future Perspektivwechsel

Urban Food: Ein Trend, unterschiedliche Ansätze

Wie können wir zukünftig eine wachsende Stadtbevölkerung ernähren? Ideen und erste Ansätze gibt es bereits. (Foto: Courtesy /Sasaki.com)

Erdbeeren in Containern, Pilze in Schränken und Kräuter auf Hochhausdächern: Laut Trendforscherin Hanni Rützler werden in Zukunft auch immer mehr städtische Flächen für den Anbau von Lebensmitteln genutzt. „Urban Food steht für ein neues Bewusstsein und eine daraus entstehende Bewegung, die substanzielle Alternativen für unser Ernährungssystem entwickelt“, schreibt sie im Food Report 2020. Bereits zum siebten Mal ordnet die Ernährungsexpertin Entwicklungen der Branche ein. Demnach steht dem Megatrend „Gesundheit“ und den Forderungen nach Nachhaltigkeit, der Megatrend „Urbanisierung“ gegenüber.

Lebensmittel werden nicht nur von Bauern auf dem Land produziert, sondern auch von Städteplanern und Architekten von Anfang an eingeplant.

Auszug Food Report 2020

Auch die Experten des Panels „Foodtropolis. Urban.Circular.Food." vom Global Food Summit, welches vergangene Woche in Berlin stattfand, sind sich einig, dass Lebensmittel zukünftig vermehrt in urbanen Räumen erzeugt werden. Argumente wie „Unabhängigkeit von Wetter und Klima“, „lokale Produktion“ und der „Verzicht von Pestiziden“, wenn in geschlossenen Systemen angebaut wird, hätten einen Einfluss auf die Entwicklung von städtischer Landwirtschaft. „Die Anwendung neuer, smarter Technologien hilft nicht nur bei der Entwicklung nützlicher und nachhaltiger Ideen, sondern verlagert auch die Produktion von Lebensmitteln in Zukunft zunehmend dorthin, wo sie vor allem konsumiert werden“, schreibt Rützler dazu im Food Report.

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Die Weltbevölkerung wächst. Davon sind insbesondere Städte und Metropolen betroffen. Um die Menschen auch in Zukunft ernähren zu können, braucht es neue Anbau- und Produktionstechniken – gerade in urbanen Räumen.

Erdbeeren in Containern, Pilze in Schränken und Kräuter auf Hochhausdächern: Laut Trendforscherin Hanni Rützler werden in Zukunft auch immer mehr städtische Flächen für den Anbau von Lebensmitteln genutzt. „Urban Food steht für ein neues Bewusstsein und eine daraus entstehende Bewegung, die substanzielle Alternativen für unser Ernährungssystem entwickelt“, schreibt sie im Food Report 2020. Bereits zum siebten Mal ordnet die Ernährungsexpertin Entwicklungen der Branche ein. Demnach steht dem Megatrend „Gesundheit“ und den Forderungen nach Nachhaltigkeit, der Megatrend „Urbanisierung“ gegenüber.

Lebensmittel werden nicht nur von Bauern auf dem Land produziert, sondern auch von Städteplanern und Architekten von Anfang an eingeplant.

Auszug Food Report 2020

Auch die Experten des Panels „Foodtropolis. Urban.Circular.Food.“ vom Global Food Summit, welches vergangene Woche in Berlin stattfand, sind sich einig, dass Lebensmittel zukünftig vermehrt in urbanen Räumen erzeugt werden. Argumente wie „Unabhängigkeit von Wetter und Klima“, „lokale Produktion“ und der „Verzicht von Pestiziden“, wenn in geschlossenen Systemen angebaut wird, hätten einen Einfluss auf die Entwicklung von städtischer Landwirtschaft. „Die Anwendung neuer, smarter Technologien hilft nicht nur bei der Entwicklung nützlicher und nachhaltiger Ideen, sondern verlagert auch die Produktion von Lebensmitteln in Zukunft zunehmend dorthin, wo sie vor allem konsumiert werden“, schreibt Rützler dazu im Food Report.

Auf dem Dach und in Indoor-Schränken

Ideen und erste Ansätze gibt es bereits rund um den Globus: Das Start-up „Brooklyn Grange“ produziert pro Jahr fast 23 Tonnen biologisch angebautes Obst und Gemüse auf Dächern in New York. Auch Stadtfarmen wie „ECF-Farmsystems“ in Berlin, in denen Aquakultur betrieben und Barsche sowie Basilikum erzeugt werden, sind eine Form von Urban Farming. In Supermärkten können Kunden heute ihre Kräuter aus Mini-Gewächshäusern von „infarm“ selber ernten oder sie zuhause in Indoor-Schränken wie von „Agrilution“ züchten.

Gemüse, Pflanzen und Kräuter wachsen in geschlossenen Räumen und Systemen heran.

Und die Ideen gehen noch weiter. „Auch neue Gebäude werden bereits samt Flächen für die städtische Landwirtschaft konzipiert werden. Um dabei auch ohne großen Energiebedarf auszukommen, sind städteplanerische Synergien notwendig: Die Nutzung von Abwärme der städtischen Industrie oder von Wohnanlagen trägt zur Kreislaufidee des städtischen Anbaus bei“, schreibt Rützler. Ein Beispiel dafür ist die Dachfarm Berlin, die auf ungenutzten Flächen „gebäudeintegrierte Landwirtschaft“ betreiben will. Einen anderen Ansatz verfolgt das Projekt „CUBES Circle“, das am Institut für Agrar- und Gartenbauwirtschaft an der Humboldt Universität in Berlin entwickelt wird.

Weg von der linearen Produktion, hin zu Kreislauf-Systemen

In verschiedenen Containern werden Pflanzen, Fische oder Insekten gezüchtet. Die einzelnen „Module“ sind miteinander vernetzt, sodass Abfälle und Reste wieder genutzt werden können. „Die Container sind flexibel und können schnell an Orte gebracht werden, wo die Bedingungen zur Lebensmittelerzeugung nicht so gut sind“, sagte Projektkoordinator Prof. Christian Ulrichs vergangene Woche in Berlin. Bei der zirkulären Bewirtschaftung soll jedes Neben- und Abfallprodukt als Rohstoff wiederverwendet werden.

Konzepte für ökologische Kreislaufsysteme werden die Akzeptanz von Produkten aus urbaner Landwirtschaft positiv beeinflussen.

Auszug Food Report 2020

Auch Dr. Ariane Krause vom Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) beschäftigt sich mit der „Circular Economy“. Die Wissenschaftlerin erklärte in ihrem Vortrag, wie beispielsweise menschlicher Urin genutzt werden kann. Sie verwies auf das Schweizer Forschungsprojekt „Vuna“, in dessen Rahmen Forscher ein Recyclingverfahren entwickelten, bei dem wertvolle Nährstoffe aus Urin gewonnen und als Dünger genutzt werden können. Generell bleibt offen, wie viel Energie beim Anbau in geschlossenen Systemen benötigt wird. Auch der Aspekt der Wirtschaftlichkeit für Betreiber von urbanen Farmen bleibt oftmals ungeklärt.

Beispiele für Urban Food aus dem Food Report 2020

Das Skyfarm-Projekt des Londoner Architekturbüro Rogers Stirk Harbour + Partners ist eine von vielen futuristischen Visionen einer zukünftigen urbanen Landwirtschaft in hoch verdichteten Städten. Die offene Struktur garantiert direktes Licht auf jeder Ebene, Regenwasser wird in einem Tank auf dem Dach gesammelt und zur Bewässerung der nach dem Aquaponic-Prinzip funktionierenden Farm genutzt. Für ausreichende Energie sollen Windturbinen an der Spitze des Gebäudes sorgen. Skyfarm ist momentan erst eine Vision – zeigt jedoch, wie Landwirtschaft künftig organisch in unsere Städte integriert werden kann.

Das derzeit wohl ambitionierteste Urban-Farming-Projekt in großem Stil soll in Shanghai entstehen. Die Architekturfirma Sasaki errichtet einen ganzen Stadtteil, in dem Gemüse für die Millionenstadt erzeugt werden soll. Darüber hinaus geht es aber vor allem um die Zelebrierung des Nahrungsmittelanbaus als eine der wichtigsten Funktionen von Städten: Kinder lernen, wo Essen seinen Ursprung hat, städtisches Leben wird zu einem landwirtschaftlichen Erlebnis. Die Pläne für dieses Mega-Bauprojekt warten allerdings noch auf den Startschuss seitens der Stadt, um umgesetzt zu werden.