digital farm Interview

Web-Direktvermarktung: Wie der Opa, so das Unternehmen

Moritz und Carl sind Web-Entwickler. Mit ihrer Software richten sie sich an Landwirte, die ihre Produkte direktvermarkten wollen. (Foto: Friedhold)

"Friedhold" haben die Brüder Armbrust ihr Start-up genannt. Mit einer Software wollen sie Landwirte bei der Direktvermarktung unterstützen. Im Interview erzählt Moritz, wie es zur Gründung kam.

f3 - farm.food.future: Was ist "Friedhold" und was macht ihr?

Moritz Armbrust: "Friedhold" ist eine Initiative mit dem Ziel, Landwirten mehr Sicherheit durch mehr Verdienst und eigene Kunden zu ermöglichen. Erreicht werden soll das durch eine Software, die alle Bereiche der Direktvermarktung vereinfachen wird. Ein Beispiel ist der Online-Hofladen, der kostenlos in zehn Minuten selber eingerichtet werden kann, statt wie bisher mit wochenlanger Arbeit und hohen Ausgaben. Außerdem vereinfacht Friedhold die Waren- und Kundenverwaltung, das Verschicken von Newslettern, die Logistik und bald auch die Buchhaltung.

Wir haben das Projekt nach unserem Opa benannt, weil er selber mit seinen Produkten vielen Landwirten die Arbeit erleichtert hat.

Moritz Armbrust

f3: Seit wann gibt es euch?

Moritz Armbrust: Im Juli 2019 haben wir mit dem ersten Prototypen und drei Landwirten aus Soltau, Essel und Visselhövede angefangen. Im Juni 2020 haben wir offiziell gegründet und können durch das Gründerstipendium Niedersachsen seitdem Vollzeit an der Weiterentwicklung arbeiten.

Gründung in und mit der Familie

f3: Wie ist es zur Gründung gekommen?

Moritz Armbrust: Der Vater meiner Freundin ist umgestiegen von der Milchproduktion auf den Verkauf von Rindfleisch. Weil die konventionellen Preise sehr schwanken und manchmal sehr niedrig sind, wollte er es gerne direkt vermarkten. Er wusste allerdings nicht genau, wie er es anfangen sollte. Daraufhin haben wir einen Online-Hofladen und eine Direktvermarktungszentrale gebaut, die ihm und zwei weiteren Landwirten gut geholfen hat. Aufgrund des Erfolges haben wir uns auf das Gründerstipendium Niedersachsen beworben und es auch bekommen.

Die Idee für die Software kam aus dem Bekanntenkreis. Ein Landwirt wollte Rindfleisch vermarkten. (Foto: Friedhold)

f3: Wer steckt hinter eurem Start-up?

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„Friedhold“ haben die Brüder Armbrust ihr Start-up genannt. Mit einer Software wollen sie Landwirte bei der Direktvermarktung unterstützen. Im Interview erzählt Moritz, wie es zur Gründung kam.

f3 – farm.food.future: Was ist „Friedhold“ und was macht ihr?

Moritz Armbrust: „Friedhold“ ist eine Initiative mit dem Ziel, Landwirten mehr Sicherheit durch mehr Verdienst und eigene Kunden zu ermöglichen. Erreicht werden soll das durch eine Software, die alle Bereiche der Direktvermarktung vereinfachen wird. Ein Beispiel ist der Online-Hofladen, der kostenlos in zehn Minuten selber eingerichtet werden kann, statt wie bisher mit wochenlanger Arbeit und hohen Ausgaben. Außerdem vereinfacht Friedhold die Waren- und Kundenverwaltung, das Verschicken von Newslettern, die Logistik und bald auch die Buchhaltung.

Wir haben das Projekt nach unserem Opa benannt, weil er selber mit seinen Produkten vielen Landwirten die Arbeit erleichtert hat.

Moritz Armbrust

f3: Seit wann gibt es euch?

Moritz Armbrust: Im Juli 2019 haben wir mit dem ersten Prototypen und drei Landwirten aus Soltau, Essel und Visselhövede angefangen. Im Juni 2020 haben wir offiziell gegründet und können durch das Gründerstipendium Niedersachsen seitdem Vollzeit an der Weiterentwicklung arbeiten.

Gründung in und mit der Familie

f3: Wie ist es zur Gründung gekommen?

Moritz Armbrust: Der Vater meiner Freundin ist umgestiegen von der Milchproduktion auf den Verkauf von Rindfleisch. Weil die konventionellen Preise sehr schwanken und manchmal sehr niedrig sind, wollte er es gerne direkt vermarkten. Er wusste allerdings nicht genau, wie er es anfangen sollte. Daraufhin haben wir einen Online-Hofladen und eine Direktvermarktungszentrale gebaut, die ihm und zwei weiteren Landwirten gut geholfen hat. Aufgrund des Erfolges haben wir uns auf das Gründerstipendium Niedersachsen beworben und es auch bekommen.

Die Idee für die Software kam aus dem Bekanntenkreis. Ein Landwirt wollte Rindfleisch vermarkten. (Foto: Friedhold)

f3: Wer steckt hinter eurem Start-up?

Moritz Armbrust: Hinter Friedhold stecken mein Bruder Carl und ich. Wir kommen aus Visselhövede in Niedersachsen. Wir beide arbeiten seit acht Jahren in der Web-Entwicklung und haben somit Erfahrung, wie man Software-Produkte agil und nutzerzentriert entwickelt. Unser Bruder Nico Armbrust hat bereits ein Start-up gegründet. Er ist mit seiner Erfahrung für uns ein wichtiger Impulsgeber.

f3: Ihr seid also eine Entwickler- und Gründerfamilie. Habt ihr auch Verbindungen zur Landwirtschaft?

Moritz Armbrust: Unser Opa und Namensgeber des Projektes, Friedhold, war selber bis Ende der 80er Jahre Landwirt und hatte rund 1.000 Schweine. Er hat außerdem eine Firma gegründet, die heute europaweit bekannt ist für ihre Schaufeln. Wir haben das Projekt nach ihm benannt, weil er mit seinen Produkten vielen Landwirten die Arbeit erleichtert hat, und dabei stets eine leidenschaftliche und arbeitsame Mentalität an den Tag gelegt hat. Genau das wollen wir jetzt auf unsere Weise leben, im Bereich Software-Entwicklung.

Bisher haben wir 15 Landwirte mit über 500 Kunden zusammengebracht.

Moritz Armbrust

f3: Wo steht ihr aktuell mit eurem Start-up?

Moritz Armbrust: Nachdem wir ein Jahr lang den Prototypen mit drei Landwirten weiterentwickelt haben, haben wir von Juni bis August die erste richtige Version der Software fertig gestellt. Jetzt ist die Software einsatzbereit, sodass jeder Landwirt in zehn Minuten sein eigenen Online-Hofladen einrichten kann. In den vergangenen Wochen haben wir Landwirte auf ihren Höfen besucht und bei der Nutzung über die Schulter geguckt, um mit dem Feedback das Produkt auf die Wünsche von Landwirten maßzuschneidern und es intuitiv bedienbar zu machen. Bisher haben wir 15 Landwirte mit über 500 Kunden zusammengebracht.

Regionale Direktvermarktung-Kooperativen formen

f3: Was muss der Landwirt machen? Was zahlt er an euch?

Moritz Armbrust: Für den Landwirt gibt es keine Hürden bei der Einrichtung. Er hat außerdem kein Risiko, denn für ihn kostet es erst etwas, wenn er seine Ware verkauft hat. Friedhold bekommt 5% Provision von jedem Verkauf, die der Landwirt in seine Preise einkalkulieren kann.

f3: Was sind eure kurz-, mittel- und langfristigen Ziele?

Moritz Armbrust: Kurzfristig wollen wir 100 Landwirten die Arbeit der Direktvermarktung erleichtern, sodass wir unsere Gehälter bezahlen können. Mittelfristig wollen wir Landwirten helfen, regionale Direktvermarktung-Kooperativen zu formen, indem sie mit wenigen Klicks einen gemeinsamen Online-Marktplatz erstellen und sich bei der Auslieferung und Vermarktung gegenseitig helfen können.

Unsere langfristige Vision ist es, dass kein Landwirt mehr ein Gefangener der wilkürlich kalkulierten Weltmarktpreise ist. Jeder Landwirt hat Motivation und eine Perspektive seinen Hof weiter zu führen und kann seinen Nachfahren mit Zuversicht empfehlen den Hof zu übernehmen.