digital farm Interview

Über den Studiengang: Precision Farming

Der Umgang mit Drohnen ist nur ein kleiner Teil des neuen Studiengangs "Precision Farming" in Höxter, NRW. (Foto: Waldeyer)

Ein Interview mit Prof. Dr. Burkhard Wrenger von der Hochschule in Höxter, Nordrhein-Westfalen. Er hat den neuen Studiengang "Precision Farming" ins Leben gerufen.

f3 - farm. food. future: Die Hochschule Ostwestfalen-Lippe (OWL) startet am Standort Höxter zum Wintersemester einen neuen Studiengang „Precision Farming“. Was steckt dahinter?

Initiator des neuen Studiengangs: Prof. Dr. Burkhard Wrenger

Prof. Dr. Burkhard Wrenger: In der modernen Landwirtschaft halten immer mehr hoch automatisierte Maschinen Einzug. Dadurch wandelt sich das klassische Berufsfeld des Landwirts bzw. Agrar­wissenschaftlers. Noch mehr Management und Optimierung der Betriebs- und Ablaufplanung sowie Big-Data-gestützte Voraussagen zum optimalen Behandlungstermin oder Erntezeitpunkt, eine punktuelle Düngung sowie ein noch zielgerichteter Pflanzenschutz sind einige Beispiele dafür. Viele technische und wissenschaftliche Grundlagen für solche He­rausforderungen wurden an der Hochschule OWL schon in den bisherigen Studiengängen für Umweltwissenschaften vermittelt. Da lag eine Erweiterung des Studien­angebotes auf den Agrarbereich nahe – zumal uns etliche Vertreter der Landwirtschaft aus der Region in unserem Vorhaben bestärkt haben.

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Ein Interview mit Prof. Dr. Burkhard Wrenger von der Hochschule in Höxter, Nordrhein-Westfalen. Er hat den neuen Studiengang „Precision Farming“ ins Leben gerufen.

f3 – farm. food. future: Die Hochschule Ostwestfalen-Lippe (OWL) startet am Standort Höxter zum Wintersemester einen neuen Studiengang „Precision Farming“. Was steckt dahinter?

Initiator des neuen Studiengangs: Prof. Dr. Burkhard Wrenger

Prof. Dr. Burkhard Wrenger: In der modernen Landwirtschaft halten immer mehr hoch automatisierte Maschinen Einzug. Dadurch wandelt sich das klassische Berufsfeld des Landwirts bzw. Agrar­wissenschaftlers. Noch mehr Management und Optimierung der Betriebs- und Ablaufplanung sowie Big-Data-gestützte Voraussagen zum optimalen Behandlungstermin oder Erntezeitpunkt, eine punktuelle Düngung sowie ein noch zielgerichteter Pflanzenschutz sind einige Beispiele dafür. Viele technische und wissenschaftliche Grundlagen für solche He­rausforderungen wurden an der Hochschule OWL schon in den bisherigen Studiengängen für Umweltwissenschaften vermittelt. Da lag eine Erweiterung des Studien­angebotes auf den Agrarbereich nahe – zumal uns etliche Vertreter der Landwirtschaft aus der Region in unserem Vorhaben bestärkt haben.

f3: Ein klassisches Agrarstudium ist das aber nicht, oder?

Prof. Wrenger: Nein! In Höxter geht es um einen Spezialbereich der Landwirtschaft – allerdings um einen mit Zukunfts­potenzial, wie wir finden: Im Studiengang „Precision Farming“ sollen Innovationen rund um die Sensortechnik, Fernerkundung, Satellitenbild-Auswertungen und vieles mehr im Vordergrund stehen. So können beispielsweise IT-vernetzte Kameras und Sensoren Unkraut und Stresszustände wie Nährstoff- oder Wassermangel sowie Krankheiten erkennen. Dadurch kann diese Technik bei der Bestandsführung im Acker­bau enorm hilfreich sein.

Die Tierhaltung bleibt (vorerst) außen vor.

Prof. Dr. Wrenger, Hochschule Höxter, Nordrhein-Westfalen

Um unsere Studenten gut und fundiert auszubilden, beinhaltet der neue Bachelor-Studiengang neben den agrarwissenschaftlichen Grund­lagen drei weitere fachliche Schwerpunkte: Informatik und Digitalisierung, Mecha­tronik und Automatisierung sowie Umwelt­informations­systeme.

Die agrarwissenschaftlichen Studieninhalte werden zumindest in der Anfangs­zeit durch externe Lehr­beauftragte vermittelt, für die übrigen Schwerpunkte haben wir hier in Höxter ausgewiesene Fachleute. Die Fachthemen des Studien­ganges werden sich zunächst um die Außenwirtschaft drehen. Die Tierhaltung bleibt (vorerst) außen vor.

AgTech – was ist das eigentlich?

Als Regelstudienzeit sind insgesamt sieben Semester angesetzt, wobei im fünften und siebten Semester verschiedene Projektarbeiten vorgesehen sind. Das sechste Semester ist als Praxis- oder Auslandssemester eingeplant, um das erworbene Wissen zum „Precision Farming“ nicht nur in der Theorie nutzen zu können. Unsere Absolventinnen und Absolventen werden schließlich später Aufgaben in landwirtschaftlichen Betrieben, Dienstleistungs- und Beratungunterneh­men oder bei Herstellern von Agrar­maschinen übernehmen. Sie planen und entwickeln landwirtschaftliche Produktions- und Haltungsanlagen, werten Daten aus und unterstützen und verantworten landwirtschaftliche Entscheidungsprozesse. Darauf gilt es, die Studierenden vorzubereiten.

f3: Was erwartet die jungen Leute am Hochschulstandort Höxter?

Prof. Wrenger: Die Hochschule OWL ist eine staatliche Fachhochschule (FH) an den drei Standorten Lemgo, Detmold und Höxter sowie am Studien­ort Warburg. Die Studiengänge sind praxisnah konzipiert. Höxter selbst ist mit knapp 15.000 Einwohnern in der Kern­stadt und zurzeit rund 1000 Studierenden keine klassische Studentenstadt, hat aber gleichwohl eine lange Studientradition. Seit Jahrzehnten haben hier unzählige junge Menschen den Grundstein für ihre berufliche Karriere gelegt.

Aus fachlicher Sicht ist Höxter ein anerkanntes Zen­trum für Umweltwissenschaften, an dem ökologische Aspekte in den technischen Studiengängen eine zentrale Rolle spielen. Dies gilt für die in NRW einmalige Landschaftsarchitektur gleichermaßen wie für das Umwelt­ingenieur­wesen oder die Geo- und Umweltinformatik.

Der Roboter von EcoRobotix erkennt selbstständig Unkraut und entfernt es. (Foto: EcoRobotix)

Die Atmosphäre ist hier eher familiär-überschaubar. Die Arbeits­gruppen­größen bei den Studierenden bewegen sich oftmals zwischen 15 und 25 Personen. Zu den Vorlesungen kommen in der Regel rund 40 Interessierte. Mit diesen Personenzahlen planen wir auch den neuen Studiengang, wobei wir auf eine große Bandbreite eingestellt sind. Noch lässt sich schwer abschätzen, wie groß der Andrang der „Precision Farming“-Interessierten ist.

f3: Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um in Höxter „Precision Farming“ studieren zu können?

Prof. Wrenger: Wer bei uns studieren will, benötigt einen Fachhochschulabschluss oder eine als gleichwertig anerkannte Vorbildung. Ein Praktikum ist nicht notwendig, kann aber für das Studium hilfreich sein. Einen Numerus clausus gibt es für den Studiengang nicht. Neben den formalen Bedingungen sollten die Interessenten natürlich Freude an der Kombination aus Landwirtschaft, Automatisierung und IT bzw. Datentechnik sowie Datenverarbeitung haben und ein gewisses Maß an technischem Verständnis mitbringen.

Wer sich für das Studium interessiert, kann sich gerne bei uns näher informieren, und wer sich entschieden hat, kann sich ab sofort für den Studiengang „Precision Farming“ einschreiben. Der Bewerbungszeitraum endet am 15. Juli 2018.


Dieser Artikel ist zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben erschienen.