farm Gründerwerkstatt

Voll der Spaten

Das Start-up "stenon" will Landwirten eine laborunabhängige Bodenanalyse anbieten. Die ersten Produkte sollen 2020 an den Markt gehen. (Foto: stenon)

Das Start-up "Stenon" aus Potsdam hat eine Art Sensor-Spaten entwickelt, mit dem Landwirte Nutzbodenanalysen ohne die Mithilfe eines Labors selbst durchführen können. Gründer Dominic Roth hat f3 seine Geschäftsidee erläutert.

f3 - farm. food. future: Eure Geschäftsidee dreht sich um laborunabhängige Nutzbodenanalysen: Erklärt bitte einmal, was genau dahinter steckt.

Bodenanalysen ohne Bodenentnahme. (Foto: stenon)

Dominic Roth: Wir haben eine Messtechnologie entwickelt, mit der Landwirte unabhängig von Laboren ihre Böden analysieren können - und das in Echtzeit und in Laborqualität. Die heute übliche Herangehensweise bei der Bodenanalyse, das Ziehen einer Mischprobe im 3 Hektar-Raster und der damit verbundenen Wartezeit bis das Laborergebnis endlich da ist, gehören somit der Vergangenheit an.

Zudem kann das Messraster durch diese neue Datenverfügbarkeit beliebig eng gewählt werden, wodurch eine genauere, flächenspezifische Bewirtschaftung ermöglicht wird.

Neben der reinen Messung entwickeln wir gemeinsam mit einigen Forschungsinstituten allerdings auch Empfehlungssysteme. Sie sollen den Landwirt auf Basis der erhobenen Daten und in Kombination mit zusätzlichen Angaben wie Region, Fruchtfolge oder bestimmten Bestimmungen gemäß der Düngemittelverordnung bei der optimalen Bewirtschaftung seiner Flächen unterstützen.

Fachfremd - aber den Draht in die Praxis

Niels Grabbert (links) und Dominic Roth haben ein Gerät entwickelt, mit dem Landwirte selbstständig Bodenanalysen durchführen können. (Foto: stenon)

f3 - farm. food. future: Wie kommt ihr ausgerechnet auf diese Idee? Seid ihr selbst Landwirte?

Dominic Roth: Wir sind selbst keine Landwirte, stammen allerdings beide aus ländlichen Regionen. Mein Mitgründer Niels Grabbert kommt aus Niedersachsen und hat mehrere Jahre an einem renommierten Forschungsinstitut Sensoren entwickelt. Ich stamme aus dem Saarland und bin Wirtschaftsingenieur mit Erfahrung in Beratungen und Start-ups.

Die Idee entwickelte sich zunächst durch die Beobachtung der aktuellen Herangehensweise in der Bodenanalyse. Gepaart mit der Erfahrung aus Forschung und Sensorentwicklung war klar, dass dies auch völlig anders umsetzbar ist und damit ein echtes Problem gelöst werden kann.

Bislang haben wir 900.000 € von privaten Investoren und dem VC Atlantic Labs eingesammelt.

Dominic Roth

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Das Start-up „Stenon“ aus Potsdam hat eine Art Sensor-Spaten entwickelt, mit dem Landwirte Nutzbodenanalysen ohne die Mithilfe eines Labors selbst durchführen können. Gründer Dominic Roth hat f3 seine Geschäftsidee erläutert.

f3 – farm. food. future: Eure Geschäftsidee dreht sich um laborunabhängige Nutzbodenanalysen: Erklärt bitte einmal, was genau dahinter steckt.

Bodenanalysen ohne Bodenentnahme. (Foto: stenon)

Dominic Roth: Wir haben eine Messtechnologie entwickelt, mit der Landwirte unabhängig von Laboren ihre Böden analysieren können – und das in Echtzeit und in Laborqualität. Die heute übliche Herangehensweise bei der Bodenanalyse, das Ziehen einer Mischprobe im 3 Hektar-Raster und der damit verbundenen Wartezeit bis das Laborergebnis endlich da ist, gehören somit der Vergangenheit an.

Zudem kann das Messraster durch diese neue Datenverfügbarkeit beliebig eng gewählt werden, wodurch eine genauere, flächenspezifische Bewirtschaftung ermöglicht wird.

Neben der reinen Messung entwickeln wir gemeinsam mit einigen Forschungsinstituten allerdings auch Empfehlungssysteme. Sie sollen den Landwirt auf Basis der erhobenen Daten und in Kombination mit zusätzlichen Angaben wie Region, Fruchtfolge oder bestimmten Bestimmungen gemäß der Düngemittelverordnung bei der optimalen Bewirtschaftung seiner Flächen unterstützen.

Fachfremd – aber den Draht in die Praxis

f3 – farm. food. future: Wie kommt ihr ausgerechnet auf diese Idee? Seid ihr selbst Landwirte?

Dominic Roth: Wir sind selbst keine Landwirte, stammen allerdings beide aus ländlichen Regionen. Mein Mitgründer Niels Grabbert kommt aus Niedersachsen und hat mehrere Jahre an einem renommierten Forschungsinstitut Sensoren entwickelt. Ich stamme aus dem Saarland und bin Wirtschaftsingenieur mit Erfahrung in Beratungen und Start-ups.

Niels Grabbert (links) und Dominic Roth haben ein Gerät entwickelt, mit dem Landwirte selbstständig Bodenanalysen durchführen können. (Foto: stenon)

Die Idee entwickelte sich zunächst durch die Beobachtung der aktuellen Herangehensweise in der Bodenanalyse. Gepaart mit der Erfahrung aus Forschung und Sensorentwicklung war klar, dass dies auch völlig anders umsetzbar ist und damit ein echtes Problem gelöst werden kann.

Bislang haben wir 900.000 € von privaten Investoren und dem VC Atlantic Labs eingesammelt.

Dominic Roth

Da wir keine Landwirte und somit “fachfremd” sind, ist uns die Verbindung und Kommunikation mit der Praxis sehr wichtig. Bevor wir gestartet sind, haben wir mit vielen Landwirten gesprochen, das Problem ausgeleuchtet und den Use-Case validiert. Nach wie vor sprechen wir fast täglich mit Praktikern um deren Perspektiven in unsere Entwicklung einfließen zu lassen.

Das Stenon-Team ist mittlerweile auf acht Mitarbeiter angewachsen. (Foto: stenon)

f3: Was ist das Neue an eurer Idee? Bodenproben entnehmen ist ja erstmal nicht Neues.

Dominic Roth: Das Neue an unserer Technologie ist eben die Möglichkeit der Messung ohne eine Probenentnahme und das damit verbundene Einsenden und die Wartezeiten. Es müssen keine Bodenproben gezogen werden, um relevante Werte wie Nmin (Nitrat, Ammonium), pflanzenverfügbares Phosphor, Kalium, Magnesium und Humusgehalt bestimmen zu können. Zudem liefern wir Daten zur Bodentemperatur, der Bodenfeuchtigkeit, der Bodentextur und zum „Mikro-Klima“, also dem Luftdruck, der -temperatur und -feuchtigkeit.

Zusätzlich stellen die dahinterstehenden Analysemöglichkeiten der Bodendaten und die Integration der gewonnen Erkenntnisse in den Betrieb für Landwirte einen erheblichen Mehrwert dar. Hier ist uns besonders wichtig aus den Daten Empfehlungen abzuleiten und diese sehr einfach anwendbar zu machen. Beispielsweise können Düngemittelempfehlungen sofort im richtigen Datenformat für Streuer exportiert werden. Durch die neue Datenverfügbarkeit unterstützen wir darüber hinaus auch die regenerative Landwirtschaft, da der Landwirt sofort Einblicke zum Bodenzustand erhält.

Das Messraster kann beliebig eng gewählt werden, wodurch eine genauere, flächenspezifische Bewirtschaftung ermöglicht wird.

Dominic Roth

f3: An welchem Punkt befindet ihr euch derzeit? Gibt es schon ein fertiges Produkt, was gekauft werden kann oder seid ihr noch in der Entwicklungsphase?

Dominic Roth: Wir bereiten gerade unseren Marktstart vor. Die Technologie ist an sich einsatzbereit. Es müssen aber noch einige Zertifizierungen durchgeführt und die Produzierbarkeit sichergestellt werden. Wir führen jeden Tag mehrere hundert Messungen durch und bewirtschaften inzwischen auch selbst Flächen, um die bestmögliche Datengrundlage zu erhalten. Auch in dieser Phase entwickeln wir also nah an der Praxis und lassen das Feedback von Landwirten zum Handling des Gerätes erneut in die Entwicklung einfließen.

Finanzierung von Privat und VC

Eine weitere Finanzierungsrunde für den „Sensor-Spaten“ ist für das Jahr 2019 geplant. (Foto: Stenon)

f3: Sucht ihr noch weitere Testbetriebe? f3 baut da so ein Netzwerk auf … 

Dominic Roth: Unsere Suche nach Testbetrieben ist aufgrund des überwältigend positiven Feedbacks aus der Praxis bereits beendet. Wir konnten tatsächlich nicht alle “Bewerbungen” als Testbetriebe annehmen. Wir haben nun allerdings eine Warteliste auf unserer Webseite, auf der sich Interessenten eintragen können. Jede Eintragung hilft uns natürlich auch, Bedarfe besser einschätzen zu können.

f3: Wie seid ihr vorgegangen bei der Gründung? Was war das Schwierigste?

Dominic Roth: Als wir begonnen haben an dem Projekt zu arbeiten, war noch nicht klar, ob daraus mal ein Unternehmen entsteht. Wie gesagt haben wir erstmal den Kontakt zur Praxis gesucht und Informationen gesammelt, ob die Idee der laborunabhängigen Bodenanalyse überhaupt sinnvoll ist. Zudem kam zu diesem Zeitpunkt hinzu, dass wir die Machbarkeit auf der Technologieseite validieren mussten. Erst als wir diese Punkte bejahen konnten, haben wir das Unternehmen gegründet.

Am Markt im Frühjahr 2020

f3: Wie habt ihr das Start-up finanziert?

Dominic Roth: Bis zur Gründung hatten wir alles selbst finanziert.  Allerdings benötigten wir für die Hard- und Software-Entwicklung Geldmittel auf ganz anderem Niveau. Bislang haben wir 900.000 € von privaten Investoren und dem VC Atlantic Labs eingesammelt. Die privaten Investoren sind der ehemalige Geschäftsführer von Roland Berger, Karl Kraus, und der ehemalige CMO von N26, Kelly Ford, sowie ein ehemaliger Manager eines großen Düngemittelkonzerns. In Deutschland sind die Investorenszene und die jährlich investierten Summen deutlich kleiner als beispielsweise in den USA. Die Akquisition von Geldern stellt eine besonders große Hürde dar.

f3: Was sind die nächsten Schritte?

Dominic Roth: Inzwischen sind wir auf 14 Mitarbeiter angewachsen und haben viele technische Hürden genommen. Nun testen wir unsere aktuelle Technologie gemeinsam mit Forschungsinstituten und Testbetrieben. Im Laufe des Jahres folgen weitere Produktiterationen, Zertifizierungen, viele Gespräche mit Landwirten und der weitere Teamaufbau. Auch eine weitere Finanzierungsrunde ist für das Jahr 2019 geplant.

f3: Wenn ihr am Markt seid – was wird ein Messgerät kosten? Kommt ein Betrieb mit einem Mess-Spaten hin?

Dominic Roth: Die ersten Produkte sollen im Frühjahr 2020 an Betriebe gehen. Dafür führen wir ab dem Spätsommer einen Vorverkauf durch, der für die ersten Kunden mit erheblichen Rabatten verbunden ist. Der Endpreis ist noch nicht final bestimmt. Allerdings wird dieser im Vergleich zu den Kosten für Messungen nach heutigen Verfahren einen Vorteil bieten. Natürlich inklusive der erheblichen zusätzlichen Leistungen seitens der Datenanalyse.