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Mit Stromschlägen gegen Pflanzen

Mit dem "Elektroherb" von Zasso können Pflanzen mit Stromschlägen gezielt getötet werden. Das Gerät wurde jetzt getestet. (Foto: Borgmann)

Dieser Beitrag ist zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben (19/2019) erschienen.

Die Idee, Pflanzenwachstum mit Strom zu beenden, mutet im ersten Moment abenteuerlich an. Doch jeder Weidetierhalter hat schon Brennnesseln gesehen, die Kontakt mit einem elektrisch geladenen Weidezaun hatten. Sobald der Funke vom Draht auf die Pflanzenspitze überspringt, zerstört die elektrische Spannung den obersten Bereich des Triebes, der dann verwelkt. Das Unternehmen Zasso aus Aachen hat die Beobachtung zu einem Verfahren für den Flächeneinsatz weiterentwickelt.

Der Werkzeugkasten der Agrarchemie leert sich zusehends und für viele Anwendungen sind keine Alternativen in Sicht. Deshalb steigt der Druck, andere Wege zu beschreiten.

Auszug

Der Werkzeugkasten der Agrarchemie leert sich zusehends und für viele Anwendungen sind keine Alternativen in Sicht. Deshalb steigt der Druck, andere Wege zu beschreiten, enorm. Neben mechanischen Varianten, die auch nicht immer funktionieren, kann die Behandlung von Pflanzen mit Strom eine Möglichkeit sein.

Ziel der Strombehandlung

Auch um Ersatz für das bald wegfallende Reglone in der Sikkation von Kartoffelkraut zu finden, hat die Landwirtschaftskammer NRW bereits 2018 das von Zasso entwickelte Gerät, den sogenannten Elektroherb, auf Versuchsflächen eingesetzt. Das Vorserienmodell wurde nun in einem Zwischenfruchtbestand mit grünem Aufwuchs getestet.

Der Schlepper trägt in der Fronthydraulik die Stromapplikatoren, die über die Pflanzen streichen und ihnen einen heftigen Stromschlag versetzen. (Fotos: Borgmann)

Der Stromschlag soll nicht nur das Chlorophyll in den grünen Pflanzenteilen, also Blätter und Stängel oder Halme, zerstören. Für einen nachhaltigen Erfolg ist es unbedingt notwendig, den Wachstumskegel zwischen Wurzel und Spross so zu schädigen, dass er sich nicht mehr regenerieren kann. Das funktioniert aber nur in Wasser führenden, also grünen Pflanzen, da nur diese Strom leiten.

Ein trockener Boden ist vorteilhaft

Maximilian Koch von Zasso konnte berichten, dass unter feuchten Bedingungen und viel Pflanzenmasse Schlepper schnell an Grenzen stoßen, da es dann schwierig ist, die notwendige elektrische Spannung aufrechtzuhalten. Unter diesen Bedingungen wirkt nach Aussage von Koch der Strom auch nicht so tief in die Pflanze. Ein trockener Bodenzustand ist für eine gute Effektivität vorteilhaft.

Zu einer Fortentwicklung des jungen Verfahrens gehören aber sicher weitergehende Untersuchungen, um die ersten beruhigenden Aussagen zu unterfüttern.

Auzug

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Es erscheint etwas verrückt, Pflanzen gezielt durch Stromschlag zu zerstören. Das Unternehmen Zasso aus Aachen hat ein Gerät entwickelt, das Pflanzen mit einer strombasierten Technologie abtötet. Noch ist der Aufwand allerdings höher als bei gängigen Verfahren.

Dieser Beitrag ist zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben (19/2019) erschienen.

Die Idee, Pflanzenwachstum mit Strom zu beenden, mutet im ersten Moment abenteuerlich an. Doch jeder Weidetierhalter hat schon Brennnesseln gesehen, die Kontakt mit einem elektrisch geladenen Weidezaun hatten. Sobald der Funke vom Draht auf die Pflanzenspitze überspringt, zerstört die elektrische Spannung den obersten Bereich des Triebes, der dann verwelkt. Das Unternehmen Zasso aus Aachen hat die Beobachtung zu einem Verfahren für den Flächeneinsatz weiterentwickelt.

Der Werkzeugkasten der Agrarchemie leert sich zusehends und für viele Anwendungen sind keine Alternativen in Sicht. Deshalb steigt der Druck, andere Wege zu beschreiten.

Auszug

Der Werkzeugkasten der Agrarchemie leert sich zusehends und für viele Anwendungen sind keine Alternativen in Sicht. Deshalb steigt der Druck, andere Wege zu beschreiten, enorm. Neben mechanischen Varianten, die auch nicht immer funktionieren, kann die Behandlung von Pflanzen mit Strom eine Möglichkeit sein.

Ziel der Strombehandlung

Auch um Ersatz für das bald wegfallende Reglone in der Sikkation von Kartoffelkraut zu finden, hat die Landwirtschaftskammer NRW bereits 2018 das von Zasso entwickelte Gerät, den sogenannten Elektroherb, auf Versuchsflächen eingesetzt. Das Vorserienmodell wurde nun in einem Zwischenfruchtbestand mit grünem Aufwuchs getestet.

Der Schlepper trägt in der Fronthydraulik die Stromapplikatoren, die über die Pflanzen streichen und ihnen einen heftigen Stromschlag versetzen. (Fotos: Borgmann)

Ein Schlepper trägt in der Fronthydraulik die zum Boden herabhängenden, gardinenartigen Edelstahlstreifen. Den Strom mit Hochfrequenz und Hochspannung liefert ein Transformator in der Heckhydraulik, den der Schleppermotor über die Zapfwelle antreibt. Die einzelnen Metallstreifen- bündel sind in dem Gerät in drei Reihen angeordnet, die vorderen beiden sind positiv geladen.

Der Stromschlag soll nicht nur das Chlorophyll in den grünen Pflanzenteilen, also Blätter und Stängel oder Halme, zerstören. Für einen nachhaltigen Erfolg ist es unbedingt notwendig, den Wachstumskegel zwischen Wurzel und Spross so zu schädigen, dass er sich nicht mehr regenerieren kann. Das funktioniert aber nur in Wasser führenden, also grünen Pflanzen, da nur diese Strom leiten.

Ein trockener Boden ist vorteilhaft

Das äußere Erscheinungsbild, vor allem der krautartigen Pflanzen, verändert sich mit der Behandlung sofort. Besonders auffällig reagierte der Ölrettich auf der Zwischenfruchtfläche. Die grasartigen Pflanzen, auf der behandelten Fläche hauptsächlich Getreideaufschlag, reagieren viel weniger deutlich auf die Strombehandlung.

Maximilian Koch von Zasso konnte außerdem berichten, dass unter feuchten Bedingungen und viel Pflanzenmasse Schlepper schnell an Grenzen stoßen, da es dann schwierig ist, die notwendige elektrische Spannung aufrechtzuhalten. Unter diesen Bedingungen wirkt nach Aussage von Koch der Strom auch nicht so tief in die Pflanze. Ein trockener Bodenzustand ist für eine gute Effektivität vorteilhaft.

Zu einer Fortentwicklung des jungen Verfahrens gehören aber sicher weitergehende Untersuchungen, um die ersten beruhigenden Aussagen zu unterfüttern.

Auzug

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass mit steigender Arbeitsgeschwindigkeit die elektrische Leistung gleichzeitig parallel zunehmen muss, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Auf der Vorführfläche hätten alternativ Grubber oder Kurzscheibenegge den Aufwuchs beseitigt. Diese hätten aber den Boden gelockert und mit der eindringenden Luft Umsetzungsprozesse in Gang gesetzt. Dabei wird Stickstoff pflanzenverfügbar, den der wachsende Mais erst zu einem viel späteren Zeitpunkt benötigt. In dieser Hinsicht hat die verlängerte Bodenruhe klare Vorteile.

Fazit des Autors

Wenn die elektrische Hochspannung in der Lage ist, grüne, gesunde Pflanzen so weit zu schädigen, dass sie nicht weiterwachsen und eingehen, drängt sich zwangsläufig die Frage auf, ob und wie Bodenlebewesen mit Strom klar kommen. Zu dem Thema gibt es erste Untersuchungen. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass es zwar Verluste gibt, diese sollen aber geringer ausfallen als zum Beispiel durch das Pflügen. Zu einer Fortentwicklung des jungen Verfahrens gehören aber sicher weitergehende Untersuchungen, um die ersten beruhigenden Aussagen zu unterfüttern.

Der Versuch hat außerdem gezeigt, dass das Elektroherb-Gerät noch nicht für alle Anwendungen praxisreif ist, denn auf der Zwischenfruchtfläche konnte es nicht überzeugen. Deshalb sollte aber niemand voreilig den Stab über die Neuentwicklung brechen.