food Gründerwerkstatt

Wie es neue Food-Ideen auf den Markt schaffen free

Die digitale Veranstaltung "Food Startup Campus" hielt viele Tipps für Gründerteams bereit. (Foto: Piepenbrock)

Idee, Produktentwicklung, Prototyp, Verpackung, Marketing … Bis es eine neue Lebensmittelmarke auf den Markt schafft, braucht es viele Schritte. Auf dem Digitalevent „Food Startup Campus“ erhielten Gründer Tipps, Tricks – und Awards.

Das Programm des „Food Startup Campus„-Events hatte für Gründerteams aus dem Lebensmittelbereich einiges zu bieten: Von Pitches über Expertenpanels bis zu Breakout-Sessions drehte sich bei der Veranstaltung von „StartinFood“, der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und dem Drink Innovation Campus am vergangenen Dienstag alles um neue Leckereien in fester und flüssiger Form. Nach Veranstalterangaben fanden gut 150 Zuschauer den Weg in das Live-Streaming.

„Unverschwendet“ gewinnt Publikums- und f3-Preis

f3 verkostete die Produkte des „Tasty“-Pakets und kürte „Unverschwendet“ zum Gewinner. (Foto: Piepenbrock)

Am späten Nachmittag fand das Highlight des Tages statt: Das Publikum und eine Expertenjury kürten die Gewinner des Gründerwettbewerbs „FoodNextGen“. Auch f3 verkostete sich durch die Produkte des vorab per Post zugestellten Probierpaketes. Darin enthalten waren Getränke, Snacks und Brotmischungen der folgenden Food-Start-ups:

  • Insnack: Knabbersnacks aus Insektenmehl (Buffalo-Wurm)
  • Unverschwendet: Melonensirup mit Pfeffer, hergestellt aus Obstresten
  • Zero Bullshit Company: Protein-Snacks aus Lebensmittelresten
  • Aloha Foods: knuspriges Granola
  • Yalité: Jasmin-Eistee
  • Ingwer-Narrisch: Bier mit Ingwer-Saft
  • Hasenbrot: Backmischung für Kinder ohne Industriezucker
  • Pinaks: Insekten-Cracker (Grillen

Jedes Jurymitglied hatte einen eigenen Preis zu vergeben. Sie variierten zwischen Test-Listings im LEH über kostenlose Displaywerbung bis zu einem Gratis Online-Advertorial auf f3.de. Das und den Publikumspreis gewannen die Österreicher Geschwister Cornelia und Andreas Diesenreiter von „Unverschwendet„. Das Team arbeitet mit Landwirten aus der Region zusammen, indem es ihnen Obst und Gemüse abkauft, das diese nicht vermarkten können, weil es etwa zu groß, zu klein oder zum falschen Zeitpunkt reif ist. Aus den Lebensmitteln stellen Diesenreiters dann Marmelade, Chutneys und Sirup her.

Von der Idee zum Markteintritt: Tipps für Gründer

Food Startup Campus
Die Experten zum Thema „Food Market Early Stage“ (Foto: Food Startup Campus)

Am Vormittag ging es um Fachinformation: Der Weg von der Produktidee bis zum Eintritt in den Markt erscheint vielen Start-ups lang und holprig. Experten aus der Lebensmittelbranche gaben Tipps, worauf junge Gründerteams achten sollten. Praktische Empfehlungen lieferte etwa Josefin Schmidt, Leiterin der Zentralen Entwicklung bei Develey Senf & Feinkost GmbH. Durch diverse Tätigkeiten in renommierten Lebensmittelunternehmen weiß sie, worauf es bei der Entwicklung eines Produktes ankommt:

  • Jedes Produkt braucht ein Alleinstellungsmerkmal, das sich nicht zu leicht kopieren lässt.
  • Zielgruppen werden immer spitzer. Gründer sollten sich mit ihrem Produkt auf ein Kundensegment oder sogar eine Altersgruppe konzentrieren.
  • Gründer sollten frühzeitig Experten zur Rate ziehen und strategische Partner suchen, um Stolpersteinen aus dem Weg zu gehen.
  • Auf die stetigen Veränderungen des Marktes und das neue Einkaufsverhalten durch die Coronakrise eingehen.

Rechtlichen Rahmen nicht unterschätzen

Die deutsche Lebensmittelbranche bringt allerdings zahlreiche Regulierungen mit sich, die Food-Start-ups beachten müssen. Umso höher scheinen daher die Eintrittsbarrieren für neue Produkte in den Markt. Alexandra Wuttig, Rechtsanwältin und Professorin für Entrepreneurship und Innovation, wusste um die rechtlichen Hürden, vor denen viele Food Start-ups stehen. Ihre Tipps für junge Gründer:

  • Produkte oder Geschäftsmodelle aus anderen Ländern funktionieren nicht automatisch auch in Deutschland. Die rechtliche Lage ist bei uns oft eine völlig andere. Das gilt es vorab zu prüfen.
  • Nicht jeder Inhaltsstoff ist für jedes Produkt zulässig. Wollen die Gründer neue Inhaltsstoffe einsetzen, müssen sie zunächst prüfen, ob das zulässig ist.
  • Vorsicht bei pauschalen Werbeaussagen. Nicht alle Äußerungen dürfen ohne weiteres verbreitet werden. Wenn jemand z.B. damit wirbt, dass ein Produkt schlank macht, muss das nachweislich auch so sein.
  • Bevor sich die Gründer auf eine Bezeichnung für ihr Produkt festlegen, müssen sie prüfen, ob der Name so geführt werden darf. Hat das Produkt die Inhaltsstoffe, die nötig sind, damit es unter diesem Namen laufen darf?

Erfolgsrezept: Authentisches Storytelling und Marke

Wie authentisches Storytelling einem Produkt zum Erfolg verhelfen kann, zeigte Anja Licht von Paulikocht. Die Gründerin bietet diätische Lebensmittel an, die auf verschiedene Ernährungsstile zugeschnitten sind. Ihr Start-up entstand über Instagram, wo sie ursprünglich über den Hashtag #paulikocht Rezepte hochgeladen und sich so eine eigene Community aufgebaut hat. Ihre Empfehlung auch für kleinere Start-ups: Frühzeitig eine Marke aufbauen.

Wie der Aufbau einer Marke funktioniert, zeigte Anja Licht von „Paulikocht“. (Foto: Paulikocht)

„Es bringt nichts, sein Lager mit tollen Produkten vollzustopfen, man muss sie auch gekonnt an den Mann oder die Frau bringen“, so die Gründerin. Ihr ist es gelungen, mit geringem Budget eine Zielgruppe zu erreichen. So sei es wichtig, frühzeitig ein Gesicht hinter der Marke zu zeigen, Hintergründe aus dem Alltag zu liefern und nicht immer nur perfekt zu sein, dafür aber authentisch.

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