farm future

Vom Landwirt zum Klimawirt

Wiebke und Matthias Icken bewirtschaften ihren Betrieb seit 2011 ökologisch. Besonders das Bodenleben liegt ihnen am Herzen. Foto: Icken

Humusaufbau ist für Matthias Icken eine Überzeugungsarbeit. Angefangen mit pflugloser Bearbeitung und ganzjähriger Begrünung seiner Ackerflächen hat er schon vor zwanzig Jahren. Doch seit zwei Jahren will er nicht nur durch den steigenden Ertrag, sondern auch am Verkauf von CO2-Zertifikaten verdienen.

Was gut für das Klima ist, lässt sich heutzutage meistens zu Geld machen. Das dachte sich auch Matthias Icken. Der Landwirt ist vor zwei Jahren in den Handel mit CO2-Zertifikaten eingestiegen. Das heißt, sein Boden speichert zusätzliches CO2 durch einen vermehrten Humusaufbau und der Landwirt erhält dafür eine Vergütung. So zumindest die Theorie.

Die Bodenfruchtbarkeit ist mir eine Herzensangelegenheit.

Matthias Icken

Denn ganz ausgereift ist das Konzept noch nicht. Doch für Matthias Icken ist das nicht entscheidend. Schon lange bevor der Hype um den Humusaufbau losging, setzte er auf die Verbesserung seines Bodenlebens und den damit verbundenen Humusaufbau. Dass er seit 2018 seine Arbeit zusätzlich über den Verkauf von Humuszertifikaten honorieren kann, nimmt er als „kleinen Bonus“ gerne mit.

BIS ZU 7% HUMUS

Bevor der Handel mit den Zertifikaten überhaupt denkbar wurde, war es mehr eine Herzensangelegenheit, die Fruchtbarkeit der Böden wiederherzustellen. Seit rund 20 Jahren bearbeitet Matthias Icken seine landwirtschaftliche Fläche an der Nordseeküste im Landkreis Cuxhaven ohne Pflug. Was bei Bodenpunkten von durchschnittlich gerade einmal 60 zwar nur schwer vorstellbar ist, überzeugt den Landwirt hon lange. 2011 stellte er den Betrieb mit Rinder- und Schweinehaltung auf Ökolandbau um.

Ich war erstaunt, dass wir schon bei 7% liegen

Matthias Icken


Obwohl ihm die meisten Berater von der Kombination der pfluglosen Beackerung der schweren Marschböden mit der kologischen Ausrichtung des Betriebes abrieten, setzte Matthias Icken seinen Plan um. Das Ergebnis überzeugt: „Wir können mittlerweile 7% Humus auf unseren Ackerflächen vorweisen. Gestartet sind wir mit weniger als 1%“, schätzt der Ackerbauer. Den genauen Ausgangswert kennt er nicht. „Als wir angefangen haben, war das ganze Thema noch nicht so populär wie heute und wir haben keine exakten Proben genommen.“

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Humusaufbau ist für Matthias Icken eine Überzeugungsarbeit. Angefangen mit pflugloser Bearbeitung und ganzjähriger Begrünung seiner Ackerflächen hat er schon vor zwanzig Jahren. Doch seit zwei Jahren will er nicht nur durch den steigenden Ertrag, sondern auch am Verkauf von CO2-Zertifikaten verdienen.

Was gut für das Klima ist, lässt sich heutzutage meistens zu Geld machen. Das dachte sich auch Matthias Icken. Der Landwirt ist vor zwei Jahren in den Handel mit CO2-Zertifikaten eingestiegen. Das heißt, sein Boden speichert zusätzliches CO2 durch einen vermehrten Humusaufbau und der Landwirt erhält dafür eine Vergütung. So zumindest die Theorie.

Die Bodenfruchtbarkeit ist mir eine Herzensangelegenheit.

Matthias Icken

Denn ganz ausgereift ist das Konzept noch nicht. Doch für Matthias Icken ist das nicht entscheidend. Schon lange bevor der Hype um den Humusaufbau losging, setzte er auf die Verbesserung seines Bodenlebens und den damit verbundenen Humusaufbau. Dass er seit 2018 seine Arbeit zusätzlich über den Verkauf von Humuszertifikaten honorieren kann, nimmt er als „kleinen Bonus“ gerne mit.

BIS ZU 7% HUMUS

Bevor der Handel mit den Zertifikaten überhaupt denkbar wurde, war es mehr eine Herzensangelegenheit, die Fruchtbarkeit der Böden wiederherzustellen. Seit rund 20 Jahren bearbeitet Matthias Icken seine landwirtschaftliche Fläche an der Nordseeküste im Landkreis Cuxhaven ohne Pflug. Was bei Bodenpunkten von durchschnittlich gerade einmal 60 zwar nur schwer vorstellbar ist, überzeugt den Landwirt schon lange. 2011 stellte er den Betrieb mit Rinder- und Schweinehaltung auf Ökolandbau um.

Ich war erstaunt, dass wir schon bei 7% liegen

Matthias Icken


Obwohl ihm die meisten Berater von der Kombination der pfluglosen Beackerung der schweren Marschböden mit der ökologischen Ausrichtung des Betriebes abrieten, setzte Matthias Icken seinen Plan um. Das Ergebnis überzeugt: „Wir können mittlerweile 7% Humus auf unseren Ackerflächen vorweisen. Gestartet sind wir mit weniger als 1%“, schätzt der Ackerbauer. Den genauen Ausgangswert kennt er nicht. „Als wir angefangen sind, war das ganze Thema noch nicht so populär wie heute und wir haben keine exakten Proben genommen.“

WIE STEIGT DER HUMUSGEHALT IM BODEN?

Durch den Verzicht auf den Pflug, konnte Matthias Icken auf seinem Acker das Bodenleben in den vergangenen Jahren stark steigern. (Foto: Icken)

Um den Humusaufbau voranzutreiben, verzichtet er nicht nur auf den Pflug, sondern er setzt auf eine Untersaat im Getreide. „Der Acker muss ganzjährig begrünt sein, damit sich im Boden mehr Humus anreichern kann. Sobald Licht in den Bestand kommt, kann Photosynthese weiter stattfinden. Und wenn das der Fall ist, arbeiten die Mikroorganismen im Boden“, erklärt er.

Seit 2018 hat Matthias Icken einen Vertrag mit einer süddeutschen Firma geschlossen, die sich im CO2-Zertifikathandel spezialisiert hat. Die am Bodensee ansässige Dienstleistungsfirma „Carbocert“ handelt mit CO2-Zertifikaten. Die Humuszertifikate verkauft das Unternehmen an andere Firmen, die ihre CO2-Bilanz verbessern wollen oder müssen.

1% Humusaufbau bringt 1000€ pro Hektar.

Matthias Icken

Derzeit bringt 1% Humusaufbau rund 1000€ pro Hektar. „Ein realistischer Aufbau von Humus liegt bei rund 0,2% pro Jahr – also rund 200 € pro Jahr und ha“, erklärt Matthias Icken. Rund 160 ha hat der Landwirt bei dem Unternehmen angemeldet. Carbocert zieht und bewertet die Bodenproben bei den Landwirten und lässt sich diese Arbeit von ihnen bezahlen. Zudem bekommt das Unternehmen eine Provision bei erfolgreichem Zertifikatvekauf.

Wie viele seine 160 ha der Landwirt gemeinsam mit dem Unternehmen an den Mann bringen kann, ist noch offen. Im Herbst werden die nächsten Bodenproben gezogen und der Zertifikatverkauf kann beginnen.

Klimaschutz durch Humusaufbau

Mehr Humus im Boden, weniger CO2 in der Atmosphäre?
Eine grüne Pflanze nimmt durch Photosynthese CO2 auf und wandelt es in Sauerstoff und Kohlenstoff um. Dabei wird der Sauerstoff an die Atmosphäre abgegeben und der Kohlenstoff bleibt in der Pflanze gebunden. Sobald die Pflanze abstirbt, wird sie wieder in ihre Einzelteile zerlegt. Dabei wird der gebundene Kohlenstoff teilweise in Verbindung mit Sauerstoff zu CO2 umgewandelt und an die Atmosphäre abgegeben.

Werden die Pflanzenteile aber zu Humus umgewandelt, verbleibt der Kohlenstoff und somit das CO2 im Boden. Wird der Humusgehalt im Boden erhöht, reduziert sich der CO2-Gehalt in der Atmosphäre. Umgekehrt bedeutet Humusabbau, dass der fixierte Kohlenstoff zu CO2 abgebaut und das Klima zusätzlich belastet wird.