farm future

Dürre: Wasserwirtschaft ganzheitlich diskutieren free

Acker
Die Trockenheit der Äcker in den letzten zwei Jahren zeigt, dass auch ein Umdenken in der Wasserwirtschaft nötig ist. (Foto: Erwin Nowak/Pixabay)

Ausbleibende Niederschläge führen zu einem Umdenken in der hiesigen Wasserwirtschaft. Wie können regionale Wasserressourcen auf Dauer anders genutzt werden? Das war ein Thema auf der Holy Tisch Convention.

Die vergangenen Sommer haben es gezeigt: Der Umgang mit Dürren ist nicht mehr ausschließlich ein Thema des globalen Südens. Besonders spürbar sind die Auswirkungen in der hiesigen Landwirtschaft. Das bestätigten Vinzenz Bauer von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Bezirksstelle Emsland und Ulrich Ostermann vom Kreisverband Wasser und Boden Verbände Uelzen (Niedersachsen) in einer digitalen Diskussion auf der Holy Tisch Convention. Das Thema spiegelt nur einen Aspekt des vielfältigen Konferenzprogramms wider. So wurden darüber hinaus innovative Erzeuger, Start-ups, Investoren, der Lebensmittelhandel sowie Köche, Gastronomen und NGOs zusammengebracht, die „an einem besseren Ernährungssystem arbeiten“ wollen. f3 war Medienpartner.

Entwässerung stoppen

Die Referenten diskutierten online zum Thema Wassermanagement. (Screenshot: Hufelschulte)

Einer der Programmpunkte drehte sich also um den Umgang der Landwirtschaft mit Dürrezeiten. Das Emsland liegt beispielsweise im Westen Niedersachsens. „Hier hat lange nur die Entwässerung eine Rolle gespielt“, erklärte Vinzenz Bauer im digitalen Talk. Moore wurden trocken gelegt, Flüsse begradigt und Abflusssysteme geschaffen. Mittlerweile würde diskutiert, wie dieser Prozess gestoppt und umgekehrt werden könne. Ziel ist jetzt, so der Kammerberater, das Wasser in der Region zu halten. Dass das nötig ist, bezweifle laut Bauer keine der beteiligten Parteien.

Die zeitnahe und sinnvolle Umsetzung ist aber eine Mammutaufgabe. „Wir haben hier ein ganz komplexes Entwässerungssystem“, sagte Bauer. Dieses Bauwerk umzustrukturieren sei mit Kompromissen für die Anrainer und hohen Kosten verbunden. Denn Maßnahmen wie der Einbau kleiner Wehre, Anhebung von Solen, Überlauf-Biotope, Steinaufschüttungen usw. verbrauchen unter anderem Fläche.

Immer mehr Beregnung notwendig

Der Anteil an Flächen in Niedersachsen, die auf Dauer beregnet werden müssen, steigt. (Foto: Berning)

Intensiver Ackerbau ohne Beregnung funktioniere sowohl für konventionelle als auch für biologisch wirtschaftende Betriebe in der Region Uelzen nicht mehr, so Wasserexperte Ulrich Ostermann. Die Beregnung habe im Landkreis einen um das achtfache höheren Verbrauch als die Trinkwasserversorgung. Auch der Anteil an Flächen im Bundesland, die auf Dauer beregnet werden müssen, steigt laut Ostermann: „Peu a peu von den leichten zu den immer besseren Böden.“ Das Grundwasser reicht dafür nicht mehr aus.

Der Anteil an Flächen im Bundesland, die auf Dauer beregnet werden müssen, steigt peu a peu von den leichten zu den immer besseren Böden.

Ulrich Ostermann

Ein Ausweg sei die Speicherung und Wiederverwendung von bereits gebrauchtem Wasser: In drei Wasserspeichern werden z.B. 1,4 Mio. m³ Wasser aus der ansässigen Zuckerrübenfabrik zurückgehalten. „Das ist nahezu die gesamte Wassermenge, die bei der Zuckerproduktion in der Fabrik anfällt und die wir dann wieder für die Beregnung verwenden“, sagte Ostermann. Insgesamt speichern die Tanks 3% des Gesamtwasserbedarfs in Uelzen.

Kanalwasser nutzen

Ein weiteres Projekt beschäftigt sich mit der Nutzung von Kanalwasser. „Überschüssiges“ Wasser wird im Winter zurückgehalten und im Sommer auf den anliegenden Flächen für die Feldfrüchte eingesetzt.

Beim Thema Wasser werden wir nicht umher kommen, regionale Lösungen zu finden und die Verantwortungen regional zu verteilen.

Vinzenz Bauer

Auch in der Trinkwasserversorgung könnte auf Dauer laut Ostermann ein Umdenken nötig sein. 5 bis 10% des verbrauchten Wassers in Haushalten wird in Trinkwasserqualität benötigt. Der Rest nimmt andere Wege und könnte grundsätzlich auch von geringerer Qualität sein. Jedoch bestehe die Infrastruktur für eine getrennte Nutzung von Wasserqualitäten noch nicht.

Gemeinsamer Diskurs

Einig sind sich beide Experten bei der Dringlichkeit des Themas. Die Politik müsse das Wassermanagement deutschlandweit deutlich mehr fördern und beachten. Das Problem sei aber, dass Projekte zur Wassernutzung nicht immer auf alle Regionen des Landes übertragbar sind. „Beim Thema Wasser werden wir nicht umher kommen, regionale Lösungen zu finden und die Verantwortungen regional zu verteilen“, sagt Bauer.


Programm und Rückschau

Wer nochmal einen Blick auf das vielseitige Programm werfen möchte, findet es hier im Überblick. Viele der Sessions können hier oder auf Youtube nachgeschaut werden.

Hat dir der Beitrag gefallen?

Alle Meldungen, Beiträge und Reportagen liest du als f3-Mitglied. Jetzt anmelden und alle Vorteile sichern!

Mitglied werden