Gründerwerkstatt Perspektivwechsel

„Vielleicht muss unsere Generation Landwirtschaft neu denken“

Viktoria Graskemper promoviert zum Thema "Unternehmertum in der Landwirtschaft". Sie fragt sich: wohin geht die Reise der Betriebe? (Foto: B. Lütke Hockenbeck)

Gesättigte Märkte, geringer Spielraum zur Effizienzsteigerung, Gegenwind in der Tierhaltung: Viktoria Graskemper will in ihrer Doktorarbeit herausfinden, wohin die Reise von landwirtschaftlichen Betriebe gehen könnte.

f3 - farm. food. future: Viktoria, du schreibst deine Doktorarbeit an der Uni Göttingen über „Unternehmertum in der Landwirtschaft“ und suchst noch Teilnehmer für deine Umfrage. Was steckt dahinter? Was möchtest du herausfinden?

Viktoria Graskemper: In der Umfrage (hier geht's zur Teilnahme) geht es darum, einen Überblick über die unternehmerischen Aktivitäten in der Landwirtschaft und Einflussfaktoren hierauf zu bekommen. Überall ist vom Landwirt als Unternehmer die Rede. Doch was bedeutet das eigentlich? Das Bild des Landwirts hat sich verändert. Unterhalte ich mich mit meinem Großvater über seine aktive Zeit als „Bauer“, so stand er vor ganz anderen Herausforderungen als mein Vater heute. Zunächst ging es darum, Lebensmittel zu produzieren, damit die Bevölkerung keinen Hunger mehr leiden musste. Dann wurde alles immer effizienter und produktiver. Wir als nachfolgende Generation stehen heute vor wieder neuen Herausforderungen: die gesellschaftlichen Erwartungen und politischen Regulationen sind anders, die Märkte gesättigt. Und das sind nur Beispiele.

Ich möchte mir das Konstrukt „Unternehmertum“ in Bezug auf landwirtschaftliche Betriebe und Betriebsleiter einmal genauer ansehen. Inwiefern sind Landwirte Unternehmer? Wie stellen sie ihre Betriebe zukunftsfähig auf? Ich möchte herausfinden, welche Faktoren Unternehmertum in der Landwirtschaft beeinflussen.

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Gesättigte Märkte, geringer Spielraum zur Effizienzsteigerung, Gegenwind in der Tierhaltung: Viktoria Graskemper will in ihrer Doktorarbeit herausfinden, wohin die Reise von landwirtschaftlichen Betriebe gehen könnte.

f3 – farm. food. future: Viktoria, du schreibst deine Doktorarbeit an der Uni Göttingen über „Unternehmertum in der Landwirtschaft“. Was steckt dahinter? Was möchtest du herausfinden?

Viktoria Graskemper: Überall ist vom Landwirt als Unternehmer die Rede. Doch was bedeutet das eigentlich? Das Bild des Landwirts hat sich verändert. Unterhalte ich mich mit meinem Großvater über seine aktive Zeit als „Bauer“, so stand er vor ganz anderen Herausforderungen als mein Vater heute. Zunächst ging es darum, Lebensmittel zu produzieren, damit die Bevölkerung keinen Hunger mehr leiden musste. Dann wurde alles immer effizienter und produktiver. Wir als nachfolgende Generation stehen heute vor wieder neuen Herausforderungen: die gesellschaftlichen Erwartungen und politischen Regulationen sind anders, die Märkte gesättigt. Und das sind nur Beispiele.

Viktoria erforscht, welche Wege sich für landwirtschaftliche Betriebe auftun könnten. (Foto: B. Lütke Hockenbeck)

Ich möchte mir das Konstrukt „Unternehmertum“ in Bezug auf landwirtschaftliche Betriebe und Betriebsleiter einmal genauer ansehen. Inwiefern sind Landwirte Unternehmer? Wie stellen sie ihre Betriebe zukunftsfähig auf? Ich möchte herausfinden, welche Faktoren Unternehmertum in der Landwirtschaft beeinflussen.

f3: An welche Faktoren denkst du da konkret?

Viktoria: Zunächst soll es um den Landwirt selbst gehen. Inwiefern haben seine Fähigkeiten, Werte und Einstellungen einen Einfluss auf Unternehmertum? Hinzu kommen betriebliche Faktoren, wie Ausrichtung, Standort oder auch Betriebsgröße. Darüber hinaus ist es wichtig, sich auch das Umfeld anzuschauen. Einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss haben mit Sicherheit Familie, Netzwerke und verschiedenste Institutionen.

f3: Jeder Landwirt ist doch schon ein Unternehmer: Welche „Art“ Entrepreneurship meinst du?

Viktoria: Unternehmertum ist zunächst einmal ein sehr weit gefasster Begriff, der viele Unterthemen beinhaltet. Ich habe mein Arbeitsthema bewusst so weit gefasst, weil mich zunächst einmal alle Landwirte mit dem, was sie tun, interessieren. Dies benötige ich, um mir ein möglichst vollständiges Bild machen zu können. „Entrepreneurship“ ist hingegen etwas enger definiert und hat viel mit Innovation und der Gründung neuer Geschäftsfelder zu tun. Eine wie große Rolle diese Ausprägung des Unternehmertums im Kontext landwirtschaftlicher Betriebe allerdings wirklich spielt und wo hier die Reise hingeht, kann ich hoffentlich nach der Befragung beantworten.

Wenn der Weg, den unsere Eltern noch gehen konnten, scheinbar ausgereizt ist, müssen wir neue Wege finden. Vielleicht ist die Herausforderung unserer Generation, Landwirtschaft neu zu denken.

Viktoria Graskemper

f3: Wieso hast du dir ausgerechnet dieses Thema ausgesucht?

Viktoria: Meine Motivation ist vor allem daraus entstanden, dass ich mir als „Kind vom Hof“ selbst die Frage stelle, wo es zukünftig betrieblich hingehen soll. Da ich viele Entwicklungen in der Landwirtschaft und der Gesellschaft in Hinblick auf klassische landwirtschaftliche Produktion kritisch betrachte, faszinieren mich Konzepte, die „anders“ sind. Es ist unheimlich viel im Umbruch, aber inwiefern ist das an der Basis angekommen? Wie denken Landwirte darüber und wie stellen sie ihre Betriebe zukunftsfähig auf? Wovon hängt unternehmerische Aktivität bei Landwirten ab?

Die Alternative zum Aufgeben finden

f3: Welche Entwicklungen siehst du kritisch?

Viktoria: Gesättigte Märkte, geringer Spielraum zur weiteren Effizienzsteigerung. Gerade in Hinblick auf landwirtschaftliche Tierhaltung wird der Gegenwind immer stärker. Die Form landwirtschaftlicher Produktion steht zunehmend in der Kritik. Politische Regulationen nehmen zu. Wir bewegen uns außerdem häufig bei Margen im Centbereich. Immer mehr Betriebe, die aufgeben.

f3: Wohin wird sich die Landwirtschaft deiner Meinung nach in Zukunft entwickeln?

f3 – Das sind wir! free

Viktoria: Wenn ich das wüsste, säße ich jetzt nicht hier. Eine jüngste Umfrage der ISN hat ergeben, dass über die Hälfte der deutschen Sauenhalter in den nächsten Jahren aufgeben wollen. Eine erschreckende Zahl. Wenn der Weg, den unsere Eltern noch gehen konnten, die klassische landwirtschaftliche Produktion auszubauen und weiter zu spezialisieren, scheinbar ausgereizt ist, müssen wir neue Wege finden. Landwirtschaft ist so ein vielseitiger Bereich, dass es vielleicht die Herausforderung unserer Generation ist, Landwirtschaft neu zu denken.

Umfrage sucht Teilnehmer

f3: Auch wenn es gefühlt gerade überall um Start-ups geht, gibt es recht wenige Studien zum Thema. Du musst also eigene Daten erheben. Worum geht es in deiner Umfrage? Wer sollte sie ausfüllen?

Viktoria: In der Umfrage (hier geht’s zur Teilnahme) geht es darum, einen Überblick über die unternehmerischen Aktivitäten in der Landwirtschaft und Einflussfaktoren hierauf zu bekommen. Hierfür suche ich landwirtschaftliche Betriebsleiter und Hofnachfolger, die bereits aktiv im Betrieb mitarbeiten und maßgeblich in dessen Leitung und Entwicklung involviert sind. Je mehr mitmachen, desto besser. Um eine einigermaßen repräsentative Stichprobe zu erhalten, sollten es schon einige hundert Teilnehmer sein. Ein Teilen des Links über soziale Medien, E-Mail-Arbeitskreisverteiler oder sonstige Kanäle ist ausdrücklich erwünscht.