünftig weniger mit öffentlichen Geldern gefördert: „Die Gefahr, dass die Grünlandflächen in Deutschland immer weiter schwinden ist damit enorm gestiegen“, so die Forscherin. Eine Entwicklung, die für viele Tiere und Pflanzen eine Bedrohung darstelle.
Wer kleine Strukturen aus der Beweidung herausnehmen kann, kann viel für die Artenvielfalt tun.
Dr. Juliane Horn
In Intensivregionen soll die Technik genauso zum Einsatz kommen. „Wo früher die Rinder weideten, wird Gras heute mehrmals jährlich gedüngt, geschnitten und abgefahren. Dieses Grundfutter wird den...