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Studie: Vertikale Landwirtschaft kommt gut an

Eine Studie der Uni Göttingen untersucht die Verbraucherakzeptanz von vertical farming. Ein Ergebnis: Das System ist nahezu unbekannt - kommt aber gut an. (Foto: growing underground)

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Jeder zweite Konsument würde Produkte aus vertikaler Landwirtschaft kaufen. Zu diesem Ergebnis kommen Göttinger Agrarwissenschaftler, die die Akzeptanz neuartiger Etagen-Anbausysteme untersuchen.

Kristin Jürkenbeck (Foto: Uni Göttingen)

Egal ob Infarm, agrilution, farmers cut oder growing underground – die Start-ups, die sich am vertical-farming-Markt etablieren wollen, sprießen derzeit nur so aus der Erde. Aber wie reagieren eigentlich die Kunden auf diese neue Art der urbanen Landwirtschaft?

Das hat jetzt ein Forscherteam der Universität Göttingen untersucht und dabei auch Unternehmen abgefragt, die der f3-Leserschaft keine Unbekannten sind. Die Ergebnisse des Teams um Forscherin Kristin Jürkenbeck sind in der Fachzeitschrift „Sustainability“ erschienen.

Drei Anbausysteme zur Wahl

Die Forscher aus der Abteilung „Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte“ befragten rund 500 Verbraucherinnen und Verbraucher aus Deutschland zu verschiedenen vertikalen Anbausystemen, die teilweise bereits von f3 vorgestellt wurden. Bewertet wurden:

  • ein kühlschrankgroßes Gerät für den Privatgebrauch. Hier diente das System des Münchner Start-ups „agrilution“ als Beispiel. Darin kann in der eigenen Küche auf sogenannten Saatmatten eigenes Gemüse und Kräuter angebaut werden.
  • ein mittelgroßes Gewächshaus, das in Supermärkten steht. Hier bezogen sich die Forscher auf die z.B. bei Edeka stehenden Gewächshäuser von „infarm„. Die Kunden ernten ihre Kräuter gewissermaßen selbst. Das Start-up hat schon mehrere Millionen Euro von Investoren eingesammelt.
  • eine vertikale Farm, die in frühere Industriegebäude gebaut werden kann. Hier wurde den Verbrauchern das Londoner Start-up „growing underground“ zur Bewertung vorgelegt.

Kleiner Kühlschrank, mittelgroßes Gewächshaus oder große Halle? (Fotos v.l.n.r.: agrilution, Piepenbrock, growing underground)

Vertical-farming nahezu unbekannt

Nach Angaben der Studienmacher ist für 81 % der Konsumenten Umweltfreundlichkeit ein wichtiges Thema. Allerdings hatten nur 7 % bereits von vertikaler Landwirtschaft gehört. Interessant ist, dass dennoch die Hälfte der Teilnehmer frische Produkte aus vertikalen Anbausystemen kaufen würde. Zudem zeigt sich: Je größer das System, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass dies als nachhaltig angesehen wird. Die kleinen Systeme für den Hausgebrauch wurden insgesamt schlechter bewertet.

Je größer das System, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass dies als nachhaltig angesehen wird.

Kristin Jürkenbeck

Nur „echte“ Nachhaltigkeit überzeugt

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass bei der Entwicklung der vertikalen Anbausysteme der Fokus insbesondere auf die Nachhaltigkeit gelegt werden sollte“, sagt Kristin Jürkenbeck. „Nur Systeme, die wirklich umweltfreundlich sind, werden die Verbraucher überzeugen“, so die Doktorandin und Hauptautorin der Studie weiter. „Das Thema Nachhaltigkeit wird in allen Lebensbereichen immer wichtiger für Konsumenten. Dies verdeutlichen die öffentlichen Diskussionen und es darf von Unternehmen nicht ignoriert werden“, ergänzt Prof. Dr. Achim Spiller, Leiter der Arbeitsgruppe Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte.

Hintergrund vertical farming

Bei der vertikalen Landwirtschaft (vertical farming) wird das Gemüse und Obst in Etagen übereinander angebaut. Das System benötigt weder direktes Sonnenlicht noch Ackerboden, da die Pflanzen in Nährlösungen bei künstlichem Licht oder Tageslicht wachsen. Die Systeme kommen langsam in verschiedenen Größen auf den Markt. Ein Problem, vor dem alle Systeme stehen, ist der teils hohe Energieverbrauch, den die vollautomatischen Gewächshäuser verbrauchen.