farm Interview

Tierfutter aus Insekten selbst herstellen

Noch ist Insektenmehl nicht als Schweine- oder Geflügelfutter zugelassen. Das Start-up "FarmInsect" plant aber schon Insektenzuchtanlagen, die zur Futtermittelherstellung auf landwirtschaftlichen Betrieben stehen könnten. (Foto: Drießen)

Das Start-up "FarmInsect" will Insektenzuchtanlagen an Schweine und Hühnerhalter sowie Aquakulturbetriebe vertreiben, damit diese ihr eigenes Tierfutter herstellen können. Mitgründer Thomas Kuehn gibt Einblicke.

f3 - farm. food. future: Euer Start-up „farminsect“ ist gerade erst durch die Presse gegangen, weil ihr neues Geld eingesammelt habt. Gleichzeitig sucht ihr bei uns im Netzwerk nach Landwirtinnen und Landwirten, die ihr zum Thema Insektenprotein befragen möchtet. Wie passt das zusammen? Nutzt ihr das neue Geld, um die ersten Anlagen bei den Landwirten einzusetzen?

Thomas Kuehn (Foto: FarmInsect)

Thomas Kuehn: Wir haben schon mit vielen Landwirten gesprochen und unsere Lösung an die Bedürfnisse angepasst. Wir suchen interessierte Landwirte, die sich prinzipiell vorstellen können, Insekten auf ihrem Betrieb automatisiert zu halten. Wir wollen die Bedürfnisse der Landwirte optimal mit unserer Anlage abgleichen. 

Das Geld nutzen wir tatsächlich vor allem, um unsere Anlagen und Prototypen weiterzuentwickeln. Wir hatten schon davor einen Vertrag mit einem der größten Fischzüchter Bayerns für die Pilotanlage unterschrieben und stellen die erste Anlage nun im Sommer 2020 bei ihm auf.

Insektenproteine als Futtermittel

f3: Landwirte sollen mit einer Insektenzuchtanlage auf dem Betrieb ihr eigenes Proteinfutter herstellen können. Klingt erstmal gut – die landwirtschaftlichen Betriebe haben aber unter Umständen ganz unterschiedliche Anforderungen an Futter. Wie stellt ihr die Futterqualität sicher?

Der Landwirt kann z.B. Gras, Maisspelze, Biertreber, Weizenkleie, Fallobst, Grünschnitt oder Zuckerrübenschnitzel verfüttern.

Thomas Kuehn

Thomas: Wir erfassen durch die Automatisierung alle wichtigen Messwerte und Inputfaktoren, wie z.B. das Futter für die Insekten. Wir haben auch eine Lösung, um alle Inputstoffe nachverfolgen zu können. Wir wissen zu jedem Zeitpunkt, wie es den Insekten geht, können auch präventiv eingreifen und können dadurch die Qualität sicherstellen. Die Aminosäurenzusammensetzung der Larven ist sehr ähnlich zu Fischmehl.

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Das Start-up „FarmInsect“ will Insektenzuchtanlagen an Schweine und Hühnerhalter sowie Aquakulturbetriebe vertreiben, damit diese ihr eigenes Tierfutter herstellen können. Mitgründer Thomas Kuehn gibt Einblicke.

f3 – farm. food. future: Euer Start-up „farminsect“ ist gerade erst durch die Presse gegangen, weil ihr neues Geld eingesammelt habt. Gleichzeitig sucht ihr bei uns im Netzwerk nach Landwirtinnen und Landwirten, die ihr zum Thema Insektenprotein befragen möchtet. Wie passt das zusammen? Nutzt ihr das neue Geld, um die ersten Anlagen bei den Landwirten einzusetzen?

Thomas Kuehn (Foto: FarmInsect)

Thomas Kuehn: Wir haben schon mit vielen Landwirten gesprochen und unsere Lösung an die Bedürfnisse angepasst. Wir suchen interessierte Landwirte, die sich prinzipiell vorstellen können, Insekten auf ihrem Betrieb automatisiert zu halten. Wir wollen die Bedürfnisse der Landwirte optimal mit unserer Anlage abgleichen. 

Das Geld nutzen wir tatsächlich vor allem, um unsere Anlagen und Prototypen weiterzuentwickeln. Wir hatten schon davor einen Vertrag mit einem der größten Fischzüchter Bayerns für die Pilotanlage unterschrieben und stellen die erste Anlage nun im Sommer 2020 bei ihm auf.

Insektenproteine als Futtermittel

f3: Landwirte sollen mit einer Insektenzuchtanlage auf dem Betrieb ihr eigenes Proteinfutter herstellen können. Klingt erstmal gut – die landwirtschaftlichen Betriebe haben aber unter Umständen ganz unterschiedliche Anforderungen an Futter. Wie stellt ihr die Futterqualität sicher?

Der Landwirt kann z.B. Gras, Maisspelze, Biertreber, Weizenkleie, Fallobst, Grünschnitt oder Zuckerrübenschnitzel verfüttern.

Thomas Kuehn

Thomas: Wir erfassen durch die Automatisierung alle wichtigen Messwerte und Inputfaktoren, wie z.B. das Futter für die Insekten. Wir haben auch eine Lösung, um alle Inputstoffe nachverfolgen zu können. Wir wissen zu jedem Zeitpunkt, wie es den Insekten geht, können auch präventiv eingreifen und können dadurch die Qualität sicherstellen. Die Aminosäurenzusammensetzung der Larven ist sehr ähnlich zu Fischmehl.

f3: Noch ist das Verfüttern von Insektenprotein nur für Aquakultur und Heimtiere erlaubt. Als Schweine- und Hühnerfutter ist es zumindest noch nicht zugelassen. Wann rechnet ihr damit, dass eure Anlagen in der Praxis eines landwirtschaftlichen Betriebes ankommen?

Thomas: Wie schon gesagt, stellen wir die erste Pilotanlage in diesem Sommer bei einem Fischzuchtbetrieb auf. Ganze Insekten dürfen schon heute an Schweine und Hühner verfüttert werden. Für Hühnerfutter wird eine Zulassung für verarbeitete Insekten von der EU noch in diesem Jahr erwartet. Wir sprechen auch schon mit interessierten Landwirten aus diesem Bereich und freuen uns über weitere Anfragen. 

Anlage und Produktionsmenge

f3: Für was für Betriebe rechnet sich eine solche Anlage? Habt ihr ein Rechenbeispiel?

Thomas: Unsere Anlage produziert 20 Tonnen Insektenmehl pro Jahr (t/a). Da sind die schon getrockneten und vom Öl und Chitin getrennten Bestandteile abgezogen. Sie ist besonders für Betriebe ab folgenden Größen geeignet: Fische 100 Tonnen pro Jahr, Hühner 1000 Tiere, Schweine 500 Tiere. Unsere Anlagen können auch für kleinere Betriebe interessant sein, indem sie sich neue Einkommensströme durch den Verkauf der Larven und des Komposts erschließen.

f3: Wie muss man sich die Anlage vorstellen? Wie groß ist sie? Wie viel Tonnen Futter können produziert werden?

Thomas: Unsere Anlage ist modular erweiterbar. Eine Anlage mit ca. 20 t / a getrocknetem Insektenmehl kann auf etwa 30qm aufgestellt werden. Es ist möglich, die Anlage auf mehrere hundert Tonnen getrocknetes Insektenmehl zu erweitern. 

Für Hühnerfutter wird eine Zulassung für verarbeitete Insekten von der EU noch in diesem Jahr erwartet.

Thomas Kuehn

Wir liefern dem Landwirt wöchentlich Junglarven mit unserer Transportlösung. Das heißt, die Fliegen und Eier sind zentral bei uns. Beim landwirtschaftlichen Betrieb wird die Aufzucht der Junglarven in einer Klimakammer durchgeführt. Daneben gibt es noch eine Mühle und einen Mischtopf, um das Futter für die Insekten aufzubereiten. Die Larven sind in Kisten, die sich wiederum auf Rollwägen befinden. In der sogenannten Boxhandling-Station werden die Kisten automatisch auf ein Sieb entleert, bei dem die Larven vom hochwertigen Kompost getrennt werden. Die Kisten werden automatisch mit dem neuen Futter und der nächsten Generation an Junglarven befüllt und zurück in den Rollwagen gestellt.

f3: Wieviele Arbeitskräfte müsste der Landwirt für eine solche Anlage einplanen? Oder läuft sie automatisiert?

Thomas: Die Anlage läuft weitestgehend automatisiert. Je nach Größe rechnen wir ab einem Personentag / Woche. 

Fliegen und ihr Futter

f3: Woher kommen die Fliegen?

Thomas: Wir züchten die Fliegen und Junglarven zentral bei uns. Wir können die Junglarven für die Reststoffe des Bauern anpassen.

f3: Welche Inputstoffe „verfüttert“ er?

Thomas: Der Bauer kann sehr viele Inputstoffe verfüttern, die bei ihm lokal auf dem Hof oder in der Region anfallen. Die Schwarze Soldatenfliege kann eine Vielzahl von Reststoffen verwerten. Hier eine kleine Auswahl: z.B. Gras, Maisspelze, Biertreber, Weizenkleie, Fallobst, Grünschnitt, Zuckerrübenschnitzel.

f3: Wieviel Input führt zu wieviel Futter?

Thomas: Ca. 1.750 t Reststoffe führen zu 375 t Larven. Daraus entstehen rund 130 t Insektenmehl. Die meisten Reststoffe sind feucht, so erklärt sich das hohe Gewicht. Der Preis für die teuersten Reststoffe liegt bei 55 € / t, viele liegen darunter. Für einige Reststoffe bekommt man sogar Geld, wenn man sie abnimmt, da andersfalls die Entsorgung bezahlt werden muss.