digital farm

Teilen aus Prinzip. Aber mit Prinzipien.

Eine Anschaffung von Maschinen macht nicht zwangsläufig Sinn. Die Maschinenringe helfen beim Landmaschinen-Sharing. Bald auch digital. (Foto: Wobser)

Landwirte müssen Maschinen benutzen - sie besitzen nicht unbedingt. Diesen Grundgedanken verfolgen die Maschinenringe seit 60 Jahren. Doch eine reine Maschinen-Sharing-Plattform zu bauen, reicht dem bäuerlich organisierten Verband nicht. Er will sicherstellen, dass seine Mitglieder eines nicht mit jedem teilen: ihre Daten.

„Ob wir untereinander Maschinen, Wissen oder Daten teilen, ist erstmal egal. Vorhandene Dinge gemeinschaftlich zu nutzen und allen Mitgliedern zu Gute kommen zu lassen - dieser Gedanke ist seit 60 Jahren derselbe.“ Das sagt Erwin Ballis, Geschäftsführer der Maschinenringe Deutschland GmbH und Geschäftsführer des Bundesverbandes der Maschinenringe e.V., über die aktuell laufende Digitalisierungsoffensive des fast 200.000 Mitglieder starken Verbandes.

Digitalisierungsoffensive läuft

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Landwirte müssen Maschinen benutzen – sie besitzen nicht unbedingt. Diesen Grundgedanken verfolgen die Maschinenringe seit 60 Jahren. Doch eine reine Maschinen-Sharing-Plattform zu bauen, reicht dem bäuerlich organisierten Verband nicht. Er will sicherstellen, dass seine Mitglieder eines nicht mit jedem teilen: ihre Daten.

„Ob wir untereinander Maschinen, Wissen oder Daten teilen, ist erstmal egal. Vorhandene Dinge gemeinschaftlich zu nutzen und allen Mitgliedern zu Gute kommen zu lassen – dieser Gedanke ist seit 60 Jahren derselbe.“ Das sagt Erwin Ballis, Geschäftsführer der Maschinenringe Deutschland GmbH und Geschäftsführer des Bundesverbandes der Maschinenringe e.V., über die aktuell laufende Digitalisierungsoffensive des fast 200.000 Mitglieder starken Verbandes.

Dieser feiert in diesem Jahr sein 60. Jubiläum. Doch angestaubt ist seine Grundidee anscheinend noch nicht. Wohl eher so aktuell wie nie, basieren doch fast alle der derzeit vielzitierten Sharing-Plattformen auf demselben Grundgedanken: Airbnb vermittelt Wohnungen, Uber vermittelt Taxifahrten, das Start-up UseMyTec aus Bamberg vermittelt Landmaschinen. Für den Maschinenring nichts Neues. Nur, dass dies bisher nicht digital passiert ist.

Digitalisierungsoffensive läuft

Erwin Ballis, Geschäftsführer der Maschinenringe Deutschland GmbH und Geschäftsführer des Bundesverbandes der Maschinenringe e.V. (Foto: MR)

Wir wollen verhindern, dass der Landwirt die Hoheit über seine Daten verliert und die Daten über den Düngemitteleinsatz plötzlich beim Landtechnikhersteller oder Plattformbetreiber landen.

Erwin Ballis

Und es gibt einen weiteren Unterschied zu den genannten Beispielen. Ballis: „Bei all diesen Anbietern steckt immer ein originäres Vertriebsinteresse dahinter. Bei uns als landwirtschaftliche Selbsthilfeorganisation nicht.“
Warum der Verband das betont, hängt mit dem Datenschatz zusammen, um den es am Ende des Tages bei vielen der derzeit in Entwicklung befindlichen Precision-Farming-Innovationen geht.

Landmaschinen teilen statt besitzen free

Eine Sharing-Plattform für Maschinen – und eine umfassende Agrarmanagementsoftware erst recht – können ja Daten sammeln, die tiefe Einblicke in das Nutzerverhalten, die Maschinenbelastung oder die Bodenbeschaffenheit erlauben. „Wir wollen verhindern, dass der Landwirt die Hoheit über seine Daten verliert und die Daten über den Düngemitteleinsatz plötzlich beim Landtechnikhersteller oder Plattformbetreiber landen“, so Ballis. Längst sind Daten also zu einer unsichtbaren Währung geworden.

Eine Sharing-Plattform reicht nicht

Der Maschinenring beschäftigt nach eigenen Angaben derzeit 15 Mitarbeiter allein dafür, die angebotenen Leistungen des Verbandes auf digitale Füße zu stellen: Arbeitserleichterung, Abrechnung, Mitarbeiter- und Maschinenvermittlung. Da bei jedem Arbeitsschritt des Landwirtes im Stall, auf dem Feld und auf dem Trecker Daten generiert und gesammelt werden können, die für die Zukunft des sogenannten Smart Farmings essentiell sein werden, kann sich eine Digitalstrategie nicht nur auf das Thema Maschinen-Sharing beschränken, so der Gedanke. „Wir wollen eine übergreifende digitale Plattform aufbauen, die das ganze Kerngeschäft des Maschinenrings abbildet“, so der Geschäftsführer. „Dabei zählt, dass der Landwirt entscheiden kann, wer seine Daten nutzt – und wer nicht.“

Kein Start-up als Partner. Sondern SAP.

Als schlagkräftigen Partner hat sich die alteingesessene Vereinigung die deutsche Software-Schmiede SAP ins Boot geholt. „SAP ist ein Software-Haus und kein Datenhändler“, so Ballis über das ausgiebige Anbieter-Screening. „Und wenn 200.000 Mitgliedsbetriebe auf einen Schlag Zugriff auf die Plattform haben sollen, brauchen wir belastbare Serverkapazitäten.“

Wenn 200.000 Mitgliedsbetriebe auf einen Schlag Zugriff auf die Plattform haben sollen, brauchen wir belastbare Serverkapazitäten. Da kommen Start-ups an ihre Grenzen.

Erwin Ballis

Genau hier gelangen nach Ansicht der Maschinenring-Digitalisierer junge Start-ups an ihre Grenzen. Wer nach und nach wächst und Start-up-typisch „lean“ denkt, bei dem sei die Gefahr zu groß, dass die Ideen und Konzepte zwar überzeugen, aber die spätere Umsetzung hinterher schlichtweg hakt.
Und noch ein anderer Punkt fällt bei der Wahl des richtigen Partners aus Sicht der Maschinenringe schwer ins Gewicht: „Bei einem Start-up weiß man nie, wer es irgendwann einmal aufkauft“, so Ballis. „Und an wen in einem solchen Fall die Datenschätze gehen würden.“