farm Forst Story

Wie die Saat, so das Surfbrett

Aus den rasant wachsenden Paulownien sollen nach nur zwölf Jahren Skier, Fahrradrahmen oder Surfbretter entstehen. (Fotos: Plantownia)

Heute säen, nach mehreren Jahrzenten ernten - so sieht die Praxis in der Forstwirtschaft aus. Anders beim Blauglockenbaum, ihm kann man beim Wachsen zugucken: Von April bis Oktober schafft er ganze fünf Meter. Vier Österreicher wollen mit seiner Frucht den Edelholzmarkt erobern.

Wer heute einen Baum fällt, hat ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht eigenhändig gepflanzt. Das durchschnittliche Wachstum einer Buche liegt bei rund 40cm pro Jahr. Es dauert also mehrere Jahrzehnte bis zur Ernte. Darüber lacht der Blauglockenbaum und mit ihm vier junge Österreicher. Der Blauglockenbaum schafft 5m in nur zwölf Monaten. Nach nur zwölf Jahren ist er erntereif.

Matthias Gutmann

Die Gründer des Start-ups „Plantownia“ aus der Steiermark wollen sich diese Schnellwüchsigkeit nicht nur für die Holzernte zu nutze machen. Ihr zweites Standbein ist der Verkauf der Setzlinge an andere Landwirte. Die Brüder Matthias und Roland Gutmann sowie ihr Cousin Lukas Kniely und Dr. Herfried Eisler haben sich zusammen mit einer gehörigen Portion Idealismus auf die Fahne geschrieben, den Blauglockenbaum in der Holzindustrie bekannt zu machen.

Doch wenn es den Unternehmern gelingt, reicht ihr Baumbestand allein nicht aus, um Österreichs Skiindustrie zu beliefern. Stellt sich die Frage: Wie lässt sich ein fast unbekanntes Produkt auf dem Markt etablieren, wenn es zwölf Jahre bis zur Ernte braucht? Was in der Forstwirtschaft ein Wimpernschlag ist, ist in der Start-up-Szene eine halbe Ewigkeit.

Wir haben die Bäume einfach gesetzt - ohne Anleitung. Dann haben wir die Eisheiligen abgekriegt und 90% der Pflanzen verloren.

Matthias Gutmann

BLAUÄUGIGKEIT GEHÖRT DAZU

Obwohl ihr Konzept nach den ersten Pflanzversuchen 2012 im Garten der Großeltern nicht erfolgsversprechend schien, blieben die Quereinsteiger am Ball. Die ersten 300 Stecklinge verziehen ihnen ihr Unwissen nicht: „Einfach gesetzt, ohne Pflegehinweise, ohne Anleitung - und dann haben wir die Eisheiligen abgekriegt“, erinnert sich Matthias. 90% der Pflanzen gingen ein. Der Verwaltungsangestellte und seine drei Mitstreiter sahen diesen Totalausfall jedoch mit anderen Augen: „10% der Pflanzen hatten überlebt und die wuchsen wie wahnsinnig.“

Obwohl die Unternehmer mit dem ersten Anbauversuch gescheitert waren, investierten sie nur wenig später in weitere Versuchsfelder. Die stattliche Summe von 35.000€ Eigenkapital für Zaun, Bewässerungsanlage, Stecklinge und Arbeitszeit floss beispielsweise in ihren zweiten Versuch .

GELDANLAGE GESUCHT, BAUM GEFUNDEN

Angefangen hat alles mit einer zufälligen Begegnung, erzählt Matthias: „2012 wollten wir angespartes Eigenkapital in den Holzmarkt investieren. Wir haben aber schnell gemerkt, dass sich dort viele schwarze Schafe tummeln.“ Die Suche nach möglichen Bäumen, die sie selbst anpflanzen können und die unter Österreichs Klimabedingungen wachsen, führte sie zufällig zur sogenannten Paulownia, dem Blauglockenbaum.

„Wir wollten in ein Modell investieren, dass uns Spaß macht und von dem wir später mal Leben können.“

Matthias Gutmann, Palntownia

Wichtig ist Matthias jedoch, dass es sich bei „Paulownia tomentosa“ um die Urform der Pflanze handelt. Das Start-up handelt lediglich mit Hybriden, also Kreuzungen der Urform. Matthias weiß: „Die Urform gilt als potentiell invasiv Ihr Verbreitungsdruck ist so groß, dass kein heimisches Gehölz ihm standhalten kann.“

Die Blauglocke kann bis zu 20 m Wuchshöhe erreichen. Bei richtiger Pflege wächst der Stamm sehr gerade und entspricht deshalb Wertholzkriterien.

Und genau aus diesem Fakt ergibt sich ein Standbein des Unternehmens: Die Vermehrung und der Handel mit Hybriden der Urform. Bei diesen Hybriden wurde der invasive Charakter stark eingedämmt, sie sollen schneller wachasen und toleranter gegenüber Kälte sein.

Dinger mit Potenzial

Optimistisch wie jeher kaufte das Team 2014 nach dem gescheiterten Erstanbau alle in Europa für sie verfügbaren Sorten auf und legte erneut los. Auf einer 1 ha großen Ackerfläche des Onkels versuchten sie es wieder: „Am Reisbrett haben wir die Plantage, inklusive einer Tröpfchenbewässerung, eines 2m hohen Zaunes und diverser Sortenversuche geplant. Wir wollten am Rezept feilen“, so Matthias.

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Heute säen, nach mehreren Jahrzenten ernten – so sieht die Praxis in der Forstwirtschaft aus. Anders beim Blauglockenbaum, ihm kann man beim Wachsen zugucken: Von April bis Oktober schafft er ganze fünf Meter. Vier Österreicher wollen mit seiner Frucht den Edelholzmarkt erobern.

Wer heute einen Baum fällt, hat ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht eigenhändig gepflanzt. Das durchschnittliche Wachstum einer Buche liegt bei rund 40cm pro Jahr. Es dauert also mehrere Jahrzehnte bis zur Ernte. Darüber lacht der Blauglockenbaum und mit ihm vier junge Österreicher. Der Blauglockenbaum schafft 5m in nur zwölf Monaten. Nach nur zwölf Jahren ist er erntereif.

Matthias Gutmann (Foto: Plantownia)

Die Gründer des Start-ups „Plantownia“ aus der Steiermark wollen sich diese Schnellwüchsigkeit nicht nur für die Holzernte zu Nutze machen. Ihr zweites Standbein ist der Verkauf der Setzlinge an andere Landwirte. Die Brüder Matthias und Roland Gutmann sowie ihr Cousin Lukas Kniely und Dr. Herfried Eisler haben sich zusammen mit einer gehörigen Portion Idealismus auf die Fahne geschrieben, den Blauglockenbaum in der Holzindustrie bekannt zu machen.

Doch wenn es den Unternehmern gelingt, reicht ihr Baumbestand allein nicht aus, um Österreichs Skiindustrie zu beliefern. Stellt sich die Frage: Wie lässt sich ein fast unbekanntes Produkt auf dem Markt etablieren, wenn es zwölf Jahre bis zur Ernte braucht? Was in der Forstwirtschaft ein Wimpernschlag ist, ist in der Start-up-Szene eine halbe Ewigkeit.

Wir haben die Bäume einfach gesetzt – ohne Anleitung. Dann haben wir die Eisheiligen abgekriegt und 90% der Pflanzen verloren.

Matthias Gutmann, Plantownia

BLAUÄUGIGKEIT GEHÖRT DAZU

Obwohl ihr Konzept nach den ersten Pflanzversuchen 2012 im Garten der Großeltern nicht erfolgsversprechend schien, blieben die Quereinsteiger am Ball. Die ersten 300 Stecklinge verziehen ihnen ihr Unwissen nicht: „Einfach gesetzt, ohne Pflegehinweise, ohne Anleitung – und dann haben wir die Eisheiligen abgekriegt“, erinnert sich Matthias. 90% der Pflanzen gingen ein. Der Verwaltungsangestellte und seine drei Mitstreiter sahen diesen Totalausfall jedoch mit anderen Augen: „10% der Pflanzen hatten überlebt und die wuchsen wie wahnsinnig.“

Auf rund 3 ha Fläche baut das junge Unternehmen Blauglockenbäume an. Der Abstand zwischen den Bäumen wird an die vorhandenen Maschinen angepasst. (Fotos: Plantownia)

Obwohl die Unternehmer mit dem ersten Anbauversuch gescheitert waren, investierten sie nur wenig später in weitere Versuchsfelder. Die stattliche Summe von 35.000€ Eigenkapital für Zaun, Bewässerungsanlage, Stecklinge und Arbeitszeit floss beispielsweise in ihren zweiten Versuch .

GELDANLAGE GESUCHT, BAUM GEFUNDEN

Angefangen hat alles mit einer zufälligen Begegnung, erzählt Matthias: „2012 wollten wir angespartes Eigenkapital in den Holzmarkt investieren. Wir haben aber schnell gemerkt, dass sich dort viele schwarze Schafe tummeln.“ Die Suche nach möglichen Bäumen, die sie selbst anpflanzen können und die unter Österreichs Klimabedingungen wachsen, führte sie zufällig zur sogenannten Paulownia, dem Blauglockenbaum.

„Wir wollten in ein Modell investieren, dass uns Spaß macht und von dem wir später mal Leben können.“

Matthias Gutmann

Wichtig ist Matthias jedoch, dass es sich bei „Paulownia tomentosa“ um die Urform der Pflanze handelt. Das Start-up handelt lediglich mit Hybriden, also Kreuzungen der Urform. Matthias weiß: „Die Urform gilt als potentiell invasiv Ihr Verbreitungsdruck ist so groß, dass kein heimisches Gehölz ihm standhalten kann.“

Die Blauglocke kann bis zu 20 m Wuchshöhe erreichen. Bei richtiger Pflege wächst der Stamm sehr gerade und entspricht deshalb Wertholzkriterien. (Foto: Plantownia)

Und genau aus diesem Fakt ergibt sich ein Standbein des Unternehmens: Die Vermehrung und der Handel mit Hybriden der Urform. Bei diesen Hybriden wurde der invasive Charakter stark eingedämmt, sie sollen schneller wachsen und toleranter gegenüber Kälte sein.

Dinger mit Potenzial

Optimistisch wie jeher kaufte das Team 2014 nach dem gescheiterten Erstanbau alle in Europa für sie verfügbaren Sorten auf und legte erneut los. Auf einer 1 ha großen Ackerfläche des Onkels versuchten sie es wieder: „Am Reisbrett haben wir die Plantage, inklusive einer Tröpfchenbewässerung, eines 2m hohen Zaunes und diverser Sortenversuche geplant. Wir wollten am Rezept feilen“, so Matthias.

Die Dinger haben Potenzial – sie schaffen 5m von April bis Oktober.

Matthias Gutmann

Kurze Zeit später, stellten sich endlich Erfolge ein: „Im ersten Jahr geht es bei der Pflanze nur um das Wurzelwachstum. Wenn die Wurzel ein Jahr alt ist, setzt man sie auf den Stock und es entstehen mehrere Triebe. Für einen Leittrieb entscheidet man sich, die anderen werden abgeschnitten.“ Das Ergebnis überraschte das Team: Von April bis Oktober waren die Bäume teilweise mehr als 5m gewachsen. Den Pionieren wurde klar: „Die Dinger haben Potenzial – aber nur, wenn das Pflanzmaterial stimmt.“

EIGENE ZUCHT

Die Wurzelballen der meisten verfügbaren Setzlinge sind zu klein für eine direkte Auspflanzung auf dem Acker. Daher setzt das Unternehmen auf die eigene Zucht der Setzlinge. (Foto: Plantownia)

Der Einkauf der Setzlinge erwies sich als Hauptproblem: „Wir haben in Bulgarien, Italien, Rumänien und Spanien einkaufen müssen, um ein Gespür für die richtigen Sorten und die Qualität des Pflanzmaterials zu bekommen,“ erinnert sich Matthias. „Mittlerweile haben wir acht fremde Sorten getestet und tüfteln gerade an unserer eigenen Sorte.“

Das Kowhow für die eigene Pflanzenvermehrung bringt der Chemiker Herfried mit. Hauptberuflich arbeitet er in der Pharmabranche. Wie alle Gründer geht er weiter seinem ursprünglichen Job nach. Gemeinsam mit einem in Italien ansässigen Labor, ist er für die Zucht der Setzlinge verantwortlich. Größe und Vitalität der Pflanzen sind ausschlaggebend. „Wenn diese Parameter stimmen, lässt sich auf vieles verzichten“, so Matthias.

Low-Budget-Versuch

Mit ihren eigens gezogenen Setzlingen gingen es im Folgejahr zu einem „Low-Budget-Versuch“. Das heißt: Wo vorher jedes Loch für jeden Baum einzeln gebohrt wurde, kam jetzt eine automatisierte Pflanzmaschine zum Einsatz. Auf eine Bewässerungsanlage wurde sogar komplett verzichtet.

Wenn wir es nicht so gemacht hätten, wären wir wahrscheinlich gar nicht gestartet.

Matthias Gutmann

Einzig der Zaun blieb. Die 35.000€, die sie in eines ihrer ersten Versuchsfelder investiert hatten, sollten kein Maßstab bleiben. „Es war einfach zu aufwendig und aus heutiger Sicht auch recht blauäugig.“ Trotzdem ist sich der Österreicher sicher: „Wenn wir es nicht so gemacht hätten, wären wir wahrscheinlich gar nicht gestartet.“

Bei einem knappen Angebot an Ackerfläche auch in Österreich, stellt sich schnell die Frage nach dem Deckungsbeitrag pro Hektar. Matthias Rechenbeispiel, bisher zwar nicht belegt, sieht dennoch optimistisch aus: „Unterm Strich erhoffen wir uns einen Verkaufspreis von 300€/fm Paulownia-Holz. Daraus errechnet sich ein Erlös von 120.000€ pro ha. Die variablen Kosten belaufen sich auf rund 50.000€. Unterm Strich bleiben dann etwa 70.000€ DB/ha.“ Bei der geplanten Umtriebszeit von zwölf Jahren wären dies knapp 6.000€ pro ha und Jahr. „Wir haben aber noch keine Plantage erntereif“, gesteht der Gründer ein.

Agroforst

Wer eine Paulowniaplantage erfolgreich anlegen möchte, sollte auf eine gut durchdachte Projektplanung nicht verzichten. (Fotos: Plantownia)

Was es in Frankreich und der Schweiz bereits gibt, soll nun auch in Österreich etabliert werden. „Man nehme einen Acker und pflanze neben eine Baumreihe eine Feldfrucht und wieder eine Baumreihe“, erklärt Matthias. Schatten und Windschutz für die Ackerkultur, Steigerung der Biodiversität und die Förderung der Insekten seien das, was neben der Holzernte eingefahren werden könnte. Das nennt man Agroforst.

Matthias betrachtet das neuartige Ackerbaukonzept nicht als „Hektarfraß, sondern als weiteres Standbein für Landwirte. „Ein weiterer Faktor ist der Humusaufbau und die damit verbundene CO2-Speicherung. „Wir haben 650t CO2 gespeichert auf 3 ha.“

„Wir waren 2014 die Ersten mit einem Sortenversuch für Paulownia-Wertholzplantagen. Aber wir sind es nicht mehr und wir brauchen die Kollegen.“

Matthias Gutmann

Doch all das bringt noch kein Geld. „Die Summe der Dinge sei es jedoch. Die CO2-Speicherung kann über Zertifikate zu Geld gemacht werden. In Österreich hat bereits ein großer Lebensmittelhandel diese Zertifikate bei Landwirten eingekauft.

Die freie Fläche zwischen den Bäumen wird als Blumenwiese und Bienenweide genutzt. Auch die Blüten der Paulownia erfüllen diesen Zweck. Weitere Nutzungskonzepte, beispielsweise Weidegänse, werden noch erprobt. (Foto: Plantownia)

Um die zwölf Jahre bis zur Ernte zu nutzen, laufen bei den Unternehmern Weidegänse unter den Bäumen: „Unter dem Jahr verdienen wir Geld mit den Gänsen, alle zwölf Jahre mit Holz.“ Wer im kleinstrukturierten Österreich überleben will, müsse sich auf diese Mehrfachnutzung einstellen, ist sich Matthias sicher.

SKIER, SURFBRETTER UND FAHRRADRAHMEN

Heute trägt sich die Firma bereits. 10.000 verkaufte Setzlinge pro Jahr sichern das Überleben. Ziel ist es, Holz für die Industrie in großem Stil zu liefern. Der Verkauf der Setzlinge an andere Landwirte, also eigentlich Konkurrenten, wird vorteilhaft betrachtet: „Wir können nicht mit einem LKW zu Fischer-Ski fahren und sagen, in zwölf Jahren kommen wir wieder“. Sie brauchen Paulownia-Holz in großen Mengen.

Unser Ziel ist eine Genossenschaft aufzubauen. Als Vertretung für alle Paulownia-Bauern. Doch auch kleine Mengen haben schon Absatz auf dem Markt gefunden. „Wir arbeiten an einer Verbindung mit einem Fahrradherrsteller, der seine Rahmen aus Paulowniaholz baut. Ebenso wie ein Unternehmen, dass das Holz für den Bau von Surfbrettern verwendet.“


Paulownia


Unter dem Begriff Paulownia werden sämtliche Arten der Blauglockenbäume zusammengefasst. Jene sind ursprünglich in warm-gemäßigten bis subtropischen Gebieten Süd- und Ostasiens beheimatet.

Die Paulownia ist ein ausgesprochen schnell wachsender, sommergrüner, aufgrund ihrer blauvioletten Blüten seit dem 19. Jahrhundert beliebter Zierbaum, welcher auch „Kaiser Franz Joseph Baum“ genannt wird. Trotz ihres schnellen Wachstums gehört die Paulownia zu den Edelhölzern. Die Blauglocke kann bis zu 20m Wuchshöhe erreichen.