farm food Story

Von Brüdern und Schwestern

Die Gründerinnen von „Haehnlein" wollen dem Kükentöten entgegen arbeiten. Die Schwestern Annalina (links) und Leonie haben ein Konzept entwickelt, in dem sie sowohl Henne als auch Hahn der Legelinie aufziehen. (Foto: Felix Holland)

Bei Haehnlein wachsen Legehennen und Hähne zusammen auf. Die Initiatorin des Konzepts, Annalina Behrens, wollte sich mit dem Töten der männlichen Küken nicht zufriedengeben, als sie in die Fußstapfen ihres Vaters trat. Zusammen mit ihrer Schwester vermarktet sie heute die Eier der Legehennen und das Fleisch der Hähne.

Haehnlein ist nicht nur die Verniedlichungsform von Hahn, sondern auch der Name eines Ortsteils der Gemeinde Alsbach-Hähnlein in Hessen. Als Annalina Behrens 2012 auf dem Weg von Finkenthal bei Rostock zu einem Kunden im Süden war, brauchte sie noch einen Namen für das, was sie kurz darauf vorstellen würde. Mit der Fahrt durch die knapp 9500-Einwohner-Gemeide war der Name für das Konzept geboren.

Aufzucht der Legehennen-Brüder gilt als unrentabel

Bei Haehnlein wachsen weibliche und männliche Küken zusammen auf. Zumindest solange bis die Hennen in die Eierlege-Laufbahn starten. Während in der Mastlinie sowohl Hahn als auch Henne darauf gezüchtet wurden, viel Fleisch anzusetzen, ist die Legelinie auf die Eierproduktion ausgerichtet. Weil die Hähne keine Eier legen und die Aufzucht für das Fleisch als unrentabel gilt, werden die männlichen Küken in der Regel am ersten Lebenstag getötet.

Annalina Behrens vermarktet auch das Fleisch der Hähne aus der Legelinie. (Foto: haehlein)

Ich habe zu meinem Vater gesagt, dass es auch irgendwie anders gehen muss. Er war offen für alles.

Annalina Behrens

Als Annalina 2011 vor der Entscheidung stand, in die Erzeugergemeinschaft Fürstenhof in Mecklenburg-Vorpommern einzusteigen, konnte sie sich das grundsätzlich vorstellen: „Ich war mir der gängigen Praxis des Kükentötens allerdings auch bewusst und der Meinung, dass es irgendwie anders gehen muss.“ Ihr Vater, Geschäftsführer des Erzeugerzusammenschluss, war offen für alle Vorschläge. Also erarbeitete Annalina ein Konzept, in der die Aufzucht der Hähne sich durch den Verkauf der Legehennen-Eier querfinanziert. Einfacher gesagt: Die Schwestern sorgen mit ihren Eiern dafür, dass die Brüder mit aufgezogen werden können.

Mehr Platz, längere Aufzucht und teure Schlachtung

Die Haehnlein-Eier gehen mit einem Aufpreis von 4 Cent an den Handel. Der Kunde zahlt im Supermarkt für ein Haehnlein-Ei etwa 50 Cent, fast doppelt so viel wie für Bio-Eier vom Discounter. Durch die Einnahmen der Eier können die Mehrkosten bei der Aufzucht der Hähne ausgeglichen werden. Da das Geld erst nach der Aufzucht durch den Verkauf der Eier eingenommen wird, konnten zu Beginn zunächst 30 % der geschlüpften männlichen Küken mit in die Aufzucht. Mittlerweile sind es 50 %. Im Vergleich zur Aufzucht eines Masthähnchens kommen bei den Hähnen aus der Legelinie verschiedene Kostenfaktoren zusammen:

Ein Masthähnchen braucht für ein Kilo Lebensgewicht zirka 1,7 kg Futter. Die Haehnlein-Hähne brauchen 3 kg. Das liegt auch daran, dass sie sich mehr bewegen können. Mit der fünften bis sechsten Lebenswoche haben die Küken Auslauf in einen Wintergarten. Ab der neunten Woche, wenn das Gefieder ausreichend schützt, können sie auch einen Außenbereich nutzen. Der „Extra“-Platz kostet. Etwa vier Haehnlein-Tiere leben auf einem Quadratmeter. Sie bekommen Spielzeug und Beschäftigungsmaterial sowie Stroheinstreu, was wiederrum personal- und dadurch kostenintensiv ist.

Kostenfaktoren: Zeit und Aufwand

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Bei Haehnlein wachsen Legehennen und Hähne zusammen auf. Die Initiatorin des Konzepts, Annalina Behrens, wollte sich mit dem Töten der männlichen Küken nicht zufriedengeben, als sie in die Fußstapfen ihres Vaters trat. Zusammen mit ihrer Schwester vermarktet sie heute die Eier der Legehennen und das Fleisch der Hähne.

Haehnlein ist nicht nur die Verniedlichungsform von Hahn, sondern auch der Name eines Ortsteils der Gemeinde Alsbach-Hähnlein in Hessen. Als Annalina Behrens 2012 auf dem Weg von Finkenthal bei Rostock zu einem Kunden im Süden war, brauchte sie noch einen Namen für das, was sie kurz darauf vorstellen würde. Mit der Fahrt durch die knapp 9500-Einwohner-Gemeide war der Name für das Konzept geboren.

Bei Haehnlein wachsen weibliche und männliche Küken zusammen auf. Zumindest solange bis die Hennen in die Eierlege-Laufbahn starten. Während in der Mastlinie sowohl Hahn als auch Henne darauf gezüchtet wurden, viel Fleisch anzusetzen, ist die Legelinie auf die Eierproduktion ausgerichtet. Weil die Hähne keine Eier legen und die Aufzucht für das Fleisch als unrentabel gilt, werden die männlichen Küken in der Regel am ersten Lebenstag getötet.

Aufzucht der Legehennen-Brüder gilt als unrentabel

Annalina Behrens vermarktet auch das Fleisch der Hähne aus der Legelinie. (Foto: haehlein)

Ich habe zu meinem Vater gesagt, dass es auch irgendwie anders gehen muss. Er war offen für alles.

Annalina Behrens

Als Annalina 2011 vor der Entscheidung stand, in die Erzeugergemeinschaft Fürstenhof in Mecklenburg-Vorpommern einzusteigen, konnte sie sich das grundsätzlich vorstellen: „Ich war mir der gängigen Praxis des Kükentötens allerdings auch bewusst und der Meinung, dass es irgendwie anders gehen muss.“ Ihr Vater, Geschäftsführer des Erzeugerzusammenschluss, war offen für alle Vorschläge. Also erarbeitete Annalina ein Konzept, in der die Aufzucht der Hähne sich durch den Verkauf der Legehennen-Eier querfinanziert. Einfacher gesagt: Die Schwestern sorgen mit ihren Eiern dafür, dass die Brüder mit aufgezogen werden können.

Mehr Platz, längere Aufzucht und teure Schlachtung

Die Haehnlein-Eier gehen mit einem Aufpreis von 4 Cent an den Handel. Der Kunde zahlt im Supermarkt für ein Haehnlein-Ei etwa 50 Cent, fast doppelt so viel wie für Bio-Eier vom Discounter. Durch die Einnahmen der Eier können die Mehrkosten bei der Aufzucht der Hähne ausgeglichen werden. Da das Geld erst nach der Aufzucht durch den Verkauf der Eier eingenommen wird, konnten zu Beginn zunächst 30 % der geschlüpften männlichen Küken mit in die Aufzucht. Mittlerweile sind es 50 %. Im Vergleich zur Aufzucht eines Masthähnchens kommen bei den Hähnen aus der Legelinie verschiedene Kostenfaktoren zusammen:

Ein Masthähnchen braucht für ein Kilo Lebensgewicht zirka 1,7 kg Futter. Die Haehnlein-Hähne brauchen 3 kg. Das liegt auch daran, dass sie sich mehr bewegen können. Mit der fünften bis sechsten Lebenswoche haben die Küken Auslauf in einen Wintergarten. Ab der neunten Woche, wenn das Gefieder ausreichend schützt, können sie auch einen Außenbereich nutzen. Der „Extra“-Platz kostet. Etwa vier Haehnlein-Tiere leben auf einem Quadratmeter. Sie bekommen Spielzeug und Beschäftigungsmaterial sowie Stroheinstreu, was wiederrum personal- und dadurch kostenintensiv ist.

Kostenfaktoren: Zeit und Aufwand

Hinzu kommt der Zeitfaktor: Ein Haehnlein-Hahn wächst vier Mal länger heran als ein Masthähnchen. Die weiblichen und männlichen Haehnlein-Küken kommen noch am Tag des Schlüpfens von der Brüterei in die Aufzucht, wo sie 120 Tage alt werden. Ab diesem Tag starten die Hennen in die Legelaufbahn. Ein Teil der Hähne verbleibt als Leittier bei den Hennen, der andere Teil wird geschlachtet. „Ein Kostenfaktor ist sicherlich auch die Schlachtung. Da unsere Hähne unterschiedlich groß sind, müssen von Hand zerlegt werden“, sagt Annalina.

Nach der ersten Idee folgte 2012 die intensivere Beschäftigung mit dem Konzept. Annalina hatte zuvor BWL studiert, während ihres Studiums bereits ein Unternehmen gegründet und dadurch Kontakte in die Lebensmittelwirtschaft sowie Anknüpfungspunkte in den Handel gewonnen. „Dass ich das Konzept bei uns überhaupt umsetzen konnte, lag auch daran, dass wir das Risiko in der Erzeugergemeinschaft auf viele Betriebe verteilen konnten. Das war ein klarer Vorteil“, beschreibt sie die Anfänge von Haehnlein. „Die Gesellschafter waren für die Problemlösung leicht zu begeistern. Und dass sie sich auch rechnet, haben wir ihnen vorgerechnet.“ (Mehr zur Erzeugergemeinschaft siehe hier unten).

Wir konnten das Risiko in der Erzeugergemeinschaft teilen. Das ist ein klarer Vorteil.

Annalina Behrens

Neben Vater Fritz war auch Schwester Leonie bei der Entwicklung von Haehnlein mit dabei. Leonie studierte Wirtschaftspsychologie und Unternehmensführung und wollte eigentlich nie Bäuerin werden. Als sie im Studium innerhalb eines Social-Media-Projektes ein Markenkonzept erarbeiten sollte, beschäftigte sie sich erstmals genauer mit Haehnlein: „Erst da habe ich gemerkt, dass das, was meine Schwester und mein Vater ins Leben gerufen haben, ganz cool ist.“ Während sich Annalina um die Produktion kümmert, ist Leonie seit zwei Jahren für den Vertrieb und die Vermarktung verantwortlich.

120 Tage lang wachsen männliche und weibliche Küken zusammen auf. Danach wird das Fleisch der Hähne vermarktet. Einige Hähne bleiben als Leittiere bei den Hennen. (Foto: haehnlein)

Herausforderungen bei Vermarktung und Schlachtung

Die Herausforderungen sehen die Schwestern ganz klar bei der Vermarktung der Eier. „Als das Bewusstsein in der breiten Öffentlichkeit 2012 noch gar nicht da war, haben wir auf unsere Eierverpackungen „Aufzucht von Hahn und Henne“ geschrieben. Auf das Thema Kükentöten sollten wir nicht zu offensiv hinweisen“, erzählt Leonie. Durch die öffentliche Diskussion hat es einen Wandel gegeben. „Wir freuen uns, dass es immer mehr Anbieter gibt, die auch die Hähne in der Legelinie mit aufziehen“, sagt Leonie.

Die Schwestern ziehen die „Haehnlein“ allerdings nicht nur auf, sondern vermarkten auch dessen Fleisch. Die Hähne werden bei einem Schlachthof in Mecklenburg-Vorpommern und einem in Niedersachsen geschlachtet. „Einen passenden Schlachter zu finden, war gar nicht so einfach“, erzählen die Schwestern. Außerdem wollten sie nicht einfach nur Frischfleisch in den Handel bringen. „Die Leute wollen heute oft nicht mehr selber kochen und haben wenig Zeit. Also haben wir uns acht Gerichte mit Haehnlein-Fleisch ausgedacht“, berichtet Annalina. Die Tiefkühl-Gerichte haben eine längere Haltbarkeit und gestalten den Vertrieb in die Supermärkte einfacher.


Auch die Einnahmen der Fleischprodukte fließen in die Aufzucht der Hähne. (Foto: haehnlein)

Mit den acht Tiefkühlgerichten, den Salamis aus Bruderhahn-Fleisch und den Eiern der Hennen ist Haehnlein mit drei Produkten in verschiedenen Bio- und Supermärkten vertreten. „Es ist schwierig den Kunden dort das Konzept zu erklären, denn dafür müssten wir sie von der Tiefkühltruhe, zum Eierregal bis zu den Salamis schicken“, erklärt Leonie. Aufsteller, die das gesamte Konzept erklären und in denen die Eier und Salamis präsentiert werden, sollen das Haehnlein-Konzept für den Kunden im stationären Handel einfacher greifbar machen. Über die Online-Plattform Pielerskönnen Kunden die Haehnlein-Produkte auch online kaufen.

Pläne und Perspektiven

Sechs Jahre nach dem Verkauf der ersten Haehnlein-Eier schreiben Annalina und Leonie schwarze Zahlen. „In 2019 wollen wir 100 % Bruderhahnaufzucht betreiben“, sagt Annalina. Dazu wird im Mai eine eigene „gläserne Brüterei“ in Betrieb genommen. Die Küken schlüpfen bei Tageslicht und können dabei über Monitore von Besuchern beobachtet werden. „Für Schulklassen und alle Interessierten haben wir vorne in unserer Brüterei einen gläsernen Besucherraum. Wir wollen zeigen, wie wir arbeiten und Transparenz schaffen“, erzählt Annalina, die den Aufbau der Brüterei geplant hat. Ein weiterer Aufzuchtbetrieb soll außerdem entstehen. Den wird Leonie übernehmen.


Erzeugergemeinschaft Fürstenhof

23 Betriebe gehören zu der Erzeugergemeinschaft Fürstenhof, die zusammen zu den größten Herstellern für Bio-Eier in Deutschland zählt. In Kreislaufwirtschaft wird auf ca. 6.000 ha Bio-Acker das Futtermittel für die Tiere angebaut werden und in der Futtermittelanlage verarbeitet. Rund 300.000 Hennen legen in zwölf Betrieben mit über 40 Ställen die Eier. In zwei Aufzucht-Betrieben wachsen die Hennen und Hähne zusammen auf. Einen betreut Annalina. Auch die Brüterei, die im Mai 2019 in Betrieb genommen wird, wird sie übernehmen.