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Warum wir auch in Städten Nahrung erzeugen müssen

Initiator des Global Food Summits, Stephan Becker-Sonnenschein, über die Vorteile des Urban Farmings. (Foto: pexels.com/Quang Nguyen Vinh)

Kurze Wege, digitale Effizienz, just-in-time-Produktion: Im Gastbeitrag schreibt Stephan Becker-Sonnenschein, Initiator des Global Food Summits München, über die Vorteile einer urbanen Lebensmittelproduktion.

Bereits im Jahr 2050 werden rund 9 Mrd. Menschen auf der Welt leben. Jeder einzelne muss essen. Rund 70 % dieser 9. Mrd werden in infrastrukturell überforderten Multi-Millionen-Metropolen leben und dort rund 80 % der weltweiten Nahrungsmittel konsumieren. Es geht also in Zukunft nicht nur darum, genügend Lebensmittel zu produzieren. Sondern Nahrung dort zu produzieren, wo die Menschen auch leben.

Schon heute "Food Deserts"

Dass Zugang zu frischen Lebensmitteln in Städten schon heute keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt ein Phänomen namens "Food Deserts". Es ist in den USA und in Großbritannien zu beobachten. Dort gibt es Stadtgebiete, in denen Menschen mit niedrigem Einkommen leben und die nächste Einkaufsmöglichkeit für Nahrungsmittel mehr als 1,6 km entfernt liegt. Da diese Gebiete nur unzureichend an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sind und viele der Bewohner kein Auto besitzen, wird die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln zum Problem.

Einer offiziellen Untersuchung zufolge haben rund 26,5 Mio. US-Amerikaner nur unzureichend Zugang zu Nahrungsmitteln.

Stephan Becker-Sonnenschein

Ältere und kranke Menschen sind in diesen Fällen beinahe komplett vom Nahrungsmittelzugang ausgeschlossen. Das Phänomen der „Food Deserts“ hat das US-Ministerium für Landwirtschaft erkannt und definiert: Einer offiziellen Untersuchung zufolge haben rund 26,5 Mio. US-Amerikaner nur unzureichend Zugang zu Nahrungsmitteln.

Derartige Herausforderungen werden bei der Diskussion um zukünftige Ernährung oft vernachlässigt und übersehen. Sie sind jedoch entscheidend für die jetzige Weichenstellung. Urbane Lebensmittelproduktion kann dabei einer der Lösungsansätze sein.

Abfälle als Rohstoff nutzen

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Kurze Wege, digitale Effizienz, just-in-time-Produktion: Im Gastbeitrag schreibt Stephan Becker-Sonnenschein, Initiator des Global Food Summits München, über die Vorteile einer urbanen Lebensmittelproduktion.

Bereits im Jahr 2050 werden rund 9 Mrd. Menschen auf der Welt leben. Jeder einzelne muss essen. Rund 70 % dieser 9. Mrd werden in infrastrukturell überforderten Multi-Millionen-Metropolen leben und dort rund 80 % der weltweiten Nahrungsmittel konsumieren. Es geht also in Zukunft nicht nur darum, genügend Lebensmittel zu produzieren. Sondern Nahrung dort zu produzieren, wo die Menschen auch leben.

Schon heute „Food Deserts“

Dass Zugang zu frischen Lebensmitteln in Städten schon heute keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt ein Phänomen namens „Food Deserts“ (zu dt. Lebensmittelwüsten). Es ist in den USA und in Großbritannien zu beobachten. Dort gibt es Stadtgebiete, in denen Menschen mit niedrigem Einkommen leben und die nächste Einkaufsmöglichkeit für Nahrungsmittel mehr als 1,6 km entfernt liegt. Da diese Gebiete nur unzureichend an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sind und viele der Bewohner kein Auto besitzen, wird die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln zum Problem.

Apps berechnen, wie hoch das Kundenaufkommen in Restaurants sein wird. Dann wird exakt das produziert, was gebraucht wird.

Stephan Becker-Sonnenschein

Ältere und kranke Menschen sind in diesen Fällen beinahe komplett vom Nahrungsmittelzugang ausgeschlossen. Das Phänomen der „Food Deserts“ hat das US-Ministerium für Landwirtschaft erkannt und definiert: Einer offiziellen Untersuchung zufolge haben rund 26,5 Mio. US-Amerikaner nur unzureichend Zugang zu Nahrungsmitteln.

Derartige Herausforderungen werden bei der Diskussion um zukünftige Ernährung oft vernachlässigt und übersehen. Sie sind jedoch entscheidend für die jetzige Weichenstellung. Urbane Lebensmittelproduktion kann dabei einer der Lösungsansätze sein.

Vertikale und Indoor-Farmen sind ein Weg, zukünftig Nahrung in urbanen Räumen anzubauen. (Foto: Farmers Cut)

Abfälle als Rohstoff nutzen

Um natürliche Ressourcen zu schonen, müssen wir den Kreislauf schließen und eine urbane „Circular Food Economy“ etablieren. Damit meine ich: Jedes Abfall- und Nebenprodukt ist gleichzeitig ein neuer Rohstoff zur Wiederverwendung. Es kann entweder für die menschliche Ernährung, für die Verwendung als Tierfutter, für industrielle Zusatzstoffe, für Dünger oder zur Energieerzeugung verwendet werden.

Nur produzieren, was gefragt ist

Intensive interdisziplinäre Forschung und Wissenschaft stellen schon heute andere Methoden für die Lebensmittelproduktion zur Verfügung. So vermeiden Indoor-Farmen Lebensmittelabfälle zum Beispiel durch eine „just in time“-Produktion: Apps können berechnen, wie hoch das Kundenaufkommen in Restaurants sein wird und welche Vorlieben die Kunden haben. Entsprechend wird exakt das produziert und angeliefert, was gebraucht wird.

Der durch Transport und Zwischenlagerung von Frischwaren verursachte Energieverbrauch wird durch urbane, regionale Produktdistribution verringert. Selbst Spezialitäten wie Seewassergarnelen oder tropische Papayas können in Mitteleuropa mittlerweile in Indoor-Farmen hergestellt werden, ohne sie hunderte von Kilometern zu transportieren.


Global Food Summit mit f3-Scheunengespräch

Der Global Food Summit 2020 findet am 25. und 26. März in München statt. Hier findet ihr weitere Informationen und den Ticketverkauf. Am Vorabend des Summits (24.3.) veranstaltet f3 in Kooperation mit dem Global Food Summit ein Scheunengespräch. Zur Anmeldung geht’s hier entlang.