farm Perspektivwechsel Story

Strohschweine für Edeka

Peter und Tanja Baureis haben ihren Betrieb mit Schweinehaltung umgestaltet. Sie gehen nun neue Wege in der Produktion und der Vermarktung. (Foto: Niggemeyer)

Familie Baureis hat einen Strohstall mit besonders tiergerechten Innovationen gebaut. Die Einbeziehung der Öffentlichkeit ist vorbildlich.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in SUS 4/2019.

„Ende 2015 haben wir uns entschieden, unseren Betrieb mit 250 Muttersauen um einen Maststall zu erweitern”, erzählt Peter Baureis aus Schrozberg im Landkreis Schwäbisch Hall. Dass bei den Überlegungen der Familie ein Strohstall mit 1494 Plätzen herauskam, wunderte den einen oder anderen Berufskollegen schon. Im Juni 2018 wurde der neue Stall mit einem Hoffest eingeweiht. Über 2 000 Interessierte besichtigten den Offenstall, der von Weitem wie ein Kuhstall aussieht.

10-Jahresvertrag mit Edeka

Hintergrund ist, dass Familie Baureis bereits seit einiger Zeit ihre Ferkel über die EZO Süd vermarktet, die für das Premiumprogramm Hofglück der Edeka Südwest bündelt. Da lag es auf der Hand, auch die eigene Mast auf das Label auszurichten.

Peter und Tanja Baureis planten den neuen Strohstall zusammen. (Foto: Niggemeyer)

Wir versuchen, uns mit mehr Tierwohl in die regionalen Märkte einzubringen. Ich bin der Überzeugung, dass mit dieser Ausrichtung unser Generationenbetrieb eine Zukunft hat“, betont der Betriebsleiter, der zusammen mit seiner Frau Tanja den Betrieb führt. Bei der Arbeit werden sie von einem rumänischen Mitarbeiter, den Altenteilern und den vier Kindern unterstützt.

Hofglück steht für Fleisch der Premiumstufe und ist mit dem Label „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes gekennzeichnet. Neben mehr Platz, Stroh und Auslauf muss Baureis GVO-frei füttern. Auch werden die männlichen Ferkel unter Narkose kastriert und die Schwänze dürfen nicht kupiert werden.

Wir versuchen, uns mit mehr Tierwohl in die regionalen Märkte einzubringen.

Peter Baureis

Als Gegenleistung werden die angedienten Schweine pauschal mit einem Basispreis von 2,15 €/kg nach Ulmer Maske abgerechnet. Diese Konditionen sind zehn Jahre lang vertraglich zugesichert. „Der Abnahmevertrag war für uns Grundvoraussetzung, mit einem neuen Stall in die Labelproduktion einzusteigen“, betont Baureis.

Maximale Transparenz

Die hohen Anforderungen an die Haltung haben ihren Preis. So hat der Mastplatz inklusive Strohhalle, Getreidesilos und -annahme sowie Einstreu- und Fütterungstechnik rund 1 000 € gekostet. Für das Bauprojekt wurden AFP-Mittel sowie Fördergelder aus dem Topf der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) gewährt.

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Familie Baureis hat einen Strohstall mit besonders tiergerechten Innovationen gebaut. Sie ist davon überzeugt, dass der Generationsbetrieb mit der Ausrichtung auf mehr Tierwohl und durch maximale Transparenz eine Zukunft hat.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in SUS 4/2019.

„Ende 2015 haben wir uns entschieden, unseren Betrieb mit 250 Muttersauen um einen Maststall zu erweitern”, erzählt Peter Baureis aus Schrozberg im Landkreis Schwäbisch Hall. Dass bei den Überlegungen der Familie ein Strohstall mit 1494 Plätzen herauskam, wunderte den einen oder anderen Berufskollegen schon. Im Juni 2018 wurde der neue Stall mit einem Hoffest eingeweiht. Über 2.000 Interessierte besichtigten den Offenstall, der von Weitem wie ein Kuhstall aussieht. Hintergrund ist, dass Familie Baureis bereits seit einiger Zeit ihre Ferkel über die EZO Süd vermarktet, die für das Premiumprogramm Hofglück der Edeka Südwest bündelt. Da lag es auf der Hand, auch die eigene Mast auf das Label auszurichten.

10-Jahresvertrag mit Edeka

Wir versuchen, uns mit mehr Tierwohl in die regionalen Märkte einzubringen. Ich bin der Überzeugung, dass mit dieser Ausrichtung unser Generationenbetrieb eine Zukunft hat“, betont der Betriebsleiter, der zusammen mit seiner Frau Tanja den Betrieb führt. Bei der Arbeit werden sie von einem rumänischen Mitarbeiter, den Altenteilern und den vier Kindern unterstützt.

Peter und Tanja Baureis planten den neuen Strohstall zusammen. (Foto: Niggemeyer)

Hofglück steht für Fleisch der Premiumstufe und ist mit dem Label „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes gekennzeichnet. Neben mehr Platz, Stroh und Auslauf muss Baureis GVO-frei füttern. Auch werden die männlichen Ferkel unter Narkose kastriert und die Schwänze dürfen nicht kupiert werden.

Wir versuchen, uns mit mehr Tierwohl in die regionalen Märkte einzubringen.

Peter Baureis

Als Gegenleistung werden die angedienten Schweine pauschal mit einem Basispreis von 2,15 €/kg nach Ulmer Maske abgerechnet. Diese Konditionen sind zehn Jahre lang vertraglich zugesichert. „Der Abnahmevertrag war für uns Grundvoraussetzung, mit einem neuen Stall in die Labelproduktion einzusteigen“, betont Baureis.

Maximale Transparenz

Die hohen Anforderungen an die Haltung haben ihren Preis. So hat der Mastplatz inklusive Strohhalle, Getreidesilos und -annahme sowie Einstreu- und Fütterungstechnik rund 1.000 € gekostet. Für das Bauprojekt wurden AFP-Mittel sowie Fördergelder aus dem Topf der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) gewährt.

Die Familie Baureis ließ bei der Entwicklung viele Ideen mit einfließen. Herausgekommen ist ein Baukonzept, das sich vom typischen Schweinemaststall unterscheidet. (Foto: Niggemeyer)

Zudem ist die eingegangene Partnerschaft mit Edeka an regelmäßige Kontrollen und maximale Transparenz gekoppelt. Beides ist für Baureis kein Problem. Bereits in der Bauphase konnten die Fortschritte stets über eine Webcam im Internet verfolgt werden. Auch hat der Stall mit einem rund 100 m² großen Besucherraum in vier Meter Höhe ein besonderes Extra erhalten. Dieser gewährt über eine Fensterfront einen optimalen Blick auf die Schweine. Der Zugang erfolgt von außen über die Giebelseite, sodass die Besucher ohne weitere hygienische Maßnahmen den Maststall besichtigen können.

Buchten mit Struktur

Vom Besucherraum aus sind schmale Großbuchten zu erkennen. Bei genauem Hinsehen fällt auf, dass es sich um Doppelbuchten handelt, die 150 Tiere aufnehmen können. An zwei Stellen in der Zwischenwand gibt es einen Schlupf, durch den die Tiere von der einen in die andere Bucht gelangen. Alle drei Wochen stallt der Landwirt eine 300er-Ferkelgruppe in zwei dieser 34 x 9 m großen Doppelbuchten ein. Rund ein Drittel der Fläche ist als teilweise überdachter Außenbereich konzipiert. Ein Gefälle von 3  % sorgt dafür, dass Harn und Regenwasser über eine außenliegende Rinne abfließen.

Inklusive Auslauf haben die Tiere 2 m² Platz. Die Senke im Boden am Übergang zum Außenbereich wird an heißen Tagen mit Wasser befüllt, um Abkühlung zu bieten. (Foto: Niggemeyer)

Die Haltung in der Großgruppe bietet für jedes Einzeltier eine größere nutzbare Fläche und ermöglicht eine großzügige Gestaltung und Abgrenzung der einzelnen Funktionsbereiche bzw. einen ausreichenden Abstand dieser zueinander. Dennoch kommt es vor, dass die Tiere den Liegebereich vorn am Kontrollgang verschmutzen.

Das Futter ist immer frisch, und wir können bedarfsgerecht füttern. Beides hilft, das Risiko für Schwanzbeißen zu mindern .

Peter Baureis

„Derzeit müssen wir die verkotete Liegefläche regelmäßig mit dem Hoflader ausmisten. Im Herbst werden wir den vorderen Bereich abdecken, um die Liegefläche attraktiver zu gestalten“, verrät der Landwirt. Ein weiteres wichtiges Detail ist die Wasserversorgung sowohl über Beckentränken als auch über Sprühnippel. Direkt am Übergang vom Stall in den Auslauf wurde eine vier Meter breite Senke in den Boden betoniert, die an heißen Tagen über Aqualevel mit 3 cm Wasser befüllt wird und den Tieren als Suhle dient.

Kaum Schwanzbeißen

Die größte Herausforderung ist, dass die Schwänze nicht kupiert werden dürfen. Neben der Buchtenstruktur und Wasserversorgung spielt auch die Tiergesundheit eine große Rolle. So sind die Ferkel bei Ankunft dreifach geimpft und entwurmt. Da sie bereits in der Aufzucht in Großgruppen gehalten werden, kommt es nach der Umstallung weder zu Beißereien noch müssen sich die Tiere an andere Fütterungstechniken gewöhnen. Sowohl in der Aufzucht als auch in der Mast wird geschrotetes Futter in Automaten angeboten.

Auslauf, Beschäftigungsmaterial und Stroheinstreu: Die Familie Baureis hofft so auch das Schwanzbeißen in den Griff zu bekommen. (Fotos: Niggemeyer)

Als Hofmischer lagert Baureis das eigene Getreide direkt vor Ort in Außensilos. Die Multiphasen-Mischanlage bereitet jeweils 100 kg Schrot vor, welches dann über eine Kette in die zehn Automaten der Buchten gelangt. „Das Futter ist immer frisch, und wir können bedarfsgerecht füttern. Beides hilft, das Risiko für Schwanzbeißen zu mindern“, meint der Landwirt.

Auch sollten genügend Fressplätze vorhanden sein, damit die Tiere synchron fressen können und jederzeit Zugang zu Futter haben. Baureis bestätigt, dass es dadurch selten zu Auseinandersetzungen vor den Fressplätzen kommt. Ob zudem die Genetik zur Risikominimierung beitragen kann, testet der Landwirt zusammen mit Topigs aus. „Neben German Piétrain-Eber setzen wir probeweise auch Duroc auf die TN70-Sau ein, da es hierzu gute Erfahrungen gibt“, so der Landwirt.

Automatisches Einstreuen

Um langfristig nicht in eine Arbeitsfalle zu geraten, hat Baureis in einen Strohroboter investiert. Dieser besteht aus einem Schienensystem, einer Befüllstation und einem ferngesteuerten Schlitten, der automatisch befüllt wird. Derzeit fährt der Schlitten zweimal vormittags und bis zu achtmal nachmittags über die Buchten und wirft das Stroh an drei Stellen ab. Die Mengen sind jeweils einprogrammiert.

Ein Roboter übernimmt das Einstreuen der Buchten. Zeitintervalle und Mengen können individuell eingestellt werden. (Foto: Niggemeyer)

Die jährlich benötigten rund 900 Großballen werden in einer nebenstehenden Halle gelagert. Dank einer Kooperation mit dem Nachbarbetrieb und das Einbinden eines größeren Lohnunternehmers ist der Betrieb bei der Strohbergung sehr schlagkräftig. „Die Strohqualität war bislang kein Problem“, versichert Baureis. Auch für das zweimal wöchentliche Kotschieben hat sich der findige Landwirt etwas einfallen lassen. Von einem Berufskollegen bekam er den Tipp, ein Schild für den Frontlader des Hofladers zu bauen, mit dem sich die Buchtentore anheben und einhängen lassen.

Wir gehen täglich in die Buchten. Dennoch ist speziell in der Großgruppe ein gutes Auge für kranke oder lahme Tiere gefragt.

Peter Baureis

Mit dem Tor vorn am Schild fährt Baureis in die Bucht, setzt das Schild auf den Boden und schiebt im Rückwärtsgang die Fläche ab. Ohne ein Absteigen wird dann das Tor wieder eingehängt. Auf diese Weise lassen sich die zehn Buchten des Maststalles in gut einer halben Stunde ausmisten. Der Kot wird zusammengeschoben, direkt auf einen Anhänger verladen und zur Biogasanlage des Nachbarn gebracht. Im Tausch dafür erhält Baureis Wärme für den Abferkel- und Aufzuchtstall.

Ganze Familie zieht mit

Die Zeit, die beim Ausmisten eingespart wird, kann der Betrieb für eine intensive Tierkontrolle nutzen. „Wir gehen täglich in die Buchten. Dennoch ist speziell in der Großgruppe ein gutes Auge für kranke oder lahme Tiere gefragt”, sagt Baureis.

Für ihn war es auch wichtig, dass das Aussortieren und Verladen der Schlachttiere schnell über die Bühne geht. Zum einen kann er vom Versorgungsgang eine mobile Waage in die Buchten schieben, um das Gewicht einzelner Tiere zu erfassen. Zum anderen dient ein Tor in der Zwischenwand der Doppelbucht dazu, Tiere schnell auszusortieren. Die Gruppe wird dann über den Versorgungsgang zur Verladerampe getrieben. „Wir verladen rund 160 Tiere in einer dreiviertel Stunde“, schätzt der Landwirt.

Trotz Großgruppenhaltung und ausgeklügelter Technik ist die Strohhaltung arbeitsintensiver als die Mast in strohlosen Ställen. Umso wichtiger ist, dass die komplette Familie mit anpackt. Die älteste Tochter Lena hat bereits ihre landwirtschaftliche Ausbildung abgeschlossen, und Sohn Tobias hat eine Lehre zum Landmaschinen-Mechatroniker begonnen. „Mit dem Wachstumsschritt in die Mast sowie der Ausrichtung auf die Labelproduktion sind wir für die Zukunft gerüstet. Die nächste Generation steht schon in den Startlöchern“, freuen sich Tanja und Peter Baureis.