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Internationale Studie zur Fütterung: Was fressen Insekten? free

Ein internationales Forschungsteam untersucht das Ernährungsverhalten von Insekten wie zum Beispiel das von Heuschrecken. (Foto: Philipp Straub / TUM)

Heuschrecken und Grillen könnten einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die wachsende Weltbevölkerung mit ausreichend Proteinen versorgen. Ein internationales Forschungsteam hat nun das Ernährungsverhalten von Insekten untersucht.

Insekten werden als Superfood der Zukunft angepriesen. Mehlwürmer, Grillen, Heuschrecken & Co. werden außerdem als nachhaltige Protein-Alternativen gehandelt. Immer mehr Unternehmen und Start-ups bieten Burger-Patties oder Produkte aus Insekten an und züchten sie selbst. „Wer Tiere professionell und im großen Maßstab halten will, muss exakt wissen, welche Nährstoffe sie brauchen und verwerten können. Und bei Insekten müssen wir das erst herausfinden“, beschreibt Wilhelm Windisch, Professor für Tierernährung der TU München.

Die ganzjährige Versorgung großer Insektenfarmen mit frischem Grün ist praktisch nicht zu realisieren.

Professor Wilhelm Windisch

Zusammen mit einem deutsch-kenianischen Forscherteam hat der Agrarwissenschaftler erstmals systematisch untersucht, wie verschiedene Futtersubstrate Wachstum und Entwicklung von Grillen und Heuschrecken beeinflussen. In der freien Natur ernähren sich beide Gattungen von Blättern. „Doch die ganzjährige Versorgung großer Insektenfarmen mit frischem Grün ist praktisch nicht zu realisieren“, so Windisch. „Man braucht Futtermittel von nachprüfbarer Qualität und Sicherheit, die sich trocknen, lagern und transportieren lassen.“

Enorme gattungsspezifische Unterschiede

Das Forscherteam untersuchte an der TUM und am International Centre for Insect Physiology and Ecology (ICIPE) in Nairobi, wie die beiden Arten auf unterschiedliche Nahrungsangebote reagierten. Verfüttert wurden verschiedenen Trockenfutter-Varianten, die Maisstärke, eiweiß- und faserreiche Augenbohnenblätter, eiweißreiches Sojaextrakt und mit Vitaminen angereichertes Karottenpulver enthielten.

Womit wir nicht gerechnet hatten, sind enorme gattungsspezifische Unterschiede.

Professor Wilhelm Windisch

Die Forscher protokollierten täglich die Menge des zur Verfügung gestellten Futters, wogen die Masse der Exkremente und bestimmten am Ende das durchschnittliche Gewicht der ausgewachsenen Insekten. Über drei Monate hinweg wurden zwei Versuchsrunden durchgeführt und am Ende ausgewertet. „Das Ergebnis hat uns überrascht“, sagt Windisch: „Uns war bewusst, dass der Stoffwechsel und die Verdauung bei Insekten etwas anders ablaufen als bei den bisher gängigen Nutztieren wie Rind, Schwein und Huhn. Womit wir nicht gerechnet hatten, sind enorme gattungsspezifische Unterschiede.“

Biomasse der Insekten verwerten

Heuschrecken beispielsweise können Pflanzenfasern verwerten, die für uns unverdaulich sind. Grillen hingegen scheiden faserreiche Nahrung wieder aus. Heuschrecken wachsen nur schnell, wenn sie Eiweiß bekommen, Grillen brauchen vor allem Stärke. Woher die Unterschiede kommen, ist derzeit noch ungeklärt: In ihrem nächsten Projekt wollen die Forscher untersuchen, welche Enzyme im Darm verschiedener Insekten aktiv sind und welche von ihnen beispielsweise Pflanzenfaser in Glucose verwandeln können.

„Noch steht die Forschung ganz am Anfang, aber mit jedem Ergebnis verstehen wir den Stoffwechsel und den Nährstoffbedarf einzelner Gattungen besser und können diese Ergebnisse nutzen, um beispielsweise in professionellen Insektenfarmen Biomasse zu verwerten, die bisher nicht genutzt wird, weil sie für Menschen nicht essbar ist und auch andere Nutztieren sie allenfalls schlecht verwerten können“, resümiert Windisch.

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