future Gründerwerkstatt Perspektivwechsel

„Verdien‘ dein Geld am Arsch der Welt“

Das Modellprojekt Lokalhelden besteht aus drei Säulen. Eine von ihnen ist eine aktive Community. (Foto: Lokalhelden/Jan Kraus)

Lokalhelden gründen anders. Sie nehmen das, was die Region ihnen bietet - vom leerstehenden Gebäude über Rohstoffe bis hin zu Kreativität - und setzen es in Wert. Heraus kommen die unterschiedlichsten Projekte, die jungen Menschen eine Bleibeperspektive im ländlichen Ostdeutschland bieten - am selbsternannten "Arsch der Welt".

Das Problem ist bekannt: Der demographische Wandel trifft viele ländliche Räume besonders hart. Junge, gut ausgebildete Menschen wandern in  Großstädte, die aus allen Nähten platzen. Auf dem Land macht sich eine Abwärtsspirale breit. Wo weniger Menschen leben, sinkt die Kaufkraft und mit ihr auch die Angebote vor Ort. Einkaufsläden und Schulen schließen, die Attraktivität der Räume sinkt noch mehr.

Das Modellprojekt Lokalhelden setzt dieser Abwärtsspirale etwas entgegen. Es fördert junge Menschen, die im ländlichen Raum Ostdeutschlands gründen und leben wollen. Der Unterschied zu anderen Entrepreneurship-Modellen: Die Gründer werden als lokale Akteure  - als Lokalhelden - gesehen, die die Lebensqualität vor Ort beeinflussen. Nachhaltige Existenzgründungen als Beitrag einer zukunftsfähigen Regionalentwicklung, so die Idee des Projektes. Entwickelt und durchgeführt wird es vom Verein Wertewandel – soziale Innovation und demokratische Entwicklung, gefördert von der schweizer Stiftung Drosos.

Gründen mit Sinn und Gewinn

Bewerben kann sich am Lokalhelden-Programm, wer folgende Vorraussetzungen erfüllt:

  • Gründung im ländlichen Raum Ostdeutschlands.
  • Ökologisch nachhaltige oder soziale Gründungsidee, die auch Inspiration für die Region ist.
  • Nutzung von Potenzialen der Region, d.h. es muss eine regionale Wertschöpfung erfolgen.
  • Persönlichkeit, der man eine Gründung zutraut.

Selbstverwirklichung ganz weit draußen - das Modellprojekt Lokalhelden unterstützt junge Gründer bei der Entwicklung, Planung und Umsetzung ihrer Projekte. (Fotos: Lokalhelden / Jan Kraus).

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Lokalhelden gründen anders. Sie nehmen das, was die Region ihnen bietet – vom leerstehenden Gebäude über Rohstoffe bis hin zu Kreativität – und setzen es in Wert. Heraus kommen die unterschiedlichsten Projekte, die jungen Menschen eine Bleibeperspektive im ländlichen Ostdeutschland bieten – am selbsternannten „Arsch der Welt“.

Das Problem ist bekannt: Der demographische Wandel trifft viele ländliche Räume besonders hart. Junge, gut ausgebildete Menschen wandern in Großstädte, die aus allen Nähten platzen. Auf dem Land macht sich eine Abwärtsspirale breit. Wo weniger Menschen leben, sinkt die Kaufkraft und mit ihr auch die Angebote vor Ort. Einkaufsläden und Schulen schließen, die Attraktivität der Räume sinkt noch mehr.

Das Modellprojekt Lokalhelden setzt dieser Abwärtsspirale etwas entgegen. Es fördert junge Menschen, die im ländlichen Raum Ostdeutschlands gründen und leben wollen. Der Unterschied zu anderen Entrepreneurship-Modellen: Die Gründer werden als lokale Akteure  – als Lokalhelden – gesehen, die die Lebensqualität vor Ort beeinflussen. Nachhaltige Existenzgründungen als Beitrag einer zukunftsfähigen Regionalentwicklung, so die Idee des Projektes. Entwickelt und durchgeführt wird es vom Verein Wertewandel – soziale Innovation und demokratische Entwicklung, gefördert von der Schweizer Stiftung Drosos.

Gründen mit Sinn und Gewinn

Bewerben kann sich am Lokalhelden-Programm, wer folgende Voraussetzungen erfüllt:

  • Gründung im ländlichen Raum Ostdeutschlands.
  • Ökologisch nachhaltige oder soziale Gründungsidee, die auch Inspiration für die Region ist.
  • Nutzung von Potenzialen der Region, d.h. es muss eine regionale Wertschöpfung erfolgen.
  • Persönlichkeit, der man eine Gründung zutraut.

Selbstverwirklichung ganz weit draußen – das Modellprojekt Lokalhelden unterstützt junge Gründer bei der Entwicklung, Planung und Umsetzung ihrer Projekte. (Fotos: Lokalhelden / Jan Kraus)

Nicht der schnelle Profit oder die Skalierbarkeit einer Idee steht im Fokus. Die Förderung soll vielmehr junge Menschen dazu befähigen, unternehmerisches Handeln gemeinsam mit einer sozialen und ökologischen Verantwortung ihrer Umwelt gegenüber zu denken. Gründen mit Sinn und Gewinn quasi.

Die Förderung soll junge Menschen dazu befähigen, unternehmerisches Handeln gemeinsam mit einer sozialen und ökologischen Verantwortung zu denken.

Selbstverständnis des Projektes Lokalhelden

Das Lokalhelden-Projekt setzt dazu in einem relativ frühen Gründungsstatus an. Drei Bausteine helfen den Gründungswilligen bei Ideenentwicklung und der Netzwerkbildung und greifen auch finanziell unter die Arme.

Die drei Lokalhelden-Säulen

  • Die Gründerwerkstatt ist ein nebenberufliches Unterstützungsprogramm, das Starthilfe bei der Selbstständigkeit im ländlichen Raum leistet. 35 Teilnehmer werden über die Dauer von drei Jahren durch Mentoren begleitet. Die Gründerwerkstatt ist in zwei Phasen unterteilt: In den ersten zwei Jahren geht es um eine gründliche Vorbereitung der Gründung. In Projektwochen, Workshop-Wochenenden und Webinaren steht die Ausarbeitung des Geschäftsmodells im Fokus. Im dritten Jahr geht es dann hauptsächlich um die Gründung an sich. Die Teilnahme an der Gründerwerkstatt hat nach Auskunft der Initiative einen Wert von ca. 15.000 €, alle 35 Teilnehmenden erhalten ein Ausbildungsstipendium. Für formale Gründungskosten oder die Produktion von Prototypen können zudem Stipendien bis zu einer Höhe von 2.000 € vergeben werden.

35 junge Gründer werden derezeit in der Lokalhelden-Gründerwerkstatt gefördert. 19 von ihnen verfolgen Ideen aus dem Bereich der Land- und Ernährungswirtschaft. (Fotos: Lokalhelden / Jan Kraus / Georg Moritz)

  • In der Akademie werden ausgewählte Module der Lokalhelden Gründerwerkstatt sowie Veranstaltungen für die Einwohner der Region geöffnet. Die Inhalte reichen vom Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten und der Entwicklung von Nebenerwerbs-Modellen bis hin zu Dorfentwicklung und Partizipation in der Regionalentwicklung.
  • Die Community soll die Lokalhelden-Teilnehmer, Bewohner und Akteure des ländlichen Raums und Projekt-Partner zusammenbringen. Hier geht es vor allem darum, gute Beispiele sichtbar zu machen und ein Netzwerk aufzubauen

Die Lokalhelden-Projekte

Die Teilnehmer und ihre Projekte sind vielfältig. Die Mehrheit der Gründungsideen hat einen Bezug zur Land- und Ernährungswirtschaft. Unterstützt werden aber auch Projekte aus den Bereichen Handwerk, Kultur, Bildung und Tourismus.

So baut Aaron Göpper in Gewächshäusern aus DDR-Zeiten regionales Gemüse in Mischkultur und mit wenig Pflanzenschutz an. Der Verein Libken hat dagegen einen alten Plattenbau vor dem Abriss bewahrt und dort einen neuen „Denk- und Produktionsort“ geschaffen.

Eigentlich sollten die Gewächshäuser am Rande der Mecklenburger Seenplatte abgerissen werden. Aaron Göpper hat sie davor bewahrt. (Fotos: Lokalhelden)

Mitten in der Uckermark ist aus einer „alten Platte“ ein Arbeits- und Rechercheraum geworden. Der Verein Libken hat Wohneinheiten hergerichtet, Veranstaltungs- und Seminarräume geschaffen und ein umfassenden Kulturprogramm für die Region auf die Beine gestellt (Fotos: Lokalhelden).

Zwei Produkte, zwei Kreisläufe, zwei Standbeine

Neue Runde, neue Gründer

Im kommenden Herbst soll die zweite Lokalhelden Gründerwerkstatt beginnen. Mit dieser zweiten Runde wollen die Lokalhelden-Initiatoren die Gründerwerkstatt – die noch als Modellprojekt läuft – verstetigen. Derzeit sind sie dafür noch auf der Suche nach Unterstützung – auch in finanzieller Form.