digital farm Interview

Weltraumdaten für Düngung nutzen

Mithilfe der „Solorrow“ App kann der Landwirt Applikationskarten seiner Flächen erstellen. Dadurch soll die Düngung, der Pflanzenschutz oder die Aussaat präziser werden. (Foto: Piepenbrock)

Das Agrar-Start-up „Solorrow“ aus Darmstadt gewann kürzlich den hessischen Gründerpreis. Ihre Idee: teilflächenspezifische Bewirtschaftung auch für kleinere Betriebe. Mitgründer Lionel Born erläutert, wie Weltraumdaten zum eigenen Acker kommen.

f3 - farm.food.future: Lionel, ihr arbeitet mit Infrarot-Satellitenbildern. Wie führen diese Daten zu einer präziseren Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen?

Lionel Born: Wir nutzen Satellitenbilder der nationalen Raumfahrtbehörde NASA und der europäischen Weltraumorganisation ESA. Auf die Daten kann theoretisch jeder kostenlos zugreifen. Und wir machen Sie durch einen von uns entwickelten Algorithmus für Landwirte nutzbar. Der Prozess in der Solorrow App funktioniert so: Der Nutzer wählt zunächst auf der Google Maps Kartenansicht seine Fläche aus. Daraufhin analysiert der Algorithmus die Satellitenbilder der vergangenen fünf Jahre.

Bei der Analyse wird die Biomasseverteilung auf dem Feld betrachtet. Denn, wenn Pflanzen wachsen, betreiben sie Photosynthese und sind unterschiedlich stark grün. In manchen Bereichen eines Feldes wächst mehr Biomasse und in anderen weniger. Ohne eine teilflächenspezifische Bewirtschaftung bekommen daher manche Feldzonen zu viel und andere zu wenig Aufwandmenge. Anhand der Auswertungen durch Solorrow kann der Landwirt teilflächenspezifisch Saatgut, Dünger und Pflanzenschutz ausbringen - ganz egal, welche Kultur er anbaut.

Auf die Daten kann theoretisch jeder kostenlos zugreifen.

Lionel Born

f3: Wie funktioniert der Algorithmus genau?

Lionel Born: Mithilfe von Satellitendaten aus fünf Jahren und einem speziellen Vegetationsindex ermittelt der Algorithmus die Fruchtbarkeit der Fläche in unterschiedlichen Zonen. Die Satellitendaten werden alle drei Tage erhoben. Die Auswertungen spiegeln nicht den aktuellen Wachstumsstand wider, sondern geben das langfristige Feldpotenzial an. Der Algorithmus betrachtet jedes Jahr einzeln und bildet einen Mittelwert aus den fünf Jahren. Der spezielle Vegetationsindex bestimmt durch die Infrarot-Satellitenbilder das Wachstumspotenzial der einzelnen Teilstücke, indem es den Chlorophyll-Gehalt der Pflanzen bestimmt.

Das Team hinter Solorrow: Die vier Gründer Dr. Dietmar Schmidt, Dr. Jürgen Born, Lionel Born, Riazuddin Kawsar und die Produktmanagerin Laura Stephan. (Foto: Solorrow)

Einstieg möglichst einfach und intuitiv

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Das Agrar-Start-up „Solorrow“ aus Darmstadt gewann kürzlich den hessischen Gründerpreis. Ihre Idee: teilflächenspezifische Bewirtschaftung auch für kleinere Betriebe. Mitgründer Lionel Born erläutert, wie Weltraumdaten zum eigenen Acker kommen.

f3 – farm.food.future: Ihr arbeitet mit Infrarot-Satellitenbildern. Wie führen diese Daten zu einer präziseren Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen?

Lionel Born: Wir nutzen Satellitenbilder der nationalen Raumfahrtbehörde NASA und der europäischen Weltraumorganisation ESA. Auf die Daten kann theoretisch jeder kostenlos zugreifen. Wir machen sie durch einen von uns entwickelten Algorithmus für Landwirte erst nutzbar. Die App funktioniert so: Der Nutzer wählt zunächst auf der Google Maps Kartenansicht seine Fläche aus. Daraufhin analysiert der Algorithmus die Satellitenbilder der vergangenen fünf Jahre.

Dabei wird die Biomasseverteilung auf dem Feld betrachtet. Wenn Pflanzen wachsen, betreiben sie Photosynthese und sind unterschiedlich stark grün. In manchen Bereichen eines Feldes wächst mehr Biomasse und in anderen weniger. Ohne eine teilflächenspezifische Bewirtschaftung bekommen daher manche Feldzonen zu viel und andere zu wenig Aufwandmenge. Anhand unserer Auswertungen kann der Landwirt teilflächenspezifisch Saatgut, Dünger und Pflanzenschutz ausbringen – ganz egal, welche Kultur er anbaut.

Auf die Daten kann theoretisch jeder kostenlos zugreifen.

Lionel Born

f3: Wie funktioniert der Algorithmus genau?

Lionel Born: Mithilfe von Satellitendaten aus fünf Jahren und einem speziellen Vegetationsindex ermittelt der Algorithmus die Fruchtbarkeit der Fläche in unterschiedlichen Zonen. Er betrachtet jedes Jahr einzeln und bildet einen Mittelwert. Der Vegetationsindex bestimmt durch die Infrot-Satellitenbilder den Chlorophyll-Gehalt der Pflanzen. Die Satellitendaten werden alle drei Tage erhoben. Somit spiegeln die Auswertungen nicht den aktuellen Wachstumsstand , sondern geben das langfristige Feldpotenzial an.

Das Team hinter Solorrow: Die vier Gründer Dr. Dietmar Schmidt, Dr. Jürgen Born, Lionel Born, Riazuddin Kawsar und die Produktmanagerin Laura Stephan. (Foto: Solorrow)

Einstieg möglichst einfach und intuitiv

f3: Ihr möchtet auch Landwirte mit wenig Fläche und ohne Vorerfahrung im Precision Farming ansprechen. Was macht euch für diese Zielgruppe interessant?

Lionel Born: Für die Nutzung ist nur ein Smartphone oder Tablet und keine weitere Hardware notwendig. Daher ist der Einstieg äußert niedrigschwellig. Außerdem kann der Landwirt durch die kostenlose Version erst einmal ausprobieren, ob Solorrow etwas für ihn ist.

Die Dateneingabe ist intuitiv: Die Feldgrenzen werden automatisch erkannt und die Feldpotenzialkarte erstellt. Im nächsten Schritt gibt der Landwirt die durchschnittliche Dosierung an, die er pro Hektar ausbringen möchte, beispielsweise 100 kg Kalkamonsalpeter pro ha. Diese Menge verteilt Solorrow auf Basis der erkannten Unterschiede im Feld auf die einzelnen Zonen.

Für die Nutzung ist nur ein Smartphone oder Tablet und keine weitere Hardware notwendig.

Lionel Born

f3: Wie kommen die Empfehlungen in diesem Beispiel zum Düngerstreuer?

Lionel Born: Unsere Vision ist, dass wir hersteller- und maschinenunabhängig kompatibel sein wollen. Aktuell ziehen die meisten Landwirte die Daten auf einen USB-Stick und übertragen sie so auf das Terminal des Traktors. Der Traktor leitet die Daten dann an das Anbaugerät weiter. Zusätzlich ist eine Anbindung an den „Agrirouter“ und an „My John Deere“ möglich.

Geld für ein junges Start-up

f3: Wie verdient ihr Geld?

Lionel Born: Aktuell zahlt der Kunde 49€/Monat oder 400€/Jahr, aber erst ab dem dritten Feld. Die ersten beiden Felder können kostenlos getestet werden. In 2020 werden wir ein neues Preismodell anbieten, welches die Betriebsgröße des Landwirts berücksichtigt. 6.000 Kunden haben die App bereits heruntergeladen. Davon nutzen knapp 50 die kostenpflichtige Version. Wir stehen mit Solorrow also noch am Anfang.

f3: Wie läuft die Kapitalbeschaffung?

Lionel Born: Bis zum Ende des Jahres halten wir uns mit zwei Förderprogrammen über Wasser: ein Programm der ESA und das EU Satellitenprogramm „Copernicus“. Derzeit sind wir auf Investorensuche für einen mittleren 6-stelligen Betrag. Gespräche dafür laufen schon.

f3: Wie richtet ihr euch in Zukunft aus?

Lionel Born: Die größte Herausforderung ist es, das Produkt an den Mann zu bringen. Denn auf dem Gebiet der teilflächenspezifischen Düngung tummeln sich einige Anbieter. Langfristig möchten wir im Vertrieb nicht mehr von Landwirt zu Landwirt gehen, sondern bestehende Vertriebskanäle von Maschinenhändlern oder landwirtschaftlichen Beratern nutzen. Das ist auch nötig, denn unser Produkt möchten wir weltweit anbieten.

f3: Wer steht hinter Solorrow?

Lionel Born: 2019 gründeten wir zu viert. Riazuddin Kawsar´s Steckenpferd ist die Satellitentechnologie. Leiter des strategischen Vertriebs ist Dr. Jürgen Born. Der dritte im Bunde ist Landwirt Dr. Dietmar Schmidt, der die landwirtschaftliche Expertise einbringt. Und ich kümmere mich vor allem um die Softwareentwicklung.